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| 17:24 Uhr

Neue Wolfsattacke im Lindenauer Kuhstall
Lindenauer Wolf reißt zweites Kalb

Lindenau. Erneute Wolfsattacke im Lindenauer Kuhstall der Agrargenossenschaft. Frisch geborenes 60-Kilogramm-Kalb noch in selber Nacht gerissen. Bauern denken über Nachtwachen nach. Von Andrea Budich

Ein Wolf mitten im Kuhstall zwischen 100 Muttterkühen und ihren Kälbern. In Lindenau hat sich das Schreckenszenario innerhalb vier Wochen wiederholt. Der Beute­greifer hat erneut zugeschlagen und ein frisch geborenes Kalb noch in der selben Nacht gerissen. Damit haben sich die schlimmsten Befürchtungen und Ängste der Frauendorfer Tierwirte erfüllt.

Landwirt Karsten Haschenz kümmert sich als Herdenmanager um die zehn Mutterkuh-Herden der Genossenschaft Elster/Pulsnitz. 50 Kühe mit ihren Kälbern versorgt er auf der Weide nahe Lindenau. Aus Sicherheitsgründen wird nur noch im Stall gekalbt.
Landwirt Karsten Haschenz kümmert sich als Herdenmanager um die zehn Mutterkuh-Herden der Genossenschaft Elster/Pulsnitz. 50 Kühe mit ihren Kälbern versorgt er auf der Weide nahe Lindenau. Aus Sicherheitsgründen wird nur noch im Stall gekalbt. FOTO: Steffen Rasche

„Es ist ein Alptraum“, stöhnt Andreas Kupfer. Für den Leiter Rinderproduktion in der Agrargenossenschaft Elster/Pulsnitz Frauendorf steht nach den beiden Vorfällen, die weit über Brandenburg hinaus für Aufsehen sorgen, fest, dass der Lindenauer Wolf jedwede Scheu verloren hat. „Er muss hier jede Nacht vorbeiziehen und auf eine gute Gelegenheit warten, obwohl die ersten Wohnhäuser gleich nebenan am Dorfrand stehen“, macht Kupfer auf die brisante Situation aufmerksam. Und er ist sich mit Tierärzten sicher: „Wenn der Wolf im Stall tötet, kommt er auch wieder.“

Genau das ist in Lindenau eingetreten. Ob es sich indes um den gleichen Räuber handelt, der schon Anfang April ein Kälbchen in einer Buchte des selben Stalls gerissen hat, wird noch untersucht. Der erste Kälberriss hat sich inzwischen tatsächlich als Wolfsattacke erwiesen. Im Untersuchungsbericht des Landeslabors Berlin-Brandenburg werden die Bissspuren dem Wolf zugeordnet. Es ist damit der erste verbriefte Wolfsangriff innerhalb eines Stalls. Die gesicherten DNA-Spuren am zweiten Kalbs-Kadaver sollen jetzt darüber Aufschluss geben, ob eventuell ein Problemwolf durchs Lindenauer Revier streift.

Eine Zufallsbeute war das 60-Kilogramm-Kalb indes nicht. „Nach einer schweren Geburt stand das Kalb noch nicht unter dem Schutz der Herde“, erklärt Kupfer, warum der Wolf im Stall einen leichten Zugriff hatte. Wenn er an die noch erwarteten rund 80 Kalbungen denkt, packt den Chef-Rinderwirt ein mulmiges Gefühl. Denn den Stall rund um die Uhr bewachen kann er nicht. Bei der Mutterkuh-Haltung muss er ohnehin mit jedem Cent rechnen. Nachtwachen wären aus seiner Sicht zwar sinnvoll, aber wirtschaftlich sehr schwer umsetzbar. Und seinen Stall gänzlich dicht zu machen, das verträgt sich nicht mit einer artgerechten Tierhaltung. Über Lösungsansätze wird in der Agrargenossenschaft jetzt intensiv nachgedacht. „Von der Politik kommen ja keine“, kommentiert Andreas Kupfer.

Zu den ersten Maßnahmen, die nach einem Riss im Vorjahr auf der Weide ergriffen wurden, gehört, dass zum Kalben alle Mutterkühe im Stall bleiben. Früher standen die Kühe schon im April auf der Weide. „Das Risiko gehen wir nicht mehr ein“, sagt Kupfer. Die Rechnung haben die Frauendorfer da aber nicht mit dem Wolf gemacht. Der hat inzwischen die Scheu vor dem geschlossenen Gebäude abgelegt und bedient sich im Stall.

Die Rückkehr des Wolfes war auch Thema einer Sendung aus der Reihe „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ am 9. Mai im Cottbuser Obenkino. Dort ging es um die Frage „Wem gehört die Natur?“