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| 18:57 Uhr

Lindenauer macht als Double rasant Karriere

Kevin Muschinski (l.) aus Lindenau bringt als Andreas Gabalier-Double das Festzelt zum Kochen. Der 22-Jährige mimt den Sänger des volkstümlichen Schlagers aus Österreich inzwischen so perfekt, dass er für Auftritte eifrig gebucht wird. Mehr als 150 sind für dieses Jahr schon fest.
Kevin Muschinski (l.) aus Lindenau bringt als Andreas Gabalier-Double das Festzelt zum Kochen. Der 22-Jährige mimt den Sänger des volkstümlichen Schlagers aus Österreich inzwischen so perfekt, dass er für Auftritte eifrig gebucht wird. Mehr als 150 sind für dieses Jahr schon fest. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lindenau. Den Volks-Rock'n' Roller Andreas Gabalier und den Lindenauer Kevin Muschinski (22) verbindet ein Song: Amoi seg' ma uns wieder (Einmal sehen wir uns wieder). Der Künstler singt das Lied nach schweren Schicksalsschlägen. Sein Lausitzer Double hat sich dem volkstümlichen Schlagerhelden auch deshalb verschrieben. Kathleen Weser

Kevin Muschinski (22) aus Lindenau gehört auf die Bühne. Schon als Zehnjähriger hat er auf Rentner-Geburtstagen im Heimatdorf für Stimmung gesorgt. "Im karierten Hemd, mit einer Perücke auf dem Kopf und jeder Menge Armbändchen bin ich damals als Wolfgang Petry losgezogen", erzählt er lachend. Für den Armschmuck habe er jeden Kaugummi-Automaten geplündert - die Karriere dann allerdings nicht konsequent weiter vorangetrieben. Zum Parkfest in Lindenau aber, das viele namhafte Künstler auch zum musikalischen Höhepunkt gemacht haben, war er immer da. Im Mai 2008 hat Kevin Muschinski unter höchstem Einsatz ein Autogramm von Helene Fischer ergattert. "Sie saß schon im Auto, weil sie einen weiteren Auftritt und es deshalb eilig hatte. Für mich ist sie noch einmal ausgestiegen", erzählt er. Das war ziemlich genau am Anfang des kometenhaften Erfolgs der Sängerin seit dem Album "Von hier bis unendlich".

Im proppevollen Festzelt ist Kevin Muschinski immer ganz vorn dabei gewesen. Viele Jahre auch als Mitorganisator. An eigene Auftritte vor großem Publikum hat er damals nicht gedacht. Erst vor zwei Jahren startete seine Bühnenkarriere ungeplant und in rasantem Tempo. "Freunde hatten an der Ostsee einen Bungalow gemietet. Beim Karaoke-Abend ist Andreas Gabalier gelaufen. Ich habe aus Gaudi zum Mikrofon gegriffen und war für den nächsten Geburtstag gebucht", erzählt der Lindenauer, der beruflich in einer öffentlichen Verwaltung täglich mit den knappen Finanzen jongliert.

Parkfest-Auftritt mit Folgen

Hochzeiten und Familienfeiern folgten - und der erste große Auftritt beim 60. Lindenauer Parkfest im vorigen Jahr. Mit zwei Gabalier-Titeln, die den Leuten sehr gefielen. Und hier wurde Kevin Muschinski als Doppelgänger-Talent praktisch entdeckt. Von Maik Thomas aus Dresden, damals Manager von Oliver Frank ("Italienische Sehnsucht"), dem Stargast des Volksfestes. Der Sachse hat den Lindenauer, der sich seinen angeborenen "randsächsischen Dialekt" in hartem Sprechtraining abgewöhnen musste, sofort für den eigenen runden Geburtstag im Jahr 2017 gebucht. "Wir haben unsere Kontakte ausgetauscht. Und dann habe ich ihn zum Oktoberfest nach Lindenau eingeladen", erzählt Kevin Muschinski, der dort sein erstes Liveprogramm als Andreas Gabalier-Double bestritten hat. Unterstützt von Freunden und mit großem Erfolg. Nach dem Auftritt ist die Zusammenarbeit mit dem Dresdener Musikmanager besiegelt worden.

Schicksalsschläge verbinden

Die Lieder und die Art, in der sich der österreichische Schlagersänger dem Publikum präsentiert, begeistern den Lindenauer. Der Verlust von lieben Angehörigen steht hinter dem Song "Amoi seg' ma uns wieder" (Einmal sehen wir uns wieder). Einen solchen hat Kevin Muschinski auch selbst erfahren. "Dadurch bin ich auf Andreas Gabalier aufmerksam geworden", bestätigt er. Dass er als Double praktisch auf der Erfolgswelle des Original-Künstlers mitschwimmt, ist ihm klar. Und auch, dass dies schnell endlich sein kann. Doch das Tauschkonzert "Sing meinen Song" (Vox), in dem Xavier Naidoo im vorigen Sommer das Lied "Amoi seg' ma uns wieder" interpretiert hat, hat Andreas Gabalier in Deutschland über die Fernsehauftritte in Sendungen volkstümlicher Musik (Zu Gast bei Carmen Nebel) hinaus sehr populär gemacht. Für sein Double ist das Anspruch und Ansporn zugleich.

Als Perfektionist will sich Kevin Muschinski nicht bezeichnen. "Aber was ich tue, versuche ich, mit ganzem Herzen gut zu machen", bestätigt er. Das Stimmtraining gehört dazu. Doch allein der Spaß auf der Bühne und vor allem der des Publikums sind für Kevin Muschinski entscheidend. Stundenlang studiert er die Videos von Andreas Gabalier, um dem Künstler bei den eigenen Auftritten so nah wie möglich zu kommen. Und das gelingt dem Double bravourös. Das bestätigen über den Applaus hinaus Buchungen von Künstleragenturen für Konzerte auch in Österreich, Südtirol und Italien. In diesem Frühjahr ist Kevin Muschinski auf Mallorca mit Oli P., Schäfer Heinrich und Antonia aus Tirol im "Oberbayern" zum Saisonstart (Opening) aufgetreten und für einen weiteren Auftritt gebucht worden. "Die Erfahrung war gut", sagt er. "Aber das Publikum, das nur exzessiv feiert, liegt mir nicht so ganz. Mir macht es mehr Spaß, den Leuten mit meinem Auftritt ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern", erklärt er.

Preisverdächtig nominiert

Das gelingt ihm so phänomenal, dass er als Andreas Gabalier-Double im Oktober zur "Goldenen Künstler Gala 2016" in die FILharmonie Stuttgart-Filderstadt eingeladen und in der Kategorie Double/Show-Imitatoren preisverdächtig ist. In der ersten Reihe drückt übrigens sein größter Fan, die Mutter, die Daumen. Sie ist es auch, die die Nähmaschine anwirft und die karierten Tücher schneidert, die Sven Muschinski beim Konzert großzügig seinem Publikum zuwirft. Nach dem jüngsten Heimspiel in Lindenau muss Mutti die Nadel jetzt wieder richtig heiß laufen lassen.