Der Bevölkerungsrückgang in der Lausitz und das damit verbundene Verschwinden heimischer Handwerksbäcker sowie Billigmehl, das den Markt überschwemmt, bereiten Gerd Buntzel Sorgen. Dazu ganz besonders die hohen Strompreise. Denn wenn der Mühlgraben nicht ausreichend Wasser führt, etwa von Mai bis Oktober, müsse die Mühle mit elektrischer Energie weiterbetrieben werden, erklärt er. Das kostet.

Immerhin werden pro Tag bis zu 15 Tonnen Weizen- oder bis zu zwölf Tonnen Roggenkörner zu Mehl verarbeitet.Rund 3000 Euro zusätzlich im Jahr bezahlt Buntzel aufgrund der gestiegenen Strompreise. “Das muss erst einmal erwirtschaftet werden„, erklärt der Müllermeister.

Doch die Buntzels wirft so leicht nichts aus der Bahn. Seit dem Jahr 1932 befindet sich die Mühle Lindenau in ihrem Familienbesitz. Vor 78 Jahren hatte Gustav Buntzel, der Großvater des heutigen Inhabers, das Areal übernommen. Gustav Buntzel war das jüngste von sieben Kindern einer Müllersfamilie aus dem Harz. Auf seiner Wanderschaft habe es ihn in die westliche Oberlausitz in das Pulsnitzdorf verschlagen, sagt Gerd Buntzel. Für die Lindenauer Mühle war zu Beginn der 1930er-Jahre ein neuer Besitzer gesucht worden. Zuvor muss es recht turbulent zugegangen sein. Zwischen dem Neuaufbau der Gebäude um 1880 und 1932 wissen die Geschichtsbücher von sieben Pächtern zu berichten.

Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übergab Gustav Buntzel die kombinierte Wassermühle an seinen Sohn Günter. Dieser wiederum übertrug das Technikensemble wenige Jahre nach der Wende an Sohn Gerd.

Dessen “Mühlenkarriere„ war von kleinauf vorgezeichnet. “Zunächst habe ich meinen Facharbeiter für Be- und Verarbeitung pflanzlicher Produkte, Spezialisierung Mühlenindustrie, an der Berufsschule in Bautzen abgelegt. Später erwarb ich an der Fachschule für Getreideverarbeitung im thüringischen Greiz mein Diplom„, erinnert sich der 47-Jährige. Vor gut zwei Jahrzehnten dann ist der stämmige Mann wieder zur elterlichen Mühle zurückgekehrt.

Sein Sohn Eric soll mittelfristig die vierte Generation in der “Buntzelmühle„ repräsentieren, wünscht sich Gerd Buntzel. Immerhin sei der 23-jährige Filius von seinem Arbeitgeber, den Mühlenwerken Dresden, zur Technikausbildung nach Braunschweig delegiert worden. “Ich bin aber dennoch davon überzeugt, dass ich bis zur Rente in der Lindenauer Mühle arbeiten werde„, ist sich Gerd Buntzel sicher.

Bei allen Schwierigkeiten, mit denen ein Müllermeister heute zu kämpfen habe, sei er doch sehr froh über seine treue Stammkundschaft. Neben zahlreichen Bäckern der Region kämen besonders im Herbst und in der Adventszeit viele Privatkunden nach Lindenau, um sich mit Mehl für den Weihnachtsstollen einzudecken. “Denn selbst gebacken, schmeckt es immer noch am besten„, weiß Müllermeister Gerd Buntzel. Besucherstimmen:Zum ersten Mal in der Lindenauer Mühle war Renato Müller aus Lauchhammer. Der Kfz-Elektriker zeigte sich besonders von der historischen Technik beeindruckt. Der Lauchhammeraner hatte selbst einen Onkel, der das Müllerhandwerk in der Dörrwalder Mühle erlernte.

Von Spremberg waren Steffen Mrosk und Kathrin Heydemann nach Lindenau gereist. Sie hatten zuvor schon die Sägemühle Merbeth in Kroppen angesteuert und wollten weiter ins sächsische Thiendorf. „Die Lindenauer Mühle ist wirklich eine Augenweide“, fand Steffen Mrosk.