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| 17:45 Uhr

Urteil im Schloss-Streit
Lindenau holt sich sein Schloss zurück

Hinter Schloss und Riegel: Lindenau hat sich erfolgreich die Schlüsselgewalt für das Herrenhaus zurückerobert. Der Zahn der Zeit hat indes während des acht Jahre dauernden Gerichtsgezerres nicht unerheblich am Schloss genagt.
Hinter Schloss und Riegel: Lindenau hat sich erfolgreich die Schlüsselgewalt für das Herrenhaus zurückerobert. Der Zahn der Zeit hat indes während des acht Jahre dauernden Gerichtsgezerres nicht unerheblich am Schloss genagt. FOTO: Steffen Rasche
Lindenau. Die Gemeinde hat erfolgreich ihre Eintragung als Wieder-Schlossherrin in das Grundbuch auf dem Rechtsweg durchgesetzt. Industrieverband aus Neuseeland zeigt Interesse am Schloss. Von Andrea Budich

Das Lindenauer Schloss aus dem Jahr 1584 ist nach achtjährigem Gerichtsstreit seit Montag wieder vollends in Besitz der Gemeinde Lindenau. Damit hat das Dorf nicht nur Schloss und Park zurückerobert, sondern auch den Wiedereintrag in das Grundbuch gerichtlich erzwungen und die bis zuletzt offene Schlüsselfrage geklärt.

Im zähen Schloss-Streit ist damit für Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert endlich der entscheidende Durchbruch gelungen. Mit der Schlüsselgewalt für das alte Herrenhaus kann nun ein Schlussstrich unter die beinahe unendliche Schloss-Streiterei gezogen werden - vorausgesetzt der zur Herausgabe des Schloss-Schlüssels verdonnerte Vorbesitzer legt keine Rechtsmittel ein.

Acht Jahre Schloss-Streit sind am Amtsdirektor indes nicht spurlos vorbeigegangen. Das jahrelange juristische Tauziehen hat Dutzende dicke Aktenordner gefüllt, Nerven gekostet und schlaflose Nächte beschert. Unterm Strich stehen sieben Klageverfahren bis hin zum Bundesgerichtshof mit jeweils mehreren Verhandlungsterminen. „Tausende Fahrkilometer zu den Gerichten nach Cottbus, Berlin und Brandenburg sind zusammengekommen“, rechnet der Amtsdirektor vor. Nicht unerheblich schlagen fürs Amt und die Gemeinde auch die Gerichtskosten zu Buche, die sich über die Jahre aufsummiert haben. „Mehrere Zehntausend Euro hat uns der Streit gekostet“, bestätigt Sickert. Glücklicherweise hat die Gemeinde den Gerichtssaal oft als Sieger verlassen - und somit einen Teil des Geldes zurückerstattet bekommen. Was der Dauer-Rechtsstreit dem Amt genau gekostet hat, das will Kersten Sickert in den nächsten Tagen in aller Ruhe aufrechnen lassen.

Dass Lindenau jetzt zeitnah als Schlossherrin ins Grundbuch eingetragen wird, davon geht der Amtsdirektor aus. Ein erstes Telefonat mit dem Grundbuchamt hat es gleich nach dem Verkündungstermin am Montag gegeben.

Wie es danach weitergeht mit dem Schloss Lindenau, steht noch nicht fest. Die Empfehlung des Amtsdirektors an die Gemeindevertreter ist jedoch eindeutig: der Herrensitz sollte wieder veräußert werden. Eine Reihe von Interessenten gibt es bereits. Sie warten mit unterschiedlichen Konzepten auf, wie das Schloss künftig bewirtschaftet werden könnte. Vom Hotel bis zur Seniorenresidenz - die Lindenauer sind offen und gesprächsbereit. Ein potentieller Bewerber kommt sogar bis aus Australien und Neuseeland. Die dortige Industrievertretung, zu vergleichen mit der hiesigen Industrie- und Handelskammer, hat ein Auge auf das Lindenauer Schloss geworfen und ernsthaftes Interesse signalisiert.

Egal, mit welchem Bewerber die Gemeinde am Ende handelseinig wird, soll der Kaufvertrag mit einem versierten Anwalt aufgesetzt werden. „Wir wollen beim zweiten Anlauf sämtliche Risiken ausschließen“, betont Amtsdirektor Sickert. Wenn es nach ihm geht, dann soll diesmal auf jeden Fall das Wegerecht vom Verkauf ausgeklammert sein. Denn an der Nutzung des Weges hatte sich einst der Streit um Schloss und Park entzündet.

Ob der Schlussstrich unter den Dauerstreit aber tatsächlich Bestand hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Denn der Vorbesitzer hat noch zum Jahresende gegen den Landkreis Oberspreewald-Lausitz vor dem Verwaltungsgericht Cottbus Klage erhoben. Er will damit gegen die Sicherungsanordnungen zum Schutz des denkmalgeschützten Schlossparks vorgehen. Es sieht also ganz danach aus, dass das letzte Wort im Schloss-Dauerstreit doch noch nicht gefallen ist.

Einen virtuellen Spaziergang durch den Park können Sie hier unternehmen.