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Liesker Schrotholzhaus wird jetzt gesichert

Cornelia Schnippa aus Tätzschwitz kämpft um das Holzblockhaus in Lieske. Ein Förderverein soll jetzt gegründet werden.
Cornelia Schnippa aus Tätzschwitz kämpft um das Holzblockhaus in Lieske. Ein Förderverein soll jetzt gegründet werden. FOTO: Steffen Rasche
Lieske/Tätzschwitz. Der Rettungsplan für das Liesker Schrotholz-Wohnhaus, eine Sensation dorfbaulichen Denkmalschutzes am Sedlitzer See, greift. Eigentümerin Cornelia Schnippa aus Tätzschwitz ist glücklich. Kathleen Weser

Denn das Oberlausitzer Blockhaus, das gut 300 Jahre alt sein soll und einmalig in Südbrandenburg ist, kann jetzt gesichert werden. Das Geld dafür zu beschaffen, ist ein schwerer Kraftakt gewesen. Und den europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung anzuzapfen, war dabei trotz hoher bürokratischer Hürden im Antragsverfahren noch die leichte Übung.

Eine höhere sechsstellige Summe wird benötigt, um das einzigartige Holzblockhaus vor dem weiteren Verfall zu bewahren und es dann wieder originalgetreu herzurichten. Mit dem Eigenanteil ist die Seenland-Gästeführerin und Therapeutin von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen finanziell maßlos überfordert. Trotzdem hat sie das Haus, mit dem sie vor allem auch viele schöne Kindheitserinnerungen verbindet, nie aufgegeben - und deshalb auch an die Amtsstubentür der Denkmalbehörde Oberspreewald-Lausitz geklopft. Aus der mageren Kreiskasse ist für das oft aufwendige Sanieren denkmalwerter Gebäude allerdings nichts zu holen. Aber die zündende Idee, die Substanz des Holzblockhauses und den Sanierungsaufwand untersuchen zu lassen, ist hier geboren worden. Vor drei Jahren haben drei Studenten der Hochschule Potsdam damit begonnen, den hinter hohen Büschen in Lieske verborgenen Schatz zu ergründen. Spannend und ernüchternd zugleich ist das gewesen. "Aber ich bin den jungen Leuten unendlich dankbar für ihre Arbeit", sagt Cornelia Schnippa. Denn die Nachweise zur Herkunft des Oberlausitzer Holzblockhauses, die Erkenntnisse zum Bauzustand und die möglichen Varianten für eine neue Nutzung haben plötzlich Perspektiven eröffnet.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat das Liesker Schrotholzhaus zum "Baudenkmal in Not" erklärt und in diesem Frühjahr ein Spendenkonto eröffnet. Die Resonanz ist überwältigend und treibt Cornelia Schnippa immer wieder die Freudentränen in die Augen. In fünf Monaten sind so viele Spenden eingegangen, dass die erste Haushälfte, die besonders stark leidet, jetzt gesichert werden kann. "Am liebsten würde ich jeden der Spender persönlich kennen lernen und einladen, sich anzuschauen, was nur dank dieses Geldes hier geleistet werden kann", sagt sie.

Holzblockhäuser wie das in Lieske haben das Bild der Dörfer im Norden der Oberlausitz bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts geprägt. Errichtet wurden sie hier von den Wenden aus Schrotholz, vierkantig grob behauenen Balken. Die haben fugenlose Holzwände ermöglicht. Nur selten haben Schrotholzhäuser die letzten 150 Jahre überstanden. Hausforscher bezeichnen das am Ort des Entstehens mitten im Dorf erhaltene Haus in Lieske deshalb als einen außerordentlich großen Glücksfall.

Die typischen Holzbalken und das Dach werden Ende September abgetragen, das erhaltenswerte Holz aufgearbeitet und fehlende Elemente neu angefertigt.

Cornelia Schnippa ist froh darüber, mit Zimmerer Edelbert Niedan in Krieschow einen Spezialisten des alten Handwerks gefunden zu haben, der darauf brennt, das Blockholzhaus wieder mit aufzubauen. "Auch die Menschen in der Region fiebern mit", erzählt die geforderte Hausherrin. Für das Dach, das wieder komplett mit alten Biberschwanzziegeln eingedeckt werden soll, stellen die ersten Leute bereits die angelegten Material-Reserven in Aussicht. Für den nächsten Winter wird das Haus aber erst noch mit einem Notdach versehen.

Das alte Haus muss auch neu gegründet werden und der Bodennässe wieder standhaft trotzen.

Als Museum am Sedlitzer See will Cornelia Schnippa das Haus zugänglich machen. Dafür will sie nun einen Förderverein auf die Beine stellen. Von totaler Begeisterung bis zu extremer Skepsis reichen die Reaktionen der Lausitzer. Auch den guten Rat, das alte Haus dem Verfall zu überlassen, hat Cornelia Schnippa bekommen. Aber das bringt sie nicht übers Herz. Die in Lieske aufgewachsene und auch in den ländlichen Traditionen tief verwurzelte Frau gibt nicht auf.

Der Vater hatte sich in den 90er-Jahren schon darum bemüht, dass Holzblockhaus zu erhalten. Nach Bloischdorf sollte es umgesetzt werden. Zur Museumsscheune des Niederlausitzer Sorbischen Dorfmuseums hätte das Wohnhaus gut gepasst. Doch die erhofften Fördergelder für den Ab- und Wiederaufbau konnten nicht beschafft werden. Auch mit der Idee, dem Denkmal dann jenseits der Landesgrenze in Sachsen eine neue Zukunft zu schenken, ist die Familie gescheitert. Der Verlust für die Brandenburger Denkmalliste: untragbar. Dem Verfall hat Cornelia Schnippa seitdem zwar viele Jahre zusehen müssen. Aber heute ist sie froh, dass das Haus am Originalplatz durchgehalten hat gegen den Zahn der Zeit. Dass die Baugenehmigungen vorliegen und gute Handwerker im Anmarsch sind, stimmt sie zuversichtlich - auch für die nächsten Brocken harter Arbeit, die der Rettungsplan ihr weiter abverlangen wird.