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| 11:55 Uhr

Lausitzer Baukunst
Liesker Schrotholzhaus überrascht immer wieder

 Der Krieschower Handwerksmeister Edelbert Niedan untersucht hier gerade die Qualität der uralten Balken. Unterhalb des Fensters sind die Schäden ziemlich groß.
Der Krieschower Handwerksmeister Edelbert Niedan untersucht hier gerade die Qualität der uralten Balken. Unterhalb des Fensters sind die Schäden ziemlich groß. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Lieske. Bislang unbekannte Fußböden, ein schlechterer Holzzustand als angenommen und Fenster-Geld: Langeweile ist für die Handwerker im Liesker Schrotholzhaus ein Fremdwort. Von Torsten Richter-Zippack

„Das war vielleicht eine Überraschung. Da haben wir die alten Holzdielen herausgenommen. Und darunter befand sich eine zweite Holzschicht. Die war uns bislang nicht bekannt“, bringt der Krieschower Handwerksmeister Edelbert Niedan sein Erstaunen auf den Punkt. Ans Licht kamen rund 300 Jahre alte behauende Balken aus Kiefernholz. „Der eigentliche Fußboden des Liesker Schrotholzhauses“, ergänzt Zimmermann Niedan. Sogleich haben seine Leute die historische Dielung sichergestellt. Besser gesagt, dass, was davon übrig geblieben ist. „Denn der Zahn der Zeit hat den Balken massiv zugesetzt. Ich denke aber, dass zumindest Teilstücke wiederverwendet werden können“, kündigt Edelbert Niedan an.

Seine Zimmerei ist seit Ostern wieder auf der Liesker Schrotholzbaustelle präsent. Bereits im vergangenen Herbst wurde die Nordwand des historischen Gebälks, das ohne einen einzigen Metallnagel errichtet wurde, saniert. Stattdessen halten Holznägel das Gebälk zusammen. „Zu zirka 60 Prozent haben wir das ursprüngliche Material wiederverwenden können“, sagt Niedan.

Jetzt wird an der Ostwand gearbeitet. Zudem geht es um nichts Geringeres, als die Standfestigkeit des Gebäudes zu sichern. Das Problem: Die Balkenwand war einst mit Zementputz verkleidet. Allerdings ist zwischen die Außenhülle und das Holz Feuchtigkeit eingedrungen. Kein Wunder also, dass das Holz inzwischen massive Beeinträchtigungen aufweist. „Die Schäden ist größer als bislang angenommen“, sagt Bauherrin Cornelia Schnippa, die Eigentümerin des Schrotholzhauses. Erschwerend komme hinzu, dass in der Vergangenheit immer nur notdürftig repariert wurden. „Und nicht immer fachgerecht“, ergänzt Schnippa.

Inzwischen wurden die ursprünglichen Fenster, natürlich auch aus Holz, ausgebaut. Eine Entsorgung werde es allerdings nicht geben. Cornelia Schnippa betrachtet die hölzernen Konstruktionen ebenfalls als „Zeitzeugen der damaligen Bauweise und Herstellung“. Mittels Fördermitteln erfolge eine Sanierung mit anschließendem Wiedereinbau.

Wie viel Geld Familie Schnippa für die Sanierung ihres Schrotholzhauses insgesamt investieren muss, stehe derzeit noch nicht fest. „Die Summe ist noch nicht absehbar, da das Dach und die Fassade denkmalgerecht abschließend noch gestaltet werden müssen. Dazu holen wir derzeit Kostenvorschläge ein“, erklärt Cornelia Schnippa. Zudem könne noch nicht gesagt werden, wann genau die Arbeiten abschlossen sein werden.

Für die sich daran anschließende Nutzung existiert bereits ein Grobkonzept. „Wir planen eine Art Tourist-Info mit kleinem Museum“, kündigt Schnippa an. Der Förderverein Heimathof Lieske möchte das Leben und Arbeiten jener Zeit, in der das Schrotholzhaus erbaut worden war, wieder lebendig werden lassen. Die Rede ist vom frühen 18. Jahrhundert. Lieske war damals ein rein sorbisches/wendisches Dorf inmitten der riesigen Lausitzer Heide. Die Bewohner lebten fast ausschließlich von der Land- und Forstwirtschaft. In Richtung Groß Partwitz gab es zudem ein größeres Teichgebiet. Da Kiefernholz reichlich vorhanden war, wurden die meisten Gebäude aus den behauenen Balken errichtet. Heute sind in Lieske nur noch ganz wenige übriggeblieben. Steinbauten haben die Holzkonstruktionen ersetzt.

Anlässlich der Seenlandtage lädt Cornelia Schnippa am Sonntag, 28. April (10 bis 17 Uhr), zum Tag der offenen Baustelle auf ihren Liesker Hof ein. Darüber hinaus wird dann die erste Postkarte des 80-Einwohner-Dorfes präsentiert, die seit der Nachkriegszeit entstanden ist. „Darauf sind neben dem Schrotholzhaus vor der Sanierung, die Kirche, der kleine Hof-Imbiss sowie Impressionen vom nahen Sedlitzer See zu sehen“, kündigt Schnippa an. Hinzu gesellt sich die lausitztypische Blaudruck-Tracht. „In dieser Tracht werde ich Gäste im Schrotholzhaus empfangen und führen“, sagt die Eigentümerin. Mithilfe der Postkarte wolle der Förderverein um Spenden für die weitere Sanierung des historischen Ensembles werben. Die werden reichlich gebraucht, denn weitere Überraschungen bei der fortschreitenden Sanierung sind keineswegs ausgeschlossen.