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| 16:30 Uhr

Seestadt Großräschen will neues Einzelhandelskonzept beschließen
Licht aus beim Schaufensterbummel

Die dunklen Schaufenster in Großräschens Innenstadt machen zu wenig Appetit auf einen Einkaufsbummel bei Tageslicht. Der unbelebte Eindruck ist ein Kritikpunkt der Leipziger Gutachter, die für die Seestadt ein Einzelhandelskonzept entwickelt haben.
Die dunklen Schaufenster in Großräschens Innenstadt machen zu wenig Appetit auf einen Einkaufsbummel bei Tageslicht. Der unbelebte Eindruck ist ein Kritikpunkt der Leipziger Gutachter, die für die Seestadt ein Einzelhandelskonzept entwickelt haben. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Großräschen. Einzelhandelskonzept schränkt Märkte-Wildwuchs für Großräschen ein. Grünes Licht für Aldi-Erweiterung. Für Einkaufsmarkt im Hafenviertel reicht Kaufkraft noch nicht aus. Von Andrea Budich

Gegen den Trend  ist  in der Seestadt Großräschen die Verkaufsfläche bei den lokalen Einzelhändlern gewachsen. Großräschen ist im Handel gut aufgestellt, wenngleich ohne das Möbelzentrum mit überregionaler Strahlkraft im Vergleich mit Bad Liebenwerda oder Herzberg nicht spitze. Alle Branchen sind in der Innenstadt vertreten, manche sogar mit mehreren Anbietern.

Nicht viel übrig vom lebendigen Kleinstadtbild bleibt jedoch, wenn es abends dunkel wird. „Nach Ladenschluss gehen hier die Lichter im wahrsten Sinne des Wortes aus“, kritisiert Dr. Manfred Bauer von der Leipziger Cima-GmbH. Fast alle Händler stellen ihre Beleuchtung aus, die Schaufensterauslagen verschwinden buchstäblich im Nichts. „Appetit auf einen Einkaufsbummel wird so nicht geweckt“, will der Berater für das hausgemachte Problem sensibilisieren. „Licht lockt Leute“, regt er ein Umdenken bei Großräschens Einzelhändlern an. Und er muss es wissen. Er ist in Sachen Einkaufskultur in ganz Deutschland unterwegs, hat einschlägige Erfahrungen im Fach. Die Leipziger Berater haben auch schon an den Einzelhandelskonzepten für München, Köln, Weimar, Leipzig und Potsdam mitgestrickt.

Das Wege-Leitsystem in Großräschen ist in die Jahre gekommen und überholungsbedürftig.
Das Wege-Leitsystem in Großräschen ist in die Jahre gekommen und überholungsbedürftig. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Ein Märkte-Wildwuchs wird im Entwurf des Einzelhandelskonzeptes auch für die Zukunft eingeschränkt. Grünes Licht wird indes für die beabsichtigte Aldi-Erweiterung im Ifa-Park signalisiert. Gleichermaßen empfiehlt der Gutachter, einer Vergrößerung der Verkaufsfläche von Lidl in der Freienhufener Straße nicht zuzustimmen.

Für den meisten Zündstoff im Entwurf für das Einzelhandelskonzept sorgt der Bau eines Lebensmittelmarktes in Großräschen-Süd, irgendwo zwischen Verkehrskreisel in der Seestraße und den Hafensiedlungen. „Wir vermissen einen Laden. Ein Geschäft gehört zum Wohnen am Wasser dazu“, sparen die Bewohner aus der „Hafenkante“ im Bauausschuss nicht mit Kritik. Schließlich steuern schon vor der großen Hafeneröffnung täglich bis zu zehn Reisebusse das Hafenviertel an. Momentan, so Dr. Bauer, ist so ein Lebensmittelgeschäft in Süd sehr grenzwertig. Denn bei knapp 800 Einwohnern rechnet sich ein Markt mit 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche noch lange nicht. Wenn später bis zu 2000 Großräschener in Süd wohnen und 8000 Touristen den Hafen ansteuern, dann wäre eine Markt-Planung langfristig sinnvoll. Solange aber wollen die Hafenkanten-Bewohner nicht mehr vertröstet werden. Ihr SOS ist bei Großräschens Stadtvätern angekommen. Nachgedacht wird inzwischen laut über eine Tourist-Info mit einem Sortiments-Mix auf rund 300 Quadratmetern Verkaufsfläche. Für Händler aus Großräschen, die Mut haben und ein kreatives Konzept auf den Tisch legen, stehen dafür bei Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) die Türen weit offen.

Der Entwurf des Einzelhandelskonzeptes ist seit gestern auf der Stadtseite unter www.grossraeschen.de online gestellt.