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| 19:42 Uhr

Ruhland
Letztes Puzzleteil schwebt ein

Präzisionsarbeit war am Samstagvormittag in Ruhland zu erleben. Zwei Eisenbahndrehkräne hievten eine neue Trogbrücke aus Stahl von einem Tieflader, drehten sie um 90 Grad und setzten sie millimetergenau auf die vorhandene Lagerung.
Präzisionsarbeit war am Samstagvormittag in Ruhland zu erleben. Zwei Eisenbahndrehkräne hievten eine neue Trogbrücke aus Stahl von einem Tieflader, drehten sie um 90 Grad und setzten sie millimetergenau auf die vorhandene Lagerung. FOTO: Uwe Hegewald
Ruhland. Am Eisenbahnknoten Ruhland wird ein tonnenschwerer Überbau für die Brücke eingehoben. Von Uwe Hegewald

In neun Bauphasen modernisiert die Deutsche Bahn die Infrastruktur im Eisenbahnknoten Ruhland und rüstet diese auf elektronische Stellwerkstechnik um. Am Samstagvormittag wurde dafür ein weiteres Puzzleteil angefügt, wobei der Vergleich ein wenig hinkt. Immerhin misst die Trogbrücke aus Stahl und dickem Bodenblech 13,81 Meter Länge und 4,75 Meter Breite. „Freitagfrüh haben wir sie in der Stahlbaufirma Niesky verladen, sind dort um 20 Uhr losgefahren und waren gegen 23 Uhr vor Ort“, erzählt Roman Weiß. Für den Schwertransportfahrer der Spedition Seidel war eine Ruhlander Nacht in der Fahrerkabine angesagt. Uwe Voigt (50), Bauüberwacher für das Einheben der Brücke, zeigt sich am Morgen tiefenentspannt. „Das Projekt wurde solide vorbereitet, das Team ist erfahren und auch das Wetter spielt mit. Regen oder starker Sturm hätten uns allen nicht gefallen“, sagt er. „Im Grunde dürfte nichts schiefgehen“, so der Freiberufler vom gleichnamigen Ingenieur­büro Voigt in Dresden. Um Punkt 10 Uhr verfolgen er, rund 25 Mitarbeiter und ebenso viele Zaungäste, wie zwei Eisenbahndrehkrane den Stahlkoloss vom Tieflader heben. 70 Tonnen gilt es zu wuchten und millimetergenau auf die vorbereitete Lagerung zu hieven. Zwischenzeitlich gesellen sich Andreas Kretschmar und Enkelsohn Maris zu den Schaulustigen. „Wann kann man so etwas schon mal im eigenen Wohnort verfolgen“, sagt der Ruhlander. Außerdem sei der dreijährige Enkel total von Fahrzeugtechnik, Bagger und Kranen begeistert.

Für die Zeit der Bautätigkeiten war die Bernsdorfer Straße freilich komplett gesperrt; eine Umleitung ausgewiesen und per Ampelbetrieb geregelt. Andreas Kretschmar kennt die Situation, wie auch die anhaltende, einseitige Sperrung im Brückenbereich. „Wir haben uns mit der Situation abgefunden. Sie ist zu ertragen und irgendwann auch mal abgeschlossen“, blickt er voraus. Im Oktober 2018 werden die fertiggestellten Eisenbahnanlagen mit der bestehenden Infrastruktur verbunden und in das elektronische Stellwerk integriert. Wie Erika Poschke-Frost, Bahnsprecherin für Sachsen, mitteilt, würden parallel die Straßenbauarbeiten fortgeführt und bis voraussichtlich 10. August fertiggestellt. Bedauerlich für den dreijährigen Maris, der dann nicht mehr die Bagger und Radlader bestaunen kann.

Das Einsetzten der Bahnbrücke verläuft indes ohne größere Zwischenstopps. Punktgenau manövrieren die Kranfahrer des 125-Tonner-Eisenbahnkranes und des 150-Tonner-Kranes den Brückenkörper an seinen vorgesehenen Platz. Als die Seile, Ketten und Schäkel von den Hilfstraversen gelöst werden können, zeigt sich auch Bauüberwacher Uwe Voigt zufrieden. „Ein reibungsloses und zügiges Arbeiten“, so der Elbestädter, der sein ingenieurtechnisches Einmaleins an der BTU in Cottbus und in Dresden erlernt hat.

Im weiteren Verlauf kann das Bauwerk nun fertiggestellt werden – inklusive der Montage von Gleisen und bahntechnischen Ausrüstungen. Das macht eine weitere, halbseitige Verkehrsführung mit Ampelregelung erforderlich, was Beeinträchtigungen im Straßenverkehr auf der Bernsdorfer Straße zur Folge hat. Die Deutsche Bahn räumt ein, dass sich für Anwohner Lärmbelästigungen, Nachtarbeit und Staubentwicklung nicht vollständig vermeiden ließen. Sie entschuldigt sich bei den Anwohnern und Reisenden für die Unannehmlichkeiten und bittet um Verständnis.