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Letzter Schultag für den Rektor

Gisbert Büttner, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule Ruhland, geht in den Ruhestand.
Gisbert Büttner, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule Ruhland, geht in den Ruhestand. FOTO: Steffen Rasche/str1
Ruhland. Der Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule Ruhland geht heute in den Ruhestand. Mit ausgezeichneten und schwer verdienten Abschluss-Noten – und gemischten Gefühlen. Kathleen Weser

Die Frohnatur Gisbert Büttner (64) packt die Werkzeugkiste ein, mit der er vor nunmehr 35 Jahren an der Geschwister-Scholl-Schule Ruhland zum Dienst am hoffnungsvollen Nachwuchs angetreten ist. "Ich gehe nicht so gern. Das ist meine Schule", erklärt der Rektor vor seinem letzten Schultag aber auch wehmütig. Den heutigen Tag hat er einfach auf sich zukommen lassen. Und einen Zukunftsplan für den Unruhestand ist nicht geschmiedet. Doch die Zeit sei reif. Die Schüler weiß er bei den Kollegen, "ein wirklich tolles Team" - wie er betont, fachlich und menschlich in guten Händen.

Der Abschied fällt dem Sachsen, der voller Tatendrang als Lehrer zuerst nach Schipkau und dann - mit besagtem Werkzeugkasten - zunächst als stellvertretender Direktor nach Ruhland kam, sichtlich schwer. Der Start in zweiter Reihe hat Gisert Büttner damals sehr wohl gefallen. "Ich konnte sofort mitreden. Mit der Unterschrift in der Verantwortung stand indes ein anderer", bestätigt er lachend. Aber in der komfortablen Situation blieb der Pädagoge nicht lange. Schon fünf Jahre nach Dienstantritt kam er ans Ruder. In einem altehrwürdigen Schulhaus mit erheblichem Sanierungsstau. "An unseren Wänden habe ich viele Plakate aufgehängt, die mehr als nur der Schönheit gedient haben. Lange Zeit haben wir den bröckelnden Putz verdecken müssen", klärt der langjährige Rektor mit dem Blick zurück auch zum Bedarf an handwerklichem neben dem erforderlichen pädagogischen Geschick auf. Zur DDR-Zeit ging in der kleinen Schule alles seinen "sozialistischen Gang". Abgesehen von der staatlich verordneten Ideologie "war das ein gutes Bildungssystem", stellt der Lehrer fest. Deshalb ist er mit seinen Kollegen nach dem auch ernüchternden Ausflug in die Untiefen des westlichen Bildungssystems schneller zum Bildungsweg von der ersten bis zur zehnten Klasse zurückgekehrt. Die soziale Bindung der Kinder und Heranwachsenden zur Schule ist dadurch stark. Als Schulzentren wird das Modell jetzt allgemein wieder modern. Harte Jahre für Schüler und Lehrer in Ruhland, die unter dem Dach einer Gesamtschule auch Geringschätzung und einen immer währenden Kampf ums Überleben ertragen mussten, sind vorbei. Die Schule mit familiärer Atmosphäre und einer starken Ausrichtung auf berufliche Perspektiven im heimischen Handwerk und Gewerbe hat ihren guten Ruf zurück erkämpft. Das macht den scheidenden Schulleiter stolz. "Jeder Schüler bekommt eine Chance", erklärt er die Philosophie für seine Schule. Ein gewagtes Experiment mit einer ganzen Sitzenbleiber-Klasse ist geglückt. "Wir haben Zweidrittel dieser Schüler zum Abschluss geführt", bestätigt Gisbert Büttner. Und dabei auch Nerven gelassen. Aber es gebe kein schöneres Gefühl als die Gewissheit, junge Menschen mit solidem Wissen ins weitere Leben geschickt zu haben. Die Freude über einstige Sorgenschüler, die ihren Weg gefunden haben und dies beim Treffen in der übersichtlichen Kleinstadt auch bestätigen, sei groß. "Unsere Schüler müssen einen Liebesbrief fehlerfrei schreiben können", sagt Gisbert Büttner. Textnachrichten mit dem Daumen-hoch-Symbol sind nicht sein Ding. Und in jeder Unterrichtsstunde muss mindestens einmal gelacht werden, ergänzt der Lehrer - der immer für einen Witz zu haben ist, aber auch mit aller Strenge durchgreifen kann. Die Knallgasprobe in Chemie sei immer gut, um einschlummernde Schüler wieder zum Lernen zu bewegen.

Das Amt Ruhland hat die Schule aufgemöbelt und gut ausgestattet. Bis auf das Büro des Schulleiters, das von der betagten Schrankwand bis zum Schreibtisch einen alten, aber auch besonderen Charme ausstrahlt. Die Werkzeugkiste passt gut dazu. Aber Gisbert Büttner nimmt sie jetzt mit. Denn er schreitet zu neuen Taten - zuerst in Haus und Hof und dann: mal sehen.