ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:45 Uhr

Wehmut: 3000 Tonnen-Schaufelradbagger des Tagebaus Meuro soll gesprengt werden
Letzte Reise für das „Blaue Wunder“ vom Lausitzring

 Die Tage  für das „Blaue Wunder“ am Lausitzring sind gezählt. Der 3000 Tonnen schwere  Schaufelradbagger soll gesprengt werden. Schipkau ist bereits in Kontakt  mit Fachleuten zur  Abbruchtechnologie.
Die Tage für das „Blaue Wunder“ am Lausitzring sind gezählt. Der 3000 Tonnen schwere Schaufelradbagger soll gesprengt werden. Schipkau ist bereits in Kontakt mit Fachleuten zur Abbruchtechnologie. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Meuro. Schipkau und Großräschen haben bereits zugestimmt: Ein Stück Geschichte soll in die Luft gesprengt werden. Von Andrea Budich

An diesem Vorentscheid kleben Emotionen Hunderter Bergleute aus dem Senftenberger Revier: Das „Blaue Wunder“ vom Lausitzring soll auf seine letzte Reise geschickt werden. Damit geht ein Stück Lausitzer Bergbaugeschichte unwiderruflich verloren.

Das letzte Großgerät des früheren Tagebaus Meuro, der Schaufelradbagger Nr. 1473, hatte vor 15 Jahren seinen letzten Standort nahe des Lausitzrings gefunden. Seither gehört das „Blaues Wunder“ zu den bekanntesten Landmarken der Lausitz.

Inzwischen ist die blaue Farbe zu einem Hellgrau verblichen. Dies ist nicht das einzige Zeichen der Alterung. Wind und Wetter taten ein Übriges, so dass sich die drei Eigentümer Senftenberg, Großräschen und Schipkau Gedanken über die Zukunft des Großgeräts machen. Die Mitglieder der Hauptausschüsse von Großräschen und Schipkau haben bereits der unumgänglichen Verschrottung zugestimmt.

„Daran führt trotz schweren Herzens kein Weg vorbei“, bestätigt Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD). Neben dem Rost gibt es ein zweites Problem: Vandalismus und Diebstahl. Geklaut wird auf dem Tagebauriesen so gut wie alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Dazu gehören Laufgitter, Kabel und Leuchten.

Der 1965 vom damaligen VEB BFG Lauchhammer errichtete Schaufelradbagger war überwiegend im früheren Tagebau Meuro im Einsatz. Das seinerzeit optimal in Hoch- und Tiefbaggerung einsetzbare Gerät trug Bodenmassen ab und schuf damit im Vorfeld der Abraumförderbrücke ein ebenes Planum. Gegen Ende des Tagebaus Meuro wurde mit dem Gerät die heutige Form des Großräschener Hafenbeckens geschaffen. Später diente der Bagger der Gewinnung von Erdmassen, um restliche Tieflagen des Tagebaus bei Senftenberg und Sedlitz zu schließen.

2003 fiel zwischen LMBV und Kommunen die Entscheidung, den imposanten Bagger auf eine letzte Reise in Richtung Lausitzring zu schicken. Hier war das 51 Meter hohe und 3000 Tonnen schwere Tagebaugroßgerät Kulisse für manchen Kameraschwenk des Fernsehens.

„Der Bagger wurde seinerzeit ohne weitere technische Ertüchtigung außer Dienst gestellt, denn er sollte nur noch als Landmarke dienen“, erklärt Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) dazu. „Somit wundert es natürlich nicht, dass nach weiteren 15 Jahren das Ende der Lebensdauer erreicht ist.“

Schipkau übernahm seither das Tagesgeschäft bei der Bewirtschaftung des Baggers. Nach den ersten zustimmenden Entscheidungen der Abgeordneten wird nun das weitere Vorgehen untersucht. Schipkau ist dazu bereits in Kontakt mit Partnern, um die Abbruchtechnologie zu bestimmen. Wahrscheinlich wird der 3000-Tonnen-Gigant in die Luft gesprengt. „Fest steht, dass besondere Teile des Baggers, wie die Typenschilder und das Schaufelrad, für die Nachwelt gesichert werden“, verspricht Prietzel. So soll die Erinnerung an das „Blaue Wunder“ erhalten bleiben.