| 02:43 Uhr

Leidenschaftliches Verhör im Wettbewerb

Die Senftenberger Videofilmer bei den Dreharbeiten zum Minutenfilm "Das Verhör".
Die Senftenberger Videofilmer bei den Dreharbeiten zum Minutenfilm "Das Verhör". FOTO: Michael Franke
Senftenberg. Die Videofilmer Senftenberg sind am Wochenende im Theater Neue Bühne erneut die Gastgeber für einen unterhaltsamen Wettstreit. Kathleen Weser

Mit auf den Punkt gefilmten Parodien, deren Pointe ebenso sitzt wie das technische Handwerk, startet am Wochenende im Theater Neue Bühne Senftenberg auch der Wettbewerb um den besten deutschen Minutenfilm. Der zum Hauptkommissar beförderte Alexander Haase ermittelt nunmehr bereits im dritten Jahr mit dem Kollegen Schmidt (Rainer Walzcak) - an Originalschauplätzen des Verbrechens und der Ermittler. Das bestätigt Michael Franke von den Senftenberger Videofilmern mit Schalk im Blick. "Das Verhör" soll in der Gunst des Fachpublikums und interessierter Zuschauer punkten. Das gelingt den Kurzfilm-Freunden seit Jahren gut. Und es ist viel mehr das Können als der Heimvorteil, das den Senftenbergern immer wieder auch große internationale Erfolge beschert. Noch vor dem Ehrgeiz aber steht der Spaß. Vom Drehbuch über ganzen Körpereinsatz im Gelände bis zum Schnitt Punkt auf die Minute. Die Ordnungshüter erreichen dabei Kult-Status.

Zuerst sind sie bei einer Verkehrskontrolle aufgetaucht: Randy Schmeil vom Verein Kulturregen in Wormlage fährt im Gewerbegebiet Großräschen unerwartet in die Tempo-Falle. "Auch das noch", kommentiert er im Wagen den Anblick von Rainer Walzcak. Der schwingt hinter der Ladezone des Möbelhauses als Ordnungshüter eindeutig die Kelle. Und Polizist Alexander Haase verlangt dann auch Führerschein und Fahrzeugpapiere. Der Fahrer mit dem vorsorglich schlechten Gewissen fragt: "Was habe ich denn gemacht?" Nichts. "Wir suchen einen Zuhälter", erklärt der Polizist und wünscht dem aus dem Verkehr gezogenen Schmeil eine gute Weiterfahrt. Doch der legt schon wenige Meter weiter wieder den Rückwärtsgang ein. Sichtlich ist bei dem Mann am Steuer der Groschen gefallen. "Tschuldigung", sagt Randy Schmeil dem erstaunten Polizisten. "Ich will den Job."

Der Minutenfilm setzt sich vor drei Jahren gegen die 27 anderen Wettbewerbsbeiträge durch. Der Sieg beschert den Senftenberger Videofilmern mit Wolfgang Jahn und Michael Franke hinter der Kamera den Deutschen Meistertitel.

Die Erfolgsserie wird dann mit der Jagd nach einem Einbrecher fortgesetzt. Nunmehr sind die Polizisten, die aus dem Theater-Fundus ausgestattet werden, einer Kleptomanin auf den Fersen. Der Ausgang des Verhörs ist natürlich noch offen. Es wird ja erst morgen in der Neuen Bühne "geführt", sagt Franke.

Die Vorentscheidung über die Fahrkarte zur Kurzfilm-Weltmeisterschaft fällt traditionell in Senftenberg, wird aber trotzdem erst bei den Deutschen Filmfestspielen gelöst. Denn hier werden die besten Minutenfilme aus dem Wettbewerb in der Lausitz nochmals von neuem Publikum abgestimmt. Diese zweite Runde wird gedreht, damit die äußerst erfolgreichen Senftenberger nicht zu stark vom Heimvorteil profitieren können. Doch der Blick in die Reihen der Zuschauer in der Neuen Bühne hat immer gezeigt: Das kundige Publikum ist sehr kritisch und fair. Die hiesigen Starter bekommen als Gastgeber keinen Sonderbonus in der Bewertung. Aber ihr Erfolg, das ist die Kehrseite der glänzenden Medaille, lässt bundesweit doch einige Filmemacher die Bewerbung für den hochkarätigen Wettbewerb in der Lausitz scheuen.

Der Verein der Videofilmer Senftenberg hat das diesjährige Filmfest wieder mit viel Liebe zum Detail vorbereitet. Das versichert Michael Franke. "Wir freuen uns auf viele Zuschauer, die bei freiem Eintritt ins Theater eine unterhaltsame Stunde erleben können", sagt er.

Zum Thema:
Die 9. Senftenberger Kurzfilmtage starten heute im Theater Neue Bühne. Ab 16 Uhr werden die Wettbewerbsbeiträge zum Thema "Leidenschaften" gezeigt. Morgen beginnt um 10 Uhr der Vorkampf zum Deutschen Minutenwettbewerb, der am Abend (ab 17 Uhr) entschieden wird. Am Sonnabendnachmittag sind die Trommel-Künstler "Natsumi Taiko" aus Bad Liebenwerda und am Abend ist Friedrich Rössiger mit dem musikalisch-literarischen Programm "Alles Gute Jungs" zu Gast.