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Lehrstellen-Angebote so gut wie nie zuvor

Jana Seidel (r.) von der Arbeitsagentur informiert über die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen und für ein Duales Studium.
Jana Seidel (r.) von der Arbeitsagentur informiert über die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen und für ein Duales Studium. FOTO: str1
Senftenberg. Die dringend benötigten Fachkräfte von morgen über mögliche Berufswege und Chancen zu informieren, das haben sich Unternehmen im Wirtschaftsgebiet des Regionalen Wachstumskerns Westlausitz (RWK) auf die Fahnen geschrieben. In der Senftenberger Niederlausitzhalle haben etwa 100 Aussteller und Dienstleister am Arbeitsmarkt am Sonnabend das Gespräch mit den Schülern, die langsam über ihren Weg ins Berufsleben entscheiden müssen, gesucht – und teilweise gefunden. Kathleen Weser

Meist führen die Eltern das Wort. Vor allem Unternehmer im Handwerk und mittelständische Produzenten beklagen mangelndes Selbstbewusstsein und geringes Interesse der Hauptpersonen. Dienstleister zeigen Verständnis für die auffallende Zurückhaltung der angehenden Schulabgänger. Die Orientierung sei in dem Alter nach wie vor schwer. Erstes Ziel der meisten der jungen von den Eltern begleiteten Gäste bleibt die Lausitz. Und darauf setzen die Firmen aus dem Wachstumskern, der die Städte Senftenberg, Lauchhammer, Schwarzheide, Großräschen und Finsterwalde sowie deren Umfeld vereint. Die Fülle der Berufe und Angebote in der Region ist groß.

Die Ausbildungsmesse bietet eine gute Möglichkeit, sich zu informieren. Das hat Hendrik Fischer, Staatssekretär im Wirtschafts- und Energieministerium des Landes Brandenburg, zur Eröffnung erklärt. "Der Arbeitsmarkt in der Westlausitz hat großes Potenzial", sagt er und lobt das Engagement des Wachstumskerns, möglichst viele Fachkräfte in der Region halten zu wollen. "Doch bedauerlicherweise bilden zu wenige Betriebe junge Menschen aus. Das gilt besonders für sehr kleine Firmen. Und leider entscheiden sich auch weniger junge Leute für eine duale Ausbildung", erklärt der Staatssekretär weiter. "Gleichzeitig wächst unsere Wirtschaft, und Fachkräfte sind so gefragt wie lange nicht mehr", so Fischer weiter. Diese Problematik sei in Südbrandenburg sogar noch drängender als im Restgebiet des Landes: Hier wurden 2017 bislang weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. "Deshalb ist diese regionale Veranstaltung auch so wichtig, um noch stärker für die duale Ausbildung zu werben", sagt Fischer beim Messerundgang.

Der bietet den Rahmen für Unternehmen und potenzielle Auszubildende, sich miteinander auszutauschen. Schüler können sich über interessante Berufsbilder informieren, Unternehmen für ihre Ausbildungsplätze werben.

Marktkauf-Chef Mirko Buhr freut sich sichtlich über das Interesse junger Leute an einer Lehre im Einzelhandel. Mit Anja Christiansen hat er eine top Ausbilderin mitgebracht. Sie ist ein Eigengewächs der Mannschaft des großen Verbrauchermarktes mit Waren des täglichen Bedarfs in Lauchhammer. "Ich habe meine Lehrausbildung im Marktkauf gemacht. Und mir macht es Spaß, mit den Auszubildenden zu arbeiten", bestätigt sie. Das Haus ist erstmals auf der Messe präsent. Und Senftenberg ist ein interessantes Pflaster für die Ausschau nach den Fachkräften von morgen, sagt Mirko Buhr. "Wir müssen ja darauf Rücksicht nehmen, dass die jungen Leute ihren Arbeitsort bei uns in Lauchhammer zunächst mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können", nennt er ein Problem beim Namen. Die theoretische Ausbildung erfolgt im Oberstufenzentrum (OSZ) in Sedlitz. Das sei für den Nachwuchs machbar. Herausfordernd für das Unternehmen sei aber auch, dass junge Menschen nach der Lehre natürlich nicht in Teilzeit ins Berufsleben durchstarten wollen. Den Markt optimal zu organisieren und die sozialen Bedürfnisse dabei ebenso zu berücksichtigen, werde immer schwieriger. Die BASF Schwarzheide wird im nächsten Jahr nach längerer Pause wieder Chemielaboranten ausbilden. Thomas Kutscher aus Laubusch klärt über die Möglichkeiten und Perspektiven auf. Gut 20 Gespräche führt auch das Team des Finsterwalder Unternehmens Galfa, als leistungsstarker Beschichter für funktionelle Oberflächen und Gewindesicherungen auch wichtiger Partner für die Automobilindustrie.

Zum Thema:
Breites Angebot an AusbildungsstellenIm Land Brandenburg werden 290 Berufe ausgebildet. Für 217 ist der Weg für Schulabgänger in Unternehmen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz offen. Die Jobbörse der Agentur für Arbeit bietet die komprimierte Information über die heimischen Betriebe und die Ausbildungsstätten mit kompetenten Beratern zum Beruf und dem Bildungsweg. An 109 Ständen sind die heutigen Schüler und möglichen Fachkräfte von morgen zur Ausbildungsmesse in der Niederlausitzhalle informiert worden. Das Angebot an Lehrstellen ist so groß wie nie zuvor. Kontakt: www.das bringtmichweiter.de