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Lehrer-Not bringt Eltern auf die Barrikaden

Guteborn. Die 20 Viertklässler der Grundschule in Guteborn haben in ihren ersten vier Grundschuljahren vor allem eines gelernt: Auf eine feste Klassenlehrerin als Bezugs- und Vertrauensperson können sie sich nicht verlassen. "Ihre komplette Grundschulzeit stand unter keinem guten Stern", bestätigt auch Ina Knothe als Vorsitzende der Schulkonferenz. Andrea Budich

Die Geschichte nimmt ihren Lauf mit der Schwangerschaft ihrer allerersten Klassenleiterin noch im ersten Schuljahr. Nach monatelangem Lehrerwechsel übernimmt eine Vertretungslehrkraft zum Halbjahr der zweiten Klasse befristet bis zum Schuljahresende das Zepter. Für ein halbes Jahr zieht Ruhe ein in den Schulalltag der Zweitklässler. Das Auf und Ab im Lehrerwechsel kehrt dann in der Klasse 3 zurück. Damals hatte zunächst Kathrin Richter die Klasse übernommen, die aber nach der Rückkehr von Schulleiterin Gabriele Theiss in den Brandenburger Landtag wieder ins Direktorenzimmer wechselt. Danach übernimmt wiederum eine neue Lehrerin das Ruder in der Klasse - bis auch sie schwanger wird. Seit März dieses Jahres ist wieder alles beim Alten: Die Viertklässler haben keine feste Klassenleiterin.

"Diese ungeordneten Verhältnisse haben die Eltern endgültig auf die Barrikaden gebracht", sagt Daniela Sattler als Elternsprecherin der Klasse 4. Mit der Forderung, dass Grundschüler für eine erfolgreiche Schulkarriere Kontinuität brauchen und keinen ständigen Lehrerwechsel, schalten Schulkonferenz und Elternsprecher im März Bildungsminister Günter Baaske und den CDU-Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben ein. Auch mit dem Landeselternrat setzen sich die Guteborner Eltern in Verbindung.

Das Schulchaos von Guteborns Viertklässlern bleibt indes nicht ohne Folgen. Sieben Kinder wollen die Klasse verlassen, bestätigt die Elternsprecherin nüchtern. Fünf Schüler wechseln zum neuen Schuljahr ins Gymnasium und zwei auf Privatschulen.

Guteborns Schulleiterin Kathrin Richter räumt ein, dass die ständigen Wechsel "ungünstig, aber nicht vorhersehbar oder gar planbar waren". Den Wunsch der Eltern nach Ruhe und Kontinuität für die letzten beiden Grundschuljahre unterstützt sie. Umso mehr freut sich die Schulleiterin, dass auch das Staatliche Schulamt Cottbus Einsicht zeigt für die schwierige Situation der Klasse. Inzwischen liegt die befristete Abordnung der bei den Schülern bereits bekannten Lehrerin Jördis Heymann für die Schuljahre 5 und 6 auf dem Schreibtisch von Kathrin Richter. Damit endet für die Grundschüler die vierjährige Odyssee. "Ab September hat die Klasse eine Klassenleiterin, die die Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit begleitet", zeigt sich die Schulleiterin erleichtert.

Der Lehrermangel ist acht Wochen vor dem Start des neuen Schuljahres im Landkreis OSL vielerorts spürbar. Im Juni hatte Schulrätin Dagmar Kittel in Lauchhammer öffentlich eingeräumt, dass noch vier Lehrer für die ersten Klassen in Lübbenau und in Senftenberg fehlen. Grundsätzlich jedoch sind für den Leiter des Staatlichen Schulamtes, Gerald Boese, "genug Lehrkräfte da, um die Klassenleiter-Tätigkeit abzusichern".