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| 14:56 Uhr

Unterwegs in der Lausitz als Wolfsbeauftragte
Zwei Schwarzheider sind ehrenamtlich dem Wolf auf der Spur

 Detlev und Corinna Klaus lieben die Natur und sind viel in Wald und Flur unterwegs. Perfekte Voraussetzung für die Aufgabe als ehrenamtliche Wolfsbeauftragte. Früher waren oft auch die beiden Hunde des Paares dabei – Boxer Janus und Mischlingshündin Luna.
Detlev und Corinna Klaus lieben die Natur und sind viel in Wald und Flur unterwegs. Perfekte Voraussetzung für die Aufgabe als ehrenamtliche Wolfsbeauftragte. Früher waren oft auch die beiden Hunde des Paares dabei – Boxer Janus und Mischlingshündin Luna. FOTO: privat / Klaus
Schwarzheide. Ein Ehepaar aus Schwarzheide sammelt als ehrenamtliche Wolfsbeauftragte Fakten über das Raubtier und gibt die Daten ans Land weiter. Dafür haben die Beiden spezielle Fortbildungen absolviert. Von Catrin Würz

Oft ist es nur eine kleine Meldung im Polizeibericht: Irgendwo ist ein Wolf von einem Auto angefahren worden - so wie kürzlich bei Biehlen. Das verletzte Tier flüchtete und wurde erst am nächsten Morgen von einem Radfahrer gefunden. In solchen Momenten wird sofort Detlev Klaus gerufen. „Zusammen mit einem Tierarzt sind wir sofort hingeeilt – doch die Verletzungen waren so schwer, dass eine Rettung nicht mehr möglich war. Der Wolf musste eingeschläfert werden“, erzählt er betroffen. Detlev Klaus ist mit seiner Frau Corinna ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Wenn irgendwo in der Region ein Wolf gesichtet oder aufgefunden wird, ist das naturverbundene Ehepaar aus Schwarzheide stets der richtige Ansprechpartner.

Dafür haben die Klausens schon vor Jahren eine umfangreiche Ausbildung beim Wolfsbüro Lupus durchlaufen. „Fährtenkunde, aber auch Wissen über die Zusammenhänge und das Zusammenleben der Tiere in der Wildnis gehören da dazu“, erzählt Detlev Klaus. Auch eine Jagdausbildung und eine Weiterbildung zum Wildnispädagogen schlossen sich für das Ehepaar noch an. Sie führen interessierte Kinder- und Erwachsenengruppen durch den Wald, um Vorurteile und Unkenntnis über den Wolf ausräumen zu können. „Wir können dies mit unseren eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen tun, die wir über viele Jahre gesammelt haben“, berichten sie.

Der 55-jährige Schlosser und die Wirtschaftskauffrau verbringen sozusagen fast ihre ganze freie Zeit in Wald und Flur zwischen Ruhland und Altdöbern, um die Tier- und auch die Pflanzenwelt zu beobachten, zu dokumentieren und zu erforschen. Sie betreuen Wildkameras und werten die Aufnahmen aus. Sie sammeln Losung – den Kot der Tiere – und dokumentieren Spuren. Auf diese Weise konnten die Schwarzheider vor etwa fünf Jahren auch als Erste das Wolfsrudel in der Ruhlander Heide nachweisen. Mit ihrer akribischen Sammlung von Spuren, Fotos und Fakten tragen sie zur großen Datenerfassung über den Wolf im Land Brandenburg bei und unterstützen die wissenschaftliche Forschungsarbeit des Landesumweltamtes. Das bestätigt auch Steffen Butzeck vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. „Die ehrenamtlichen Wolfsbeauftragen sind ein wichtiges Glied beim Schutz und der Erforschung des Wolfes in Brandenburg.“ Im Land werden derzeit insgesamt 26 Wolfsrudel und zwölf Paare auf 38 bestätigten Territorien gezählt.

Detlev Klaus kann in der von ihm betreuten Region im Süden von Brandenburg zirka sechs bis sieben Wolfsrudel benennen. Außer in der Ruhlander Heide weist der Wolfsbericht auch Rudel bei Senftenberg, Hohenbocka, Grünhaus und Großräschen-Altdöbern aus. Der 55-Jährige hat etwa alle vier bis fünf Tage auf seinen Streifzügen durch den Wald eine leibhaftige Begegnung mit einem Wolf. „Erst heute morgen um 4.20 Uhr habe ich zum letzten Mal einen gesehen“, sagt er lächelnd. Im Wald bei Ruhland begegnete ihm das Tier, ohne groß Notiz vom Menschen zu nehmen.

Von solchen Erlebnissen berichtet der Schlosser auch immer dann, wenn er mit Hysterie und Angstmache zum Thema Wolf konfrontiert wird. Aber das sei in den vergangenen Jahren schon viel weniger geworden. „Viele wissen heute einfach mehr über den Wolf und seine Lebensweise. Dass er keine Gefahr für den Menschen darstellt und auch nicht das Wild im Wald ausrottet; sondern eher zu einem gesunden Wildbestand beiträgt“, erläutert Detlev Klaus. Mit den Jagdpächtern sei man in regem Austausch.

An den schwindenden Vorurteilen über den Wolf haben der 55-Jährige und seine Frau durch ihre Arbeit ja ebenfalls ihren Anteil. Corinna Klaus will alle Naturfreunde ermutigen, entsprechende Sichtungen und Beobachtungen dem Ehepaar in Schwarzheide mitzuteilen. „Jeder Hinweis von Bürgern ist für uns wichtig“, sagt die 49-Jährige, die sich von den Menschen noch mehr Respekt und Ehrfurcht für die Tier- und Pflanzenwelt wünscht.  „Wir leben doch alle zusammen auf dieser Welt - und wir Menschen sind auf die Natur und die Tiere angewiesen.“