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| 18:50 Uhr

Im OSL-Kreis können 96 000 Hektar bejagt werden
Lausitzer auf der Hut vor Schweinepest

Landwirt Thomas Domin hofft, dass die Lausitz von der Afrikanischen Schweinepest verschont bleibt. In seinem Stall leben derzeit gut 40 dieser Borstentiere.
Landwirt Thomas Domin hofft, dass die Lausitz von der Afrikanischen Schweinepest verschont bleibt. In seinem Stall leben derzeit gut 40 dieser Borstentiere. FOTO: Richter-Zippack
Peickwitz/Senftenberg. Bislang hat die Afrikanische Schweinepest die Lausitz verschont. Doch Landwirte, Jäger und Behörden wappnen sich gegen die todbringende Krankheit. Von Torsten Richter-Zippack

Gut 40 Schweine grunzen im Stall des Landwirtschaftsbetriebs Domin in Peickwitz. Die drei bis neun Monate alten Borstenviecher fühlen sich offenbar sehr wohl. Sie ahnen nichts von der tödlichen Gefahr, die mehrere hundert Kilometer östlich und nordöstlich ihres Zuhauses lauert. Die Rede ist von der Afrikanischen Schweinepest, einer bei den namensgebenden Tieren fast immer tödlich endenden Seuche. Derzeit wütet die Krankheit in den Schwarzwildbeständen in Polen, im Baltikum, mittlerweile auch in Tschechien. In Deutschland wurde bislang noch kein Fall nachgewiesen. Ein Hauptproblem: Das Schwarzwild kann die Seuche auf Hausschweinbestände übertragen.

„Wir machen keine Panik, sind aber noch vorsichtiger“, erklärt Landwirt Thomas Domin, der den Familienbetrieb seit 21 Jahren führt. Unter anderem müsse das Hoftor stets geschlossen sein, damit keine Wildschweine auf das Firmengelände gelangen können. Dass Schwarzkittel vor den Ställen auftauchen, sei zwar sehr unwahrscheinlich, könne aber eben auch nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Darüber hinaus dürfen nur die Angestellten die Ställe betreten. Außerdem hat sich Domin Seuchenmatten zugelegt. Diese sollen Erreger, die sich möglicherweise an die Schuhsohlen der Landwirte geheftet haben, abtöten.

Käme es tatsächlich zum Fall der Fälle, müssten wohl alle gut 40 Schweine umgehend geschlachtet werden, beschreibt Thomas Domin das Szenario. Dann wäre die Frischfleischproduktion für seinen Hofladen unterbrochen. „Wir müssten Fleisch zukaufen. Dabei setzen wir auf unsere eigenen Produkte“, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Zudem sei der finanzielle Schaden beträchtlich. Pro Schwein könne eine Summe von rund 250 Euro angesetzt werden. Immerhin seien die Tiere entsprechend versichert.

Existenzgefährdend wäre der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest für den Peickwitzer Betrieb indes nicht. „Wir haben zum Glück genügend weitere Standbeine“, erklärt der Inhaber. Zudem besitze das Unternehmen bereits Erfahrungen im Umgang mit solchen Situationen. Erst Ende 2016 musste aufgrund der Vogelgrippe das Federvieh über längere Zeit in den Ställen gehalten werden. Bei den Schweinen sei dies einfacher. Die Tiere würden sich ohnehin jederzeit geschützt unterm Dach aufhalten.

Indes arbeiten auch die heimischen Jäger an einer Reduzierung des ausufernden Schwarzwildbestandes. Die Afrikanische Schweinepest allein durch eine intensive Bejagung aufzuhalten, sei aber unrealistisch, sagt Ronald Böttcher vom Jagdverband Senftenberg. Der Waidmann plädiert indes für eine technische Aufrüstung. Beispielsweise sollten Nachtzielgeräte, die bislang nicht gestattet sind, erlaubt werden. Damit werde die Schweinejagd auch in mondlosen Nächten möglich. „Für eine drastische Bestandsreduzierung hätten diese Geräte den Jägern eher genehmigt werden müssen.“ Darüber hinaus mahnt Böttcher eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Landwirten an. Schließlich seien gerade die großen Mais- und Rapsschläge ideale Rückzugsgebiete für die Wildschweine.

Nach Angaben der OSL-Jagdbehörde gibt es zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen derzeit 190 Jagdbezirke. Insgesamt können im Oberspreewald-Lausitz-Kreis rund 96 000 Hektar bejagt werden. Zwischen den Jahren 2013 und 2016 wurden in jeweils zwölf Monaten zwischen 3800 und 4200 Schwarzkittel erlegt. „Der tatsächliche Bestand an Tieren liegt um ein vielfaches höher“, sagt Kreissprecherin Sarah Werner.

Der Landkreis bereite sich indes zweigleisig auf die drohende Seuche vor. Zum einen gibt es den speziell auf die Afrikanische Schweinepest ausgerichteten Tierseuchen-Alarmplan. Die zweite Schiene beinhalte Maßnahmen, um mögliche Schäden für die Allgemeinheit zu reduzieren. Für die Jäger stellt der OSL-Kreis ab April eine Abschussprämie für das Schwarzwild in Aussicht. Eine Beschlussvorlage geht laut Sprecherin Sarah Werner im März in den Kreistag. Demnach erhalten die Waidmänner für jedes geschossene Wildschwein 20 Euro. Übersteigen die erlegten Schwarzkittel den Streckenwert das Jagdjahres 2015/2016, greife die Prämie des Landes Brandenburg. Nach Angaben des Umweltministeriums soll sich diese bei 50 Euro pro Tier bewegen.

Angenommen, die Afrikanische Schweinepest würde in einem Hausschwein-Bestand ausbrechen, Dann würden laut Landkreis die üblichen Sperr- und Beobachtungsgebiete eingerichtet. Der betroffene Bestand müsste geräumt, gereinigt und desinfiziert werden. Darüber hinaus gelte es, den Wildschweinbestand um 70 bis 80 Prozent zu reduzieren. Sämtliche erlegten Schwarzkittel würden beprobt, ebenso aufgefundene Kadaver.

Thomas Domin hat vom OSL-Kreis bereits Post bekommen. Darin wird er zu Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert. Ob die Krankheit die Lausitz aber tatsächlich erreicht, sei ungewiss. Hauptüberträger ist laut Domin der Mensch. Vor allem durch den Transitverkehr könnten die Erreger locker hunderte Kilometer zurücklegen. „Hoffen wir also, dass wir verschont bleiben. Und für den Fall der Fälle sind wir gewappnet“, gibt sich der Landwirt betont optimistisch.