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| 02:43 Uhr

Lausitzer trotzen dem eisigen Griff des Winters

Hans-Georg Richter aus Lipten trotzt der Kälte auf dem Wochenmarkt in Senftenberg.
Hans-Georg Richter aus Lipten trotzt der Kälte auf dem Wochenmarkt in Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Der Winter hat die Lausitz fest im eisigen Griff. Der extreme Absturz der Temperaturen zur Nacht sorgt für glatte Straßen. Schneetreiben fordert den Winterdienst. Plusgrade am Tag danach provozieren unfreiwillige Balletteinlagen auf den Gehwegen. Aber die Leute trotzen den Wetterkapriolen. Kathleen Weser und Steffen Rasche

Dauerfrost hält Mensch und Tier im Raum Senftenberg im eisigen Griff. Zweistellig unter null stürzt die Quecksilbersäule zur Nacht. Außergewöhnliche Wintergewitter hat die Region ebenso verzeichnet wie den jüngsten abendlichen Schneesturm, dem am Donnerstag ein recht milder Tag mit Temperaturen leicht über der Nullmarke gefolgt ist.

Ausgesprochen wohl fühlt sich der Polarfuchs im Senftenberger Tierpark in diesen kalten Tagen. Er hat sich naturgemäß ein dickes weißes Fell zugelegt. Mit den rundherum behaarten Pfoten fröstelt es dieses Tier in freier Wildbahn erst bei minus 50 Grad Celsius. Auch die Rotgesichts-Makaken im ehemaligen Bärenzwinger haben sichtlich auffallend echten Spaß im Schnee.

Auf dem Wochenmarkt steht Hans-Georg Richter (69) aus Lipten seinen Mann. "Bei jedem Wetter", wie er betont. Nur wenn es richtig kalt werde, schließe er das Zelt und werfe ein Heizgerät an. "Bei mehr als fünf Grad unter null ist allerdings Schluss mit dem Markttag. Dann erfriert das Obst und Gemüse und wird für den Kunden unbrauchbar", erklärt er. Länger als 40 Jahre steht er bereits auf dem Wochenmarkt. "Das härtet ab. So schnell komme ich nicht ins Frieren", versichert Hans-Georg Richter lachend. Mit mehreren Schichten Kleidung schützt er sich vor der Kälte. Korrekt nach dem Prinzip der Zwiebel, sagt der Gemüsehändler. Und auf dem Senftenberger Wochenmarkt bleibt er auch in Bewegung: Einen Mangel an Kunden gebe es nicht. Im Gegenteil. Sauerkraut, Kartoffeln, Birnen, Äpfel, Kohlrüben, Rote Beete, Pastinaken, Zwiebeln, Möhren und jetzt natürlich auch der frische Grünkohl seien gefragt.

Mit einer besonders nahrhaften Futtermischung hilft Naturfreund Klaus Hirsch in seinem Garten in Großkoschen den Vögeln, die dem Winter am Senftenberger See trotzen müssen. "Ich beginne schon im Herbst mit dem Füttern", erklärt er. Die Amseln bekommen Haferflocken. Und eine Wintermischung für die harten Frosttage bereitet der versierte Tierbeobachter und Hobby-Wetterfrosch auch höchstselbst zu: aus Körnern und fetthaltigen Anteilen. Das Futterhäuschen in gut 1,50 Metern Höhe bietet auch einen sicheren Schutz vor Katzen im Jagdfieber. Eine überdachte Bodenfutterstelle für gefiederte Freunde hat Klaus Hirsch ebenso eingerichtet. Und das zwitschert sich in Vogelkreisen offensichtlich schnell herum. Entgegen den landesweit eindeutigen Ergebnissen der jüngsten Wintervogelzählung, die nach wie vor den Sperling an der Spitze auch in Oberspreewald-Lausitz sieht, ist die Blaumeise in Großkoschen am stärksten vertreten gewesen. Auch die Kohlmeise ist dem eifrigen Mitzähler hier noch öfter vor die Nase geflogen als der gemeine Spatz. Und das kann auch am guten Winterfutter-Angebot liegen, für das Klaus Hirsch schon ewig sorgt. Der Großkoschener beobachtet die Vogelwelt auf der eigenen Scholle seit Jahren - unter anderem auch mit Kameras in Nistkästen. Die Meisen sind zänkisch und spielen verrückt, wenn sich ungebetene Gäste dem Nest nähern. "Die verteidigen ihr Revier", bestätigt Klaus Hirsch lachend.

Der Wasserweg zwischen Senftenberger und Geierswalder See, der Koschener Kanal, ist zugefroren. Auf der Schwarzen Elster treibt Eis. Auf dem Senftenberger See hat sich bislang nur ein nicht tragfähiger Eisrand gebildet. Die wenigen Nächte mit zweistelligen Temperaturen unter null Grad Celsius reichten noch nicht für mehr. Aber auch knackig kalte Januar-Tage nahen nun, sagt der Wetterbeobachter.