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| 07:10 Uhr

Lausitzer Seenland
Senftenberger See wird Baustelle

Durch die Rutschung vom 13. September ist die Nordwestspitze der Insel weggebrochen. Ursache soll eine Rotte Wildschweine gewesen sein.
Durch die Rutschung vom 13. September ist die Nordwestspitze der Insel weggebrochen. Ursache soll eine Rotte Wildschweine gewesen sein. FOTO: Jens Berger
Senftenberg. In den nächsten Tagen beginnt die Sanierung der Insel. Touristiker mahnen zur Eile. Von Torsten Richter-Zippack

„In wenigen Tagen ist die Technik auf dem Wasser. Dann starten die Stabilisierungsarbeiten im Senftenberger See“, kündigt Gerd Richter, Abteilungsleiter Projektmanagement von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Bergbausaniererin, an. Nördlich der Insel, der Innenkippe des früheren Tagebaus Niemtsch, werden Erdmassen entnommen. Diese sollen in den alten Randschlauch unweit des Senftenberger Ufers verbracht werden. „Damit“, so erklärt Richter, „wird eine Art Gegenlager hergestellt, das weitere Rutschungen verhindern soll.“

Erst am 13. September hatte ein solches Ereignis auf einer 250 mal 200 Meter großen Fläche unweit von Niemtsch Teile der Insel in die Tiefe gerissen. Daraufhin wurden zunächst Teilbereiche, dann der komplette See abgesperrt.

Während der jetzigen Sanierung werden rund 180 000 Kubikmeter Erdmassen umgelagert. Die Arbeiten sollen bis März 2019 abgeschlossen sein. „Mit diesem Projekt wird dann eine erste Sicherung der Insel erfolgt sein“, stellt Gerd Richter in Aussicht. Bislang hat das rund 250 Hektar große Eiland keine bergmännische Stabilisierung erfahren. Welche weiteren Arbeiten anschließend erforderlich werden könnten, darüber könne Richter zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen.

Wichtig sei, dass die jetzige Sanierung möglichst schnell über die Bühne geht. Denn in nur viereinhalb Monaten beginnt am Senftenberger See die neue Saison. „Wenn Anfang April das Gewässer gesperrt sein sollte, wäre das für uns eine Katastrophe“, urteilt Detlev Wurzler, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB). Mehr noch: „Die Seefreigabe ist für uns existenziell.“ Schließlich würden die Urlauber bereits über den Winter buchen. Im Fall der Fälle müsse storniert werden. „Dann könnten hohe Schadensersatzforderungen auf uns zukommen“, warnt Wurzler. „Es darf also keineswegs passieren, dass der Senftenberger See im Frühjahr nicht freigegeben wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich Behörden, Kommunen und Verbände noch enger abstimmen“, fordert der LSB-Geschäftsführer. Im Lausitzer Seenland sind seinen Angaben zufolge bereits rund 150 Millionen Euro an Steuergeldern investiert worden. Falls nicht alle an einem Strang ziehen, würde diese Summe einfach versickern.

Ohnehin sei die Saison 2018 am Senftenberger See durch ein häufiges Auf und Ab geprägt gewesen. Negativer Höhepunkt neben der Rutschung von Mitte September war der Brand im Strandhotel einen Monat später. Die Einrichtung sei bis heute nicht nutzbar. Allerdings gab es laut Detlev Wurzler am See einen Zuwachs von knapp fünf Prozent bei den Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr. Von April bis Oktober 2018 wurden fast 262 000 Übernachtungen gezählt. Die Ferienhäuser seien nahezu durchweg ausgebucht gewesen.

Allerdings ist die jetzt beginnende Sicherung der Insel im Senftenberger See nur der eine Teil des Problems. Der andere bezieht sich auf das Wasser. Aufgrund des extremen Dürrejahres 2018 weist das Gewässer einen Tiefstand auf. LMBV-Angaben zufolge fehlen derzeit um die zwölf Zentimeter Wasser. „Wir brauchen dringend ergiebigen Regen“, sagt Gerd Richter. Die Wettervorhersagen gehen allerdings bis Ende November nur von unwesentlichen Niederschlägen in der Lausitz aus.

Möglich wäre auch eine Wassereinspeisung aus der Schwarzen Elster, die unmittelbar nördlich am See vorüber führt. Doch diesem Ansinnen erteilt das Landesamt für Umwelt (LfU) eine Absage: „Aufgrund der geringen Wasserführung der Schwarzen Elster ist aktuell keine Zuführung in den Senftenberger See möglich“, stellt LfU-Sprecher Thomas Frey klar. Inzwischen seien auch die Stützwasservorräte aus dem benachbarten Geierswalder sowie aus dem Partwitzer See erschöpft, wie die LMBV mitteilt. So bleibe nur noch der Blick zum Himmel.