| 16:01 Uhr

Hochwasserschutz an Schwarzer Elster
Hochwasserschutz schlägt hohe Wellen

Reinhard Heepe (l.) und Walter Karge könnten gemütlich auf der Couch sitzen und ihr Rentendasein genießen. Stattdessen kämpfen die beiden Senftenberger für den Hochwasserschutz entlang der Schwarzen Elster. Dazu gehöre auch, dass der Fluss besser entkrautet wird.
Reinhard Heepe (l.) und Walter Karge könnten gemütlich auf der Couch sitzen und ihr Rentendasein genießen. Stattdessen kämpfen die beiden Senftenberger für den Hochwasserschutz entlang der Schwarzen Elster. Dazu gehöre auch, dass der Fluss besser entkrautet wird. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg. Das Landesumweltamt will weitere Studien beauftragen und auswerten, bevor sie das Lausitzer Seenland als Hochwasser-Speicher nutzt. Zwei Mitstreiter einer Senftenberger Bürgerinitiative können da nur mit dem Kopf schütteln. Von Jan Augustin

Tränen in den Augen soll Reinhard Heepe nach einem Vortrag eines Mitarbeiters vom Landesumweltamt gehabt haben. Aber nicht vor Freude. Die Behörde hatte im jüngsten Senftenberger Umwelt­ausschuss über den aktuellen Sachstand zum Hochwassermanagement entlang der Schwarzen Elster informiert. Der dabei gegebene Ausblick habe allerdings große Verständnislosigkeit bei allen Anwesenden ausgelöst. Denn eine hier vor langer Zeit aufgestellte Forderung, die Lausitzer Seen der Bergbaufolgelandschaft als großen Hochwasser-Speicher zu nutzen, soll weiter geprüft werden. Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, Studien noch nicht beendet und ausgewertet. Voraussichtlich soll das erst Ende März 2019 der Fall sein, berichtet Reinhard Heepe. Der erfahrene Wasserwirtschaftler und der ehemalige Chef der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft in Brandenburg, Walter Karge, können da nur mit dem Kopf schütteln. Beide sind Mitstreiter einer nach dem Hochwasser im Jahr 2010 gegründeten Bürgerinitiative. Statt ihre Zeit auf der Couch zu verbringen, kämpfen die beiden rüstigen Rentner seither um einen sinnvollen Hochwasserschutz, der seine Wirkung nicht nur in Senftenberg, sondern auch in Schwarzheide, Lauchhammer bis nach Elsterwerda entfalten würde.

Die Erkenntnis, alte Tagesbaurestlöcher als Rückhaltebecken zu nutzen, ist schon genauso alt wie die beiden Herren selbst. Der 76-jährige Reinhard Heepe verweist zum Beispiel auf seinen ehemaligen Kollegen Herrmann Mattheus, der die wasserwirtschaftliche Nutzung der künftigen Seen als alternativlos bezeichnet habe. Er habe in den 1950er-Jahren auch die Planungen für den auslaufenden Tagebau Niemtsch, dem heutigen Senftenberger See, als Speicherbecken maßgeblich vorangetrieben. „Preisgünstig in trockener Baugrube bei noch niedrigem Grundwasserstand wurde dazu das Kleinkoschener Wehr mit den Zuleitern in das Restloch Niemtsch und auch zum Tagebau Koschen Ende der 1960er-Jahre realisiert“, erinnert sich Heepe. Das Wehr sei technisch so gebaut worden, dass eine Ausleitung aus dem künftigen Koschener See (Geierswalder See) quasi durch das Wehr in den Senftenberger See möglich ist. „Das war seinerzeit der Start des Lausitzer Seenverbundes, wie er sich heute darstellt“, sagt Reinhard Heepe. Es sei zwar unstrittig, dass mit dem entstehenden Seenland entlang der Elster von Bergen in Sachsen bis Senftenberg „eine bis dato nicht praktizierte wasserwirtschaftliche Aufgabe mit höchsten Ansprüchen anstand“. Es sei damit aber auch die Chance vorhanden, mit den Seen zu einer „wasserwirtschaftlichen Gesundung der gesamten Region“ beizutragen. In diesem Bereich aber sei in den letzten beiden Jahrzehnten praktisch nichts passiert. „Die Schwarze Elster befindet sich in einem beklagenswerten, unverantwortlichen Unterhaltungszustand“, schimpft der Wasser-Experte. „Hat man in Brandenburg die Zeit verschlafen und ist plötzlich aufgewacht, als das Jahrhunderthochwasser vom September 2010 zu den riesenhaften Schäden führte?“, fragt Reinhard Heepe.

„Der Hochwasserschutz ist aus unserer Sicht nicht gewährleistet“, fasst Walter Karge zusammen. Das Landesumweltamt müsse endlich das Seenland für die Aufnahme von Hochwasser flott machen. Beide hoffen nun, dass das auch die Stadt Senftenberg so sieht. Mit einem gemeinsamen Schreiben inklusive eines ausführlichen Fragenkataloges an das Landesumweltamt soll der Druck erhöht werden.

RUNDSCHAU-Leser Ehrfried Hentschel hat diese Fotomontage an die Redaktion geschickt. Er fragt sich, wie in diesem Zustand stabile Abflussbedingungen bei Hochwasser gewährleistet werden können.
RUNDSCHAU-Leser Ehrfried Hentschel hat diese Fotomontage an die Redaktion geschickt. Er fragt sich, wie in diesem Zustand stabile Abflussbedingungen bei Hochwasser gewährleistet werden können. FOTO: Ehrfried Hentschel