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| 23:12 Uhr

RUNDSCHAU-Serie „Ich kaufe regional“
Lausitzer sagen: Bares ist Wahres

Rund 50 Prozent der Marktkauf-Kunden in Lauchhammer zahlen mit Karte. In weiteren Märkten der Region ist das Verhältnis ähnlich.
Rund 50 Prozent der Marktkauf-Kunden in Lauchhammer zahlen mit Karte. In weiteren Märkten der Region ist das Verhältnis ähnlich. FOTO: Mirko Sattler
Senftenberg. In der Region in und um Senftenberg bevorzugen die Menschen für ihre Einkäufe Bargeld. Dennoch sind Kartenzahlungen stark im Kommen. Überweisungen via Smartphone jedoch noch nicht. Von Torsten Richter-Zippack

Für Bernd Miersch ist die Sache klar: „In meinem Geschäft ist das Bezahlen nur mit Bargeld möglich. Die Gebühren für Kartenzahlungen sind uns zu hoch“, erklärt der Inhaber des Nah-und-Gut-Geschäftes am Klettwitzer Markt. Miersch führt es bereits seit zwei Jahrzehnten. Anno 2019 gibt es den Tante-Emma-Laden seit 90 Jahren. „Meine Kunden wissen, dass sie hier nur mit Bargeld bezahlen können“, erklärt der Kaufmann. Nicht zuletzt seien die Summen der jeweiligen Einkäufe in der Regel nicht allzu hoch. Und falls jemand mal keine Scheine und Münzen bei sich hat, werde eine individuelle Lösung gefunden, verspricht Bernd Miersch. Ein solcher Fall sei in den vielen Jahren aber noch nie vorgekommen.

In der Senftenberger Glück-Auf-Buchhandlung können die Kunden sowohl bar als auch mit Karte zahlen, sagt Betreiberin Britta Schmidt. Das Unternehmen gibt es seit mittlerweile 27 Jahren. „Und genauso lange kann bei uns via Karte gezahlt werden“, weiß Schmidt. Darüber hinaus gebe es mit verschiedenen Kreditkartenanbietern Verträge, egal ob diese Mastercard oder American Express heißen. Eine Mindesteinkaufssumme für Kartenzahler existiert im Buchgeschäft indes nicht. „Wir kommen unseren Kunden entgegen“, begründet Britta Schmidt. Das Kartenlesegerät, das regelmäßig erneuert werde, biete viel Service. Beispielsweise reiche es neuerdings, die Karte einfach nur drauf zu legen. Im Gegensatz zu manchen großen Märkten könnten die Kunden bei Glück Auf noch nicht via Smartphone zahlen. Aber das komme noch. „Wir müssen ja mit der Zeit gehen“, weiß Schmidt. „Gibt jemand beim Kartenzahlen die falsche Pin ein, weisen wir ihn spätestens nach dem zweiten Fehlversuch darauf hin“, sagt die Geschäftsfrau. Sollte es danach immer noch nicht klappen, was allerdings sehr selten vorkomme, finde sich dennoch eine Lösung.

Britta Schmidt von der Senftenberger Glück-Auf-Buchhandlung bietet bereits seit 27 Jahren Kartenzahlung an. Einen Mindesteinkaufswert gibt es in ihrem Geschäft nicht.
Britta Schmidt von der Senftenberger Glück-Auf-Buchhandlung bietet bereits seit 27 Jahren Kartenzahlung an. Einen Mindesteinkaufswert gibt es in ihrem Geschäft nicht. FOTO: Richter-Zippack

Im Schmuckgeschäft Forberger, ebenfalls in Senftenberg, ist nach Angaben von Inhaber Frank Forberger der Bargeldverkehr immer noch sehr gefragt: „Erst bei höheren Beträgen, etwa ab 200 Euro, zahlen die meisten mit Karte.“ Beträge unter 20 Euro nehme er nur bar entgegen. „Ansonsten fallen für uns Gebühren an“, gibt der Unternehmer zu bedenken. Rund ein Drittel seiner Kunden zahle mit dem Plastik-Rechteck. Er selbst bevorzuge den Zahlungsverkehr via Bargeld: „Da sehe ich am Ende des Tages, was in der Kasse liegt. Nur Bares ist eben auch Wahres. Dieser Spruch gilt noch heute.“

50 Prozent in bar und 50 Prozent mit Karte: So sieht das Zahlungsverhältnis im Marktkauf Lauchhammer aus, sagt Leiter Mirko Buhr. „Der Trend geht in Richtung unbare Zahlungen, aber dennoch werden bei uns auch höhere Summen durchaus mit Scheinen und Münzen bezahlt.“ Selbst einen Betrag von einem Cent könnten die Kunden mit ihren Karten begleichen. Für diese fielen keine Gebühren an. „Wir werden zwar für bargeldlose Zahlungen mit einem prozentualen Betrag (Visa höher als EC) vom Umsatz belastet. Wenn ich aber eine Vollkostenrechnung aufmache, glaube ich, dass die Kosten, die uns durch das Bargeld entstehen, ähnlich hoch sind“, erklärt Buhr. Im Marktkauf können Kunden ab einem Einkauf von mindestens zehn Euro Bargeld abheben.

Bunt gewürfelt präsentieren sich die Zahlungsmöglichkeiten im Senftenberger Rewe-Markt der Familie Radke. „Bar, EC-Cash, alle Kreditkarten, Payback-Pay - alles ist möglich“, zählt Betreiber Jan Radke auf. Der Kaufmann schätzt, dass rund die Hälfte der Kunden bar zahlt. Vor allem ältere Leute würden eher Scheine und Münzen bevorzugen. „Manche kommen aber auch nur mit Karte, um bei uns Bargeld abzuheben“, weiß Radke aus Erfahrung. Falls jemand weder Bares noch Plastikgeld bei sich hat, werde der Einkauf solange aufbewahrt, bis der Kunde wiederkommt.

Bei einer Umfrage vor dem Rewe-Markt stellt sich heraus, dass tatsächlich die älteren Kunden das Bezahlen mit Bargeld bevorzugen. „Das ist für mich einfach bequemer“, sagt eine 74-jährige Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ins gleiche Horn stößt auch ein 56-jähriger Senftenberger: „Ich bin altmodisch und zahle bar. Der neuen Technik vertraue ich nicht wirklich.“ Anders dagegen ein 33 und 34 Jahre altes Pärchen, ebenfalls aus der Seestadt: „Unsere Einkäufe tätigen wir fast nur mit Karte. Wir wollen nicht ständig Geld abheben müssen. Der bargeldlose Verkehr geht viel schneller und sicherer.“

Nach Angaben des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg (HBB) überwiegt mit 51,3 Prozent die Bargeldzahlung in der Region. „38 Prozent des Einzelhandelsumsatzes werden mit EC-Karte abgewickelt“, rechnet HBB-Regionalleiterin Christiane Minkley vor. 6,1 Prozent nehmen Kreditkarten ein. „Es zeichnet sich ein Trend zu unbaren Zahlungsarten ab.“ Vor allem hochwertige, preisintensive Waren wie Uhren, Schmuck, Technik und Möbel würden vorwiegend via Karte oder auf Rechnung beglichen.

Ehe sich allerdings das Smartphone als „Portmonee“ durchsetzen wird, sollte es noch eine Weile dauern. „Die dafür notwendige Umrüstung ist für den Handel in der Fläche noch nicht möglich“, begründet Minkley. Voraussetzung sei unter anderem schnelles Internet. Und daran hapere es vielerorts bis heute.