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| 16:16 Uhr

Strukturwandel auf sorbisch
Lausitzer Perspektiven aus Sicht der Sorben und Wenden

Ein Landstrich, zwei Sprachen. Hier zu sehen in der Altstadt von Hoyerswerda.
Ein Landstrich, zwei Sprachen. Hier zu sehen in der Altstadt von Hoyerswerda. FOTO: LR / Sascha Klein
Senftenberg. Die zweisprachige Lausitz mit der Heimat der nationalen Minderheit der Sorben und Wenden steht vor einem neuen großen Wandel. An dem wollen sich auch die Vertreter der Minderheiten aktiv beteiligen. Am Donnerstag hat eine Konferenz dazu in Senftenberg begonnen.

Die Zukunft der Lausitz aus dem Blickwinkel der Sorben/Wenden ist Thema einer Konferenz seit Donnerstag. Es geht um den wirtschaftlichen Strukturwandel, aus spezieller Sicht der sorbisch/wendischen Minderheit. Mit dem Treffen in Senftenberg solle ein erstes Zukunftsbild für künftige Generationen nach dem Ende des Braunkohleabbaus entworfen werden, sagte die Wirtschaftsdezernentin im Landkreis Görlitz, Heike Zettwitz, am Dienstag in Bautzen. „Wir haben eigene Ideen für diese Region.“ Die Konferenz organisiert die Domowina – der Bund Lausitzer Sorben – zusammen mit der Zukunftswerkstatt Lausitz in Trägerschaft des Landkreises Görlitz.

„Einen Strukturbruch wie nach der deutschen Wiedervereinigung darf es nicht noch einmal geben!“, sagte Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) zum Auftakt der Konferenz am Donnerstag in Senftenberg. „Um Innovationen für die Lausitz zu kreieren, müssen wir unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen umfassend beteiligen.“

Eva-Maria Stange (SPD), Wissenschaftsministerin von Sachsen,
Eva-Maria Stange (SPD), Wissenschaftsministerin von Sachsen, FOTO: dpa / Monika Skolimowska

Das Ende des Braunkohleabbaus sei politisch gewollt und der Rahmen würde von der Bundespolitik gesetzt. „Dies verpflichtet den Bund auch dazu, sich während der gesamten Strukturwandelphase spürbar zu beteiligen.“, sagte Stange in Senftenberg.

Die über Jahrhunderte bis heute gelebte Zweisprachigkeit und kulturelle Vielfalt biete ein faszinierendes Alleinstellungsmerkmal, dem auch bei Organisation des Strukturwandels Rechnung getragen werden müsse.

David Statnik, Vorsitzender der sorbischen Dachorganisation Domowina.
David Statnik, Vorsitzender der sorbischen Dachorganisation Domowina. FOTO: dpa / Matthias Weber

„Wir müssen hier vor Ort für uns Perspektiven finden“, sagte der Domowina-Vorsitzende David Statnik. Die strukturellen und sozialen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem geplanten Kohleausstieg seien enorm und vergleichbar mit dem Wandel nach der Wende, wo Tausende Arbeitsplätze wegfielen.

Für die Konferenz in Senftenberg sind bis Freitag Vorträge, Gespräche und Workshops geplant. Die Görlitzer Wirtschaftsdezernentin Heike Zettwitz betrachtet sie als Auftakt zu einem „Leitbild-Prozess“. An der Zukunftsvision einer lebenswerten, prosperierenden, zweisprachigen und bikulturellen Lausitz sollten sich alle beteiligen.

Zu dem Treffen an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Senftenberg sind Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Wissenschaft, Kirche, Kultur und Regionalplanung eingeladen.

Frauen in Burg mit der eher selten getragenen komplett schwarzen Tracht nach dem Ostersingen.
Frauen in Burg mit der eher selten getragenen komplett schwarzen Tracht nach dem Ostersingen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
(si/dpa)