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| 01:26 Uhr

Lausitzer Matinee in den Bergen

Die gute Schonacher Luft haben die Teilnehmer des Gesangsworkshops im Schwarzwald genutzt. Während der Matinee begeisterten besonders Jenny Natusch (l.), Sarah Krispin (2.v.l.), Marcel Rose (4.v.r.), Michael Zumpe (3.v.r.) und Robert Lillinger (2.v.r.) mit ihrem Können.
Die gute Schonacher Luft haben die Teilnehmer des Gesangsworkshops im Schwarzwald genutzt. Während der Matinee begeisterten besonders Jenny Natusch (l.), Sarah Krispin (2.v.l.), Marcel Rose (4.v.r.), Michael Zumpe (3.v.r.) und Robert Lillinger (2.v.r.) mit ihrem Können. FOTO: Tschitschke
„Stellt euch vor, ihr würdet den Duft einer Blume einatmen“ , sagt Michael Zumpe seinen Gesangsschülern. Sie stehen im Halbkreis um einen Konzertflügel auf der Bühne des Schonacher Kursaales und holen tief Luft. „Pumpt euch nicht zu voll“ , rät der Opernsänger. Er will seinen Schülern ein Gefühl für die „Stütze“ vermitteln. „Lasst das Zwerchfell solange wie möglich gesenkt. Das stützt die Töne und schont die Stimmbänder.“ Jana Tschitschke

Die Männer, Mädchen und Frauen geben ihr Bestes. Sie sind Studenten der Musikpädagogik an der Fachhochschule Lausitz oder Hobby-Sänger regionaler Chöre und nehmen an einem Gesangsworkshop teil. Vier Tage lang verweilen die zehn Profis und Laien in Schonach, einem idyllisch gelegenen Luftkurort im Schwarzwald. Sie arbeiten an ihren Stimmen, ihrer Gesangstechnik. Gemeinsam sind sie aus Senftenberg, Ruhland, Calau, dem Spreewald und Berlin angereist.
Darunter auch der 18-jährige Pianist und Dirigent Robert Lillinger, der bereits im Alter von 14 Jahren in der Lausitz als hoch begabtes Ausnahmetalent auf dem Klavier bekannt geworden ist. Ab Oktober wird er in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst ein außerordentliches Studium im Fach „Dirigieren“ aufnehmen. Er leitet während des Schonacher Gesangsworkshops neben Michael Zumpe die chorischen Proben und begleitet die Solisten am Klavier.
Während er mit der Sopranistin und angehenden Musikpädagogin Sarah Krispin (24) aus Berlin auf der Bühne des Kursaales üben, studieren die übrigen Sänger Chorwerke wie „Alta Trinita“ , eine italienische Laude aus dem 15. Jahrhundert, ein. Angestrebtes Ziel der Solisten und Chorsänger ist ein Auftritt während eines Gottesdienstes sowie eine Matinee am letzten Seminartag.
Warum die Lausitzer Sänger dafür extra über 600 Kilometer nach Schonach fuhren, erklärt Workshop-Leiter Michael Zum pe: „Mir gefiel die Idee, die schöne Umgebung des Schwarzwaldes als Inspiration zu nutzen. Außerdem macht es Spaß, etwas gemeinsam musikalisch zu erarbeiten. Der Kurort hat am Ende auch etwas davon - nämlich eine kulturelle Veranstaltung.“
Über die Workshop-Arbeit hinaus haben die Teilnehmer auch Zeit, den Schwarzwald zu erkunden. Ein Ausflug führt sie unter anderem in Deutschlands südlichste Großstadt, nach Freiburg im Breisgau. „Die Altstadt mit dem Münster ist einfach wunderschön“ , sagt Birgit Natusch (40) aus Calau. Die Musiklehrerin einer Berufsschule genießt die Zeit mit den Profi- und Hobbymusikern. „Von mir aus könnte der Workshop noch eine Woche dauern“ , sagt sie. Doch trotz der Ausflüge nach Freiburg oder ins nahegelegene Triberg zu den höchstgelegenen Wasserfällen der Bundesrepublik, der gemeinsamen Abende bei Spätzle und Wein arbeiten die Teilnehmer des musikalischen Workshops mehr als sechs Stunden täglich.
Jeden Morgen um halb zehn heißt es Antreten zum einstündigen Einsingen, danach stehen Chor- und Einzelproben auf dem Programm. Das Pensum ist eine Herausforderung für die Stimme - vor allem für eine junge Sängerin wie Jenny Natusch. Die 14-Jährige aus Calau hat ein großes Ziel - zum Abschlusskonzert möchte sie ihren Lieblings-Musicalhit „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“ singen. „Ich bin schon total aufgeregt“ , gibt sie zu. Doch um das Lampenfieber zu überwinden, wolle sie zur Matinee „da durch“ .
Zuvor untermalen die Lausitzer Sänger auch noch den katholischen Gottesdienst in der prächtigen Schonacher Barockkirche. Es erklingen das neu einstudierte „Alta Trinita“ und „Halleluja aus Taizé“ . Michael Zumpe entlockt den Besuchern mit dem „Vater unser“ sogar im Gottesdienst Applaus.
Zur Matinee, dem Abschlusskonzert des Gesangs workshops sind es zwar nicht ganz 200 Besucher wie in der Kirche - doch der Kursaal im „Haus des Gastes“ ist gut gefüllt. Die junge und mit Lampenfieber kämpfende Sängerin Jenny Natusch hat „endlich“ ihren Auftritt. Sie singt und liefert die beste Version ihres Lieblings-Hits. Facettenreich geht das Programm weiter: Volksliedvariationen und Balladen wie „The rose“ erklingen. Doch ganz besonders bewegt ist das Publikum von der Stimme des Opernsängers Michael Zumpe bei Mozart-Arien wie „Der Vogelfänger“ . Die Sopranistin Sarah Krispin fasziniert mit ihrer vollen, warmen Stimme bei Stücken aus Robert Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“ . Marcel Rose (25), Musikpädagogik-Student, Pianist und Sänger aus Cottbus entführt die Zuhörer mit sphärischen Klängen auf dem Klavier in das „Lotusland“ von Cyril Scott und verzaubert die Damen im Publikum auch noch mit der „Canzonetta“ aus Mozarts Don Giovanni.
„Ich werde noch lange von den Tagen in Schonach zehren“ , sagt er nach dem Konzert. Das musikalische und menschliche Miteinander von Profis und Laien bereitete Siegfried Falkensteiner (53), Mitglied des Männergesangvereins Ruhland 1846 besondere Freude. „Wir waren eine tolle Gemeinschaft“ , sagt er rück blickend. Zum Workshopleiter mehr unter: www.michaelzumpe.de

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