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| 01:38 Uhr

Lausitzer machen Studierhaus flott

Großräschen: IBA-Gschäftsstelle in der Seestraße.
Großräschen: IBA-Gschäftsstelle in der Seestraße. FOTO: Steffen Rasche/str1
Großräschen. Der Geist und die Kraft der Internationalen Bauausstellung (IBA) „Fürst-Pückler-Land“ werden in der Lausitz vor Ort lebendig gehalten – mit einem multimedialen Wissensspeicher im Studierhaus am Ilse See Großräschen. Ein Förderverein will das Erbe der IBA dauerhaft zugänglich machen und neuen, frischen Ideen für die Region und Bergbaufolgelandschaften in aller Welt den Weg ebnen Von Kathleen Weser

IBA-Chef Prof. Rolf Kuhn fühlt sich in der Rolle des Liquidators der Internationalen Bauausstellung in der Lausitz offensichtlich noch nicht ganz wohl. "Mit der plötzlichen Ruhe und dem Arbeiten im ungewohnten Kleinformat habe ich schon ein Problem", gesteht der Visionär. Erstmals seit Start der zweijährigen Phase der Abwicklung der IBA ist das Haus an der Promenade zum Ilse See am Dienstagabend wieder voller Lausitzer gewesen, die nach vorn blicken und weiter Zukunft gestalten wollen - mit einem Förderverein. "Ich bin froh über das lebendige Haus und die spürbare Kraft", sagt Kuhn. "Dies habe ich in zehn Jahren IBA so bisher nur einmal erlebt - zur Gründung des Fördervereins für das Besucherbergwerk F 60 bei Lichterfeld", ergänzt er. Dieser starke Verein leite die Geschicke der für Besucher zugänglich gemachten Abraumförderbrücke mit großem Erfolg. "Diese Hoffnung habe ich auch für das Studierhaus", erklärt Kuhn.

Aufs Tempo gedrückt

Thomas Zenker (SPD), der Bürgermeister der IBA-Stadt Großräschen, hatte es eilig, den Förderverein zu gründen. Denn der Forscherdrang von Studenten und damit auch die Nachfrage nach einer Herberge am Wissensspeicher sind riesig, bestätigt Rolf Kuhn. Die vom Land Brandenburg für das Aufarbeiten des IBA-Nachlasses finanziell unterstützte Liquidationsgesellschaft der Internationalen Bauausstellung kann Aufgaben wie Übernachtungsmöglichkeiten nicht übernehmen. Ein "juristisch sauberer Weg" war zu finden Thomas Zenker zeigt sich sicher, dass ein starker Förderverein das Studierhaus mit einem guten Rundum-Service als Haus des Lernens und Forschens attraktiv machen und künftig auch führen kann. Vorstellbar sei, dass die Stadt das kommunale IBA-Gebäude für den Zweck Studierhaus mit Wissensspeicher dauerhaft mietfrei bereitstellt. Die laufenden Kosten müssten perspektivisch allerdings erwirtschaftet werden. Die magere Stadtkasse lässt großzügige Finanzspritzen nicht zu.

An Helfern mangelt es in der Startphase nicht. Studenten wollen das Haus schneller nutzen, als es als Herberge eingerichtet ist. Der frisch gegründete Förderverein drückt deshalb jetzt aufs Tempo. Für die ersten 20 Liegen für Übernachtungsgäste im IBA-Studierhaus gewährt das Großräschener Möbelhaus dem Verein eine Zahlungspause. Ein heimisches Haustechnikunternehmen gibt Aufschub für den Einbau der notwendigen Duschen. Sokrates Giapapas aus Schwarzheide hat bei seinem griechischen Landsmann Nikolaus Varvaroussis ein gutes Wort eingelegt. Rolf Kuhn bestätigt schmunzelnd, dass er beim Badewannenhersteller Galatea in Lauchhammer schnellstens höchstpersönlich Duschwannen begutachten wird, die wegen kleiner Mängel nicht verkauft, dem Förderverein dafür kostenfrei in Aussicht gestellt werden.

Erste Gäste angemeldet

Erwartet werden in Großrä schen schon in Kürze die ersten Studentengruppen aus Kaiserslautern und Weimar, die zur Gartenstadt Marga in Brieske und an beweglichen Ferienhäusern für das Lausitzer Seenland arbeiten. Aus dem polnischen Krakau kommt eine Wissenschaftlerin, die zu Bergbaufolgelandschaften forscht. Das Unternehmen Vattenfall greift dem Förderverein IBA-Studierhaus finanziell unter die Arme, um den Aufenthalt der Doktorandin absichern zu können.

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29 Gründungsmitglieder haben den Verein "IBA Studierhaus Fürst-Pückler-Land" aus der Taufe gehoben. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Rolf Kuhn gewählt. Stellvertreter ist Thomas Zenker. Als Schatzmeisterin fungiert Simona Fischer. Von den sechs möglichen Beisitzern im Vereinsvorstand sind zwei bestimmt worden: Wilken Straatmann und die Wirtschaftsentwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wequa) Lauchhammer, die den namentlichen Vertreter noch benennen wird.

Anliegen des Fördervereins ist, die Ergebnisse der Internationalen Bauausstellung in der Lausitz über deren bereits laufende zweijährige Liquidationsphase hinaus für Interessierte nutzbar zu machen. Neben dem Studium der vergangenen Arbeit soll dies auch die Möglichkeit eröffnen, die IBA zum Ausgangspunkt für neue Ideen und Projekte zu nehmen. Dafür werden deutschland- und weltweit Partnerschaften mit Hochschulen angestrebt. Der Verein, der die Gemeinnützigkeit anstrebt, will das Studierhaus im IBA-Wissensspeicher am Ilse See mit perspektivisch 30 Übernachtungsmöglichkeiten aufbauen und betreiben.