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| 23:11 Uhr

Bürgeraktion für die Zukunft der Lausitz
Für Gigafabrik – Lausitzer machen Licht für Tesla

Spot an für die Lausitz.
Spot an für die Lausitz. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Klettwitz/Cottbus. Ein Tesla-Autokorso und ein Taschenlampen-Lichtermeer vereint Menschen aus der ganzen Lausitz am Donnerstag im Ringen um die Zukunft der Region nach dem Kohleausstieg. Die Bürger fordern eine Perspektive als Industriestandort ein. Von Kathleen Weser und Lydia Schauff

Wenn das klappen würde, wäre es der ganz große Coup: eine Tesla-Batteriefabrik in der Lausitz. Am Donnerstagabend haben sich auf dem Lausitzring 500 Menschen versammelt, Taschenlampen angeschaltet und es dafür leuchten lassen. Das erklärte Ziel ist es, Elon Musk, den Chef des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla davon zu überzeugen, dass die Lausitz der ideale Standort für die geplante Gigafactory Europe, in der Batterien für E-Autos hergestellt werden, ist.

Heike Wernitz, Geschäftsführerin des Unternehmens Envia Service in Cottbus, hat gemeinsam mit Betriebsratschefin Sieglinde Hinzer die Freizeitfußball-Frauenmannschaft und weitere Kollegen zusammengetrommelt. „Die Initiative ist toll. Und wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt die Gewerkschafterin. „Ich glaube daran, dass wir eine solche Ansiedlung die Lausitz holen können, ja müssen“, sagt Heike Wernitz.

Wir wollen die Tesla Gigafactory Europe: 500 Lausitzer waren am Donnerstagabend in Klettwitz, um mit Taschenlampen ein Lichtzeichen zu setzen. Auch die Fußballfrauen und Kollegen von Envia Service aus Cottbus waren dabei.
Wir wollen die Tesla Gigafactory Europe: 500 Lausitzer waren am Donnerstagabend in Klettwitz, um mit Taschenlampen ein Lichtzeichen zu setzen. Auch die Fußballfrauen und Kollegen von Envia Service aus Cottbus waren dabei. FOTO: Steffen Rasche

Ins Rollen ist die Aktion gekommen, als Tesla-Chef Elon Musk Mitte Juni auf dem Nachrichtendienst Twitter verkündete, dass er Deutschland als Standort für die neue Batteriefabrik favorisiert. Er nannte die Grenzregion zu den Benelux-Ländern als Möglichkeit.

Der Peitzer Unternehmer und Autowerkstattinhaber Sven Minetzke, der nicht nur einen Tesla fährt, sondern auch neugierig verfolgt, was der US-Elektroauto-Hersteller so treibt, wurde sofort hellhörig. Und bei seinem Eintritt in den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) hatte Sven Minetzke direkt schon eine klare Forderung: Die Lausitz soll um eine Ansiedlung der Tesla-Batteriefabrik in der Region kämpfen.

FOTO: Rasche FOTOGRAFIE

„Die Lausitz soll als Industriestandort neu durchstarten, damit vor dem Ende der Braunkohle alternative Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Bergbauregion hat in den vergangenen Jahrzehnten durch die Kohleverstromung viel zur Luftverschmutzung beigetragen und kann als Standort einer Tesla-Factory, die für umweltfreundliche Fahrzeuge Komponenten fertigt, etwas für eine positive Umweltbilanz tun“, so Minetzke. Ralf Henkler, Leiter der Wirtschaftsregion Cottbus-Niederlausitz des BVMV, war sofort ganz Ohr und trug die Idee weiter, die bei Kommunikationsexperte Jens Taschenberger aus Cottbus auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

 Und aus einer ersten Idee reifte langsam der Plan zu einer besonderen Aktion, die unter dem Twitter-Hashtag #WelcomeTesla immer weiter Form angenommen und am Donnerstag mit der besonderen Taschenlampen-Lichtaktion einen ersten Höhepunkt gefunden hat.

Auf dem Weg haben sich immer mehr Bürger, Unternehmer und Vereine in die Riege derer eingereiht, die eine Tesla-Gigafactory in der Lausitz wollen. Auf der extra für die Aktion eingerichteten Internetseite www.welcome-tesla.de haben Unterstützer die Möglichkeit, ihre Unterstützung zu bekunden und kurz zu begründen.

Und die Liste derer wird immer länger. Da heißt es etwa: „Wir sind dabei, weil Tesla Zukunft und Antrieb für die Region verkörpert. Daher ist Tesla herzlich willkommen.“

Detlef Reiche aus Senftenberg schreibt: „Wir sind dabei, weil hochwertige Arbeitsplätze in der Region dringend gebraucht werden und wir nur so unseren Kindern eine Perspektive in der Heimat bieten können.“ Auch Felix Christian Matthes aus Berlin gehört zu den Befürwortern und betont: „Ich bin dabei als Mitglied der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission).“

Auch über die Grenzen der Lausitz hinaus macht die Aktion von sich reden. Reiner Priggen aus Aachen hat sich auf der Webseite ebenfalls als Unterstützer eingetragen und schreibt: „Wir sind dabei, weil wir eure Aktion klasse finden und gern auch aus Aachen unterstützen wollen. Das ist die beste Werbung, die wir für die Lausitz bisher gesehen haben.“

Frank Neubert, der Amtsdirektor des Amtes Altdöbern, hält das alles für „eine besonders gute Idee“. Würde doch die Batteriefabrik in Klettwitz dann in direkter Nachbarschaft von Europas größtem Zentrum der Prüfgesellschaft Dekra für automatisiertes und vernetztes Fahren, das dort bis 2020 entstehen soll, stehen. 600 Hektar Gewerbefläche stünden für eine Gigafactory bereit, so Frank Neubert, der langjährige Wirtschaftsförderer der Städte Senftenberg und Elsterwerda.

Eine Tesla-Gigafactory mit Blick auf den bevorstehenden Strukturwandel und dem immer näher rückenden Ende des Braunkohleabbaus sei eine Chance, Arbeitsplätze in der Lausitz zu halten und ein großer Schritt Richtung wirtschaftliche Zukunft. Zumal die Produktion von Batteriezellen als „das nächste ganz große Ding“ gilt, spätestens nachdem die EU-Kommission in diesem Jahr den Aufbau einer eigenen Produktion noch einmal zum strategischen Ziel erklärt hatte. Damit solle verhindert werden, dass die Zukunft der hiesigen Automobilindustrie komplett abhängig werde von Zulieferern aus Asien.

Den Markt taxiert die EU-Kommission auf 250 Milliarden Euro schon im Jahr 2025. Eine grenzübergreifende „Europäische Batterie-Allianz“ solle bis 2023 versuchen, den Markt zu erobern. Das Bundeswirtschaftsministerium informierte auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dass derzeit Möglichkeiten der Ansiedlung einer Batteriezellfertigung in Deutschland ausgelotet würden. Ansonsten hielt sich das Ministerium, auch was einen möglichen Standort betrifft, bedeckt.

Batteriezellen auf der Basis der Lithium-Ionen-Technologie sind laut Experten bei der Lösung der Speicherung von Strom, die durch erneuerbare Energien produziert werden, die einzige verfügbare und bezahlbare Alternative.

Prof. Dr. Bernd Hirschl aus Cottbus und Wirtschaftsingenieur am Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsförderung sagt: „Batterien und Elektromobilität sind zentrale Bausteine der Energiewelt von morgen – und die Lausitz kann mit der Ansiedlung einer Zell- und Batteriefabrik auch den Mut schöpfen, vollständig, in großem Stil und zeitnah auf erneuerbare Energien umsteigen.“

Hunderte Lausitzer haben am Donnerstagabend gezeigt, dass sie bereit dazu sind. Und wie geht es jetzt weiter? Der Ball liegt nun im Feld von Tesla. Jetzt heißt es, Daumen drücken.