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| 19:29 Uhr

Wetter
Lausitzer lechzen nach Regen

Landwirt Michael Galdiks vom Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz zeigt die dürregeschädigten Roggenhalme. Die Blätter sind abgestorben.
Landwirt Michael Galdiks vom Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz zeigt die dürregeschädigten Roggenhalme. Die Blätter sind abgestorben. FOTO: Richter-Zippack
Peickwitz. Die anhaltende Trockenheit weitet sich zur Dürre aus. Die Landwirte befürchten Missernten. Von Torsten Richter-Zippack

Sonne pur, Temperaturen um die 25-Grad-Marke, dazu ein bisweilen ruppiger Ostwind: So präsentiert sich das Wetter bereits seit zwei Wochen in der Lausitz. Von Regen keine Spur. Während die Kleingärtner täglich gießen, bleibt den Landwirten und Forstleuten nur eines: auf ergiebige Niederschläge zu hoffen.

Schäden für den Ertrag sind schon jetzt absehbar, sagt Thomas Domin vom gleichnamigen Peickwitzer Landwirtschaftsbetrieb. „Wir haben sehr bald die Schmerzgrenze erreicht. Der Roggen sieht zwar auf den ersten Blick ganz gut aus, doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich die vertrockneten Blätter.“ Das bedeutet, dass das Weiterwachsen der Pflanze nicht mehr möglich ist. „Es wird auf eine Notreife hinauslaufen“, weiß Domin aus Erfahrung. Auf insgesamt 85 Hektar baue sein Unternehmen Roggen an.  Schon jetzt zeichneten sich Ernteeinbußen von 25 bis 30 Prozent ab. Und wenn es nicht bald regnet, so Domin, werde auch der noch junge Mais erhebliche Probleme bekommen. Er rolle dann seine Blätter zusammen. „Das ist eben unser Los als Lausitzer Landwirte“, ergänzt Vater Frank Domin: „Karnickel, Kiefer, Revolver. Also Karnickelsand, Kiefernheide, und wenn dann auch noch das Wetter nicht mitspielt, hilft nur noch die Waffe“, erklärt der Landwirt nicht ganz ernst gemeint.

Ähnlich sieht es auch bei der Großräschener Agrargenossenschaft aus. „Die hellen Flecken an den Pflanzen deuten auf erste Trockenschäden hin“, sagt der Leiter Pflanzenproduktion, Günter Kockro. Vor rund zehn Tagen hatte es das letzte Mal geregnet. Durch das fehlende Himmelswasser sei vor allem das Sommergetreide stark gefährdet. „Das wächst sich nicht mehr aus, bildet stattdessen Zwiewuchs. Die Pflanzen beginnen quasi von neuem zu wachsen“, erklärt Kockro. „Wir sind in diesem Jahr direkt vom Winter in den Sommer gegangen. Daher sind die Pflanzen zu schnell gewachsen. Ernteverluste sind so vorprogrammiert.“ Mehr noch: „Wir haben im Mai gerade mal die Hälfte des Monatssolls an Niederschlägen erreicht und hoffen jetzt inständig auf Regen.“

Bei der Agrargenossenschaft Frauendorf gibt es Trockenschäden auf den Grünlandflächen. „Nach der ersten Mahd wächst jetzt nichts mehr nach“, sagt Geschäftsführer Frank Gutmann. Optimistischer sehe es dagegen beim Mais aus. „Die jungen Pflänzchen müssen sich im trockenen Boden quälen. Dadurch sind sie gezwungen, Wurzeln zu bilden. Im Hochsommer ist viel Wasser für den Mais wichtiger als jetzt.“

Die Bauern aus der Senftenberger Region stehen mit ihren Sorgen keinesfalls allein da. „In der gesamten Niederlausitz warten die Landwirte händeringend auf Regen“, sagt Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Schlimmer noch: „Hinter uns liegen bereits drei schlechte Jahre. 2017 war das Frühjahr ebenfalls zu trocken, und dann kamen im Juni die schweren Unwetter. 2016 bot ebenfalls ungünstige Bedingungen, und an das Dürrejahr 2015 brauchen wir gar nicht erst zu denken.“ Ob diesmal die Bauern auf Landesunterstützung zählen können, sei zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig offen.

Die Lausitzer Förster haben indes mit der hohen Waldbrandgefahr zu kämpfen. Brandenburgweit hat es im Jahr 2018 bereits 93 Mal gebrannt. Im Gebiet der Oberförsterei Senftenberg gab es laut Leiter Harald Marwan drei Brände, und zwar in den Revieren Lauchhammer, Großräschen und Senftenberg. Insgesamt standen 1,69 Hektar in Flammen. „Im Mai hatten wir bislang 13 Tage mit hoher und sehr hoher Waldbrandgefahr“, sagt Marwan.

Kurioserweise hat der Wonnemonat in manchen Teilen sein Soll von rund 55 Millimetern je Quadratmeter bereits erreicht. So wie bei Hobbymeteorologe Günter Kobel in Ort­rand: „Ich hatte schon 51 Millimeter im Messbecher.“ Allerdings fiel der letzte Regen am 15./16. Mai. Bereits der April sei zu trocken gewesen. Der ehemalige Ortrander Lehrer kündigt an, dass in den kommenden Tagen zwar feuchtere Luft die Region erreichen könnte, der sehnlich erwartete Landregen komme aber nicht.

Ähnlich sieht es auch Hobbymeteorologe Klaus Hirsch aus Großkoschen: „Bei mir fehlen im Mai nur 5,7 Millimeter je Quadratmeter, dann ist das Monatssoll erreicht. Allerdings sei auch im Urlauberort am See der letzte Niederschlag am 16. Mai heruntergekommen. Und der meiste Regen, nämlich 30 Millimeter, fiel auf einen Schlag während des Himmelfahrt-Gewitters.

Obwohl die Landwirte nach Wasser für ihre Felder und Wiesen lechzen, sehen sie möglichen Gewittern mit Sorgen entgegen. „Erst im letzten Jahr hat ein Hagelunwetter 55 Hektar Roggen umgeworfen“, erinnert sich Bauer Michael Galdiks vom Landwirtschaftsbetrieb Domin. „Das wäre genau das andere Extrem, das wir nicht wirklich brauchen“, kommentiert der junge Peickwitzer.