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Lausitzer Unternemen für Breitband-Preis nominiert
Kabelnetzbetreiber zeigt Riesen der Branche auf dem Land die Zähne

Um die ländlichen Ortsteile der Stadt Lauchhammer zu erschließen, sind über viele Kilometer Glasfaserkabel verlegt worden.
Um die ländlichen Ortsteile der Stadt Lauchhammer zu erschließen, sind über viele Kilometer Glasfaserkabel verlegt worden. FOTO: Stadt Lauchhammer
Lauchhammer. Glasfaserstadt Lauchhammer steht Montag im Finale für den Europäischen Breitband-Preis. Von Kathleen Weser

Lauchhammer macht erfolgreich Tempo auf der Datenautobahn. Die Glasfaserstadt ist Finalist beim European Broadband Awards 2017, der am Montagabend in Brüssel vergeben wird. Mit dem Breitband-Preis zeichnet die Europäische Kommission jährlich herausragende Breitband-Projekte in Europa aus. Die Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft (LKG) Lauchhammer ist dabei.

Das heimische Unternehmen hat im ländlichen Raum mit vergleichsweise wenigen Anschlussnehmern ein FttH-Hochgeschwindigkeitsnetz errichtet. Die Breitbandversorgung in Grünewalde mit etwa 1300 Einwohnern, in Kleinleipisch mit etwa 770 Seelen und Kostebrau mit etwas mehr als 500 Einwohnern ist sogar erheblich besser, als die Vorgaben der Bundesregierung und der Euopäischen Union das für dünn besiedelte Gebiete ins Auge fassen. Das starke Netz ist einzigartig in Brandenburg.

Neben den Haushalte profitieren Unternehmen von diesem konsequenten Ausbau des Glasfasernetzes. In allen Industriegebieten der Stadt Lauchhammer stehen mittlerweile Internetanschlüsse bereit, um Datenmengen von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde zu bewegen.

Geschäftsführer Bernd Nitzschner trägt hohe wirtschaftliche Risiken. Das Unternehmen leistet einen großen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Stadt Lauchhammer, die Industrie- und Gewerbestandort bleiben will - und gegen die starke Überalterung der Bevölkerung ankämpft. Dabei steht der mittelständische Kabnelnetzbetreiber im Wettbewerb mit den Riesen der Branche, für die in Brandenburg in jüngster Zeit auch die europäischen Töpfe großzügig geöffnet worden sind. Denn für Standorte, die privatwirtschaftlich vertretbar nicht mit breitbandigem Internet zu erschließen sind, ist auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis eine europäische Finanzspritze, ausdrücklich als Beihilfe deklariert, eingesetzt worden. Das Mammut-Baulos ist so groß ausgeschrieben und mit Auflagen verbunden gewesen, die mittelständischen Unternehmen die Teilnahme verwehrten. Die Deutsche Telekom hat den Auftrag erhalten, im unterversorgten ländlichen Raum für ein leistungsstärkeres Glasfasernetz zu sorgen. Dabei dürfen existierende Netze zwar ebenso wenig überbaut wie privatwirtschaftliche Investitionen verdrängt werden. Aber Wettbewerbsnachteile haben die mittelständischen Kabelnetzbetreiber mit der  Landes-Ausschreibung heftig kritisiert. Denn Fakt bleibt:  Ein Kommunikationsriese ist mit öffentlichem Geld in die Lage versetzt worden, seine Marktposition in der Fläche zu stärken und sich ernster lokaler Konkurrenz zu erwehren. Dabei ist ausschließlich investiert worden, um das vorhandene Kommunikationsnetz mit Übertragungsdaten bis sechs Megabit pro Sekunde aufzurüsten. Am Ausgang dieser Kabelverzweiger sollten nun mindestens 50 Mbit pro Sekunde bereitstehen.

In Lauchhammer ist eine weit stärkere Leistung erreicht. Das wird anerkannt, auch mit dieser finalen Nominierung für den Europäischen Breitband-Award. Außer dem heimischen Kabelnetzbetreiber ist nur noch ein weiteres deutsches Unternehmen aus Karlsruhe unter den 15 Anwärtern auf den Preis. 49 Projekte aus 20 Ländern waren ins Rennen gegangen. Montagabend fällt die Entscheidung.