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| 12:07 Uhr

Mai-Wetterbilanz
Lausitzer Hitzeschlacht mit Sonnenschein-Rekord

Die Trockenheit hat die Futtersuche des Weißstorches schwierig gemacht. An den Kroppener Teichen hat er eine Ringelnatter  gefangen.
Die Trockenheit hat die Futtersuche des Weißstorches schwierig gemacht. An den Kroppener Teichen hat er eine Ringelnatter gefangen. FOTO: Renate Kupfer
Lindenau. Die höchste Regenmenge ist im trockenen Mai am Senftenberger See gemessen worden. Der Niederschlag ist aber unter der Norm geblieben. Die extreme Verdunstung macht Pflanzen und Tieren zu schaffen. Von Rudolf Kupfer

Von Rudolf Kupfer

Senftenberg So ein verrücktes Wettergeschehen wie in diesem Frühjahr hat die Lausitz schon lange nicht gehabt. „In dieser Konstellation vielleicht noch nie“, schätzt Klaus Kreter aus Ortrand ein. Der März war noch ein richtiger Wintermonat, und im April gab es traumhaftes Maiwetter. Der Mai hat mit extremer Wärme und Trockenheit für eine um diese Jahreszeit noch nicht erlebte Hitzeschlacht gesorgt. Die Sonne brannte unbarmherzig   nach der Messung von Michael Wesnigk in Klettwitz 285 Stunden auf die Erde. Das waren täglich im Durchschnitt mehr als neun Stunden und ein Rekordwert.

Die gefürchtete Frühjahrestrockenheit gilt besonders auf den heimischen Sandböden für die Natur wie ein Scharfrichter. Regelrecht verbrannte Rasenflächen, vom Wuchs her Minigetreidebestände, notreife Süßkirschen, das Abstoßen des Fruchtansatzes beim Obst und höchste Waldbrandgefahr sind sichtbare Zeichen dieser anhaltenden Trockenheit. „Unter solchen Bedingungen hört sich Regen an wie ein freundliches Fest“, sagt Siegfried Klaus aus Ortrand. Genauestens verfolgt der Landwirt das Niederschlagsgeschehen und staunt, wie viele andere immer wieder darüber, dass es zum Beispiel in Kroppen einen Wolkenbruch gab, während im benachbarten Frauendorf zeitgleich nicht ein Regentropfen fiel. Wegen fehlender Höhenwinde standen in diesem Jahr Gewitter besonders fest und regneten sich über einem Ort ab. Das bestätigt auch Klaus Hirsch aus Großkoschen, der mit 51 Millimetern die größte Menge Regen aller Messstellen in und um Senftenberg für Mai ermittelt hat (Norm: 57 Millimeter). Doch das Wasser der Wolkenbrüche vom Beginn des Monats stand den Pflanzen nur kurze Zeit zur Verfügung. Bei einer außerordentlich hohen Verdunstung von täglich etwa vier Millimetern je Quadratmeter ist ein enormes Defizit entstanden und das in der Hauptwachstumszeit der Pflanzen.

Eine verspätete Drillingsgeburt im Lindenauer Schafstall  erfordert für das dritte Lamm nun ganzen Einsatz. Max hilft gegen den großen Hunger mit der Trinkflasche nach und hat Freude daran.
Eine verspätete Drillingsgeburt im Lindenauer Schafstall erfordert für das dritte Lamm nun ganzen Einsatz. Max hilft gegen den großen Hunger mit der Trinkflasche nach und hat Freude daran. FOTO: Kupfer Renate

Für Ronny Sommer in Buchwalde ist es ein Glücksfall, dass die Region über den Senftenberger See und andere Gewässer verfügt, die Badespaß vor der Haustür ermöglichen und kostbares Nass vorhalten. In solchen Trockenzeiten sorgt Gabriele Haußmann in Hörlitz täglich für Frischwasser für die heimische Vogelwelt.

Bei den Rauchschwalben ist in Lindenau bereits Ende Mai die erste Aufzucht ausgeflogen. Die Mehlschwalben haben beim Nestbau infolge Trockenheit und fehlender feuchter Erde erhebliche Schwierigkeiten. Das kann aktuell auch an Häusern auf dem Marktplatz in Ortrand beobachtet werden.

Die Heuernte haben die Landwirte weitestgehend bereits im Mai abgeschlossen. Mit wenig Aufwand wurde beste Qualität eingefahren, so Günter Kockro aus Großräschen. Allerdings wächst auf den Wiesen ohne anhaltenden Landregen jetzt nichts nach.

Aus der Sicht folgender Wetterregeln ist die Lage besorgniserregend: Auf trockenen Mai, folgt ein dürres Jahr. Früher Sommer, schlechte Ernte. Solange der Kuckuck noch schreit, fürchte die Trockenheit.

Bemerkenswert ist in den zurückliegenden Wochen die ungeheure nur auf kurze Zeit begrenzte Blütenfülle vor allem von Robinien und Holunder, für die Bienen und Insekten ein gewaltiges Angebot. Die Intensität dieses Blühens verursachte regelrechte Duftlawinen in den hiesigen Parks und Gärten, wohlriechend und artspezifisch. Fortgesetzt wird dieses Feuerwerk allerorts durch die jetzt beginnende Lindenblüte.