Frauen aus Großkmehlen pflegen eine alte Tradition in den Wintermonaten und zwar das Federnschleißen. In den Dörfern der Region gab es in den letzten Jahrzehnten gewaltige Umbrüche und Veränderungen. Das umfangreiche Angebot der Märkte hat die frühere Notwendigkeit der Eigenversorgung weitgehend überflüssig gemacht. Das Einwecken von Obst und Gemüse, Hausschlachten und anderes nehmen weiter ständig ab. Davon betroffen ist auch das Federnschleißen, das immer in der Zeit von Weihnachten bis Ostern stattfand.

Ende Februar 2019 trafen sich aber in Großkmehlen zehn Frauen an mehreren Tagen, um die weichen Daunen von den Federkielen zu trennen. Regina Rosenbaum hatte zum Federnschleißen eingeladen und von allen die sofortige Zusage zum Mitmachen erhalten.

Von jeweils selbst aufgezogenen und geschlachteten fünf Gänsen hat sie die Federn von zwei Jahren gesammelt. „Das wird die Inhalte von zwei Kopfkissen füllen,“ weiß die Hausherrin. Über deren Absatz kann sie sich nicht beklagen, viele in der Familie und im Freundeskreis schwärmen von diesen mit super weichen Gänsefedern gefüllten Kissen.

Mitten in der Runde sitzt auch Elli Kiebel, mit 91 Jahren die Älteste. Sie kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als die Frauen im Winter von Hof zu Hof zogen und in Nachbarschaftshilfe große Berge von Gänse- und Entenfedern aufbereiteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, erinnert sich die Rentnerin, waren die Federn ein wahrer Schatz und ein wichtiger Grund, dieses Geflügel auf fast allen Höfen zu halten. Das auf ihrem Grundstück noch heute Enten und Gänse gehalten werden, freut die rüstige Seniorin. Sie ist sich sicher, nirgends können so schöne Geschichten von früher und heute erzählt werden, als wie beim Federnschleißen. „Das bringt ein wenig Abwechslung in unseren Alltag,“ meint auch die 88-jährige Herta Bussler. Die ehemalige Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung in Großkmehlen kennt sich in ihrem Ort bestens aus und hat viele Bürgermeister erlebt in Zeiten, als die Gemeinde noch ihr eigenes Büro hatte.

Vieles hat sich inzwischen auch in Großkmehlen verändert. Die Frauen zeigen sich sehr zufrieden, dass sie sich noch ab und zu beim Federnschleißen treffen, reden und lachen können. Sie hoffen, dass es im Jahr 2019 in der Gemeinde erneut Gänse und damit Federn gibt und sie sich wieder treffen können.

Damit wird der Fortbestand dieser langen und schönen dörflichen Tradition gesichert.