Werner Kranke heißt der neuer Ruhlander Schützenkönig. Der ehemalige Bestatter erhält während des traditionellen Schützenfestes aus den Händen der 2018er-Vereins- und Landeskönigin Ursula Jentsch die Vereinskönigskette. Im Gegenzug bekommt Jentsch vom Vereinsvorsitzenden Hans-Joachim Glaser einen entsprechenden Orden verliehen. Erster Ritter (2. Platz) ist Gründungsmitglied Michael Liebmann. Die Vorjahressiegerin Ursula Jentsch wird zur zweiten Dame gekürt. Sie hat den 3. Platz erreicht.

„Ich bin zum zweiten Mal König. Eigentlich möchte ich es nicht sein, da mit dieser Auszeichnung auch viele Verpflichtungen verbunden sind. Der neue König muss erstens ein Fass Bier sponsern, ein Königsfrühstück herrichten und an den vielen Schützenfesten der Gastvereine teilnehmen“, sagt Werner Kranke. „Egal wie du schießt. Es wird immer der König, der die beste Zehn geschossen hat“, fügt der Ruhlander Rentner an. Zur Schützengesellschaft sei der ehemalige Bestatter durch seinen Oldtimer gekommen. „Ich habe einmal einen König chauffiert und bin so zum Verein gekommen“, weiß der neue Schützenkönig.

Der Dauerregen hat den Ablauf des Schützenfestes ein wenig durcheinandergebracht. Normalerweise sollte wie jedes Jahr das aktuelle Königshaus auf dem Marktplatz gekürt werden. Wegen des Wetters findet dieser Teil im Festzelt statt.

„In diesem Jahr feiern wir gleich zwei Jubiläen. Zum einen findet unser Schützenfest zum 25. Mal statt. Zum anderen haben wir erstmals einen verregneten Schützenverein“, scherzt der Chef der Ruhlander Schützen, Hans-Joachim Glaser.

Im Rahmen der Veranstaltung können die Besucher auch einmal selbst schießen. Bei den Stadtmeisterschaften wird der beste Ruhlander gesucht. „Wir sind der einzige Verein in der Region, der ein Schützenfest für die Bevölkerung veranstaltet. Jeder Schütze hat zehn Schuss. Bei rund 300 Schützen kommen so bis zu fünfhundert Zielstreifen zusammen“, sagt der Vereinschef.

Allerdings habe die Schützengesellschaft Ruhland mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Derzeit sind im Verein drei Jugendliche aktiv. Der Rest befindet sich jenseits der 60 Jahre. „Ein Grund, warum wir so wenig Nachwuchs haben, ist auch die Art des Schießens. Erst ab dem 50. Lebensjahr darf aufgelegt geschossen werden. Vorher muss man freihändig stehen, was für viele Amateure sehr schwer ist“, weiß Hans-Joachim Glaser.

Das Wirken der Schützen des Elsterstädtchens geht auf eine lange Tradition zurück. „Erstmals erwähnt wurde Ruhland im Jahre 1317. Um die Einwohner vor Feinden zu schützen, wurde 1345 die Schützengilde gegründet. Dies ist handschriftlich im Stadtarchiv belegt“, weiß Schützengesellschaftspräsident Hans-Joachim Glaser.

Mehrere Brände in der Vergangenheit haben nicht nur die Vereinsfahne zerstört, die Gräfin von Bohm den Schützen im Jahr 1740 zum Geschenk machte, sondern verlor die Schützengesellschaft auch ihr Schießhaus anno 1768. Damals war fast das ganze Städtchen in Rauch aufgegangen.

Heute trainieren die 15 Mitglieder des ältesten Vereines Brandenburgs in einem modernen Haus gleich neben der Gaststätte „Schützenhaus“. An zehn Schießständen wird überwiegend mit Luftgewehr geschossen.

Der Terminkalender der Ruhlander Schützen ist prall gefüllt. „Neben der Vereins-, der Kreismeisterschaft und der Landesmeisterschaft führen wir noch unser Schützenfest durch und schießen in der Landesliga Brandenburg“, sagt Glaser weiter.

In der Geschichte des Schützenfestes hält sich die Anzahl der Könige und Königinnen übrigens die Waage. Mit Beschluss der Mitgliederversammlung ist es ab nun möglich, jedes Jahr König zu werden. Ursprünglich musste man fünf Jahre aussetzen.