Von Torsten Richter-Zippack

Man nehme eine Hochkippe, eine selbst gebaute Bahn hangabwärts, unzählige gekochte Hühnereier und einen tüchtigen Dorfklub: Dann kann das Ostereier-Waleien beginnen. Genauso ist es am Ostermontag ab 10 Uhr in Brieske-Dorf.

Ein Spiel auf einer fast 100-jährigen Kippe

An der fast 100-jährigen Kippe des Tagebaus Marga rollen die Eier auf einer langen Bahn, präpariert mit einer scharfen Doppelkurve, nach unten. Haben die Hühnerprodukte die 20-Meter-Marke überschritten, wird das Maßband angelegt. „Drei, vier Meter noch, dann ist Schluss“, erklärt Holger Nutsch, Vorsitzender des Briesker Dorfklubs.

Nicht nur am unteren Ende der präparierten Bahn, die ursprünglich ein Waldweg ist, geht es um die entscheidenden Zentimeter. Bereits am hoch gelegenen Startpunkt kämpfen die Teilnehmer um die beste Startposition und damit um jeden Millimeter.

Erwachsene oft verbissener als die Kinder

„Die erwachsenen Spieler sind dabei oft verbissener als die Kinder“, weiß Gerd Petsch vom Dorfklub aus jahrelanger Erfahrung. Es gewinne derjenige, dessen Eier die längste Strecke zurücklegen. Jeder habe drei Versuche, gewertet werde nach Kindern und Erwachsenen getrennt. Auf die Besten warten kleine Preise.

Der Teilnehmerrekord reicht ins Jahr 2010 zurück. „Damals hatten sich 176 Leute angemeldet, davon 90 Kinder“, blättert Holger Nutsch in den alten Unterlagen. Im ersten Jahr, 2001, gab es ganze zwölf Protagonisten. Zum Vergleich: Brieske-Dorf zählt aktuell um die 180 Einwohner. „Kein Wunder, hat sich unser Eier-Waleien längst in der Gegend herumgesprochen“, resümiert Gerd Petsch. Bis aus Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein kämen die Teilnehmer, die familiäre Bindungen in die Lausitz haben.

Lange Tradition im Dorf

Das Ostereier-Waleien hat in Brieske-Dorf eine lange Tradition. Früher wurde dieser Brauch auf den einzelnen Höfen praktiziert. „Bei uns“, so erinnert sich der Ur-Briesker Holger Nutsch, „hatte Vater einen Sandhaufen aufgeschüttet und eine Bahn gebaut, mal gerade, mal in Schneckenform. Anschließend haben wir Kinder die Eier herunter gerollt. Wer dabei ein anderes Ei traf, durfte es behalten. Und wer am Ende die meisten hatte, war der Sieger.“

Waleien gilt als Sinnbild des Lebens

Das Waleien gilt als typischer sorbischer Osterbrauch. Die Eier gelten als Sinnbild des Lebens. Die gekullerten Hühnerprodukte sollen Äcker, Wiesen und Weiden anregen, gut zu gedeihen und eine reiche Ernte abzuwerfen. Das mit Abstand größte öffentliche Ostereier-Waleien beziehungsweise Eierschieben findet alljährlich am Ostersonntag am Bautzener Protschenberg statt. Dort wird aus hygienischen Gründen allerdings nicht mehr mit Hühnereiern gerollt, sondern mit Plastebällen.

„Unsere Intention war indes, den Briesker Kindern etwas zu bieten. Nach der Wende gab es kaum noch welche im Dorf, inzwischen sind es wieder um die 20“, erklärt Gerd Petsch. Ostern 2020 soll nun die 20. Auflage des Spektakels an der Marga-Kippe stattfinden. „Für dieses Jubiläum denken wir uns etwas ganz besonderes aus“, wissen Gerd Petsch und Holger Nutsch schon heute genau. Der Termin: Ostermontag, 13. April 2020.