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| 19:01 Uhr

Kaum Regen seit März
Lausitzer Bauern bangen schon Ende April um ihre Ernte

 Trockenheit in der Lausitz: Auch dieser bestellte Acker bei Senftenberg/Buchwalde wartet auf dringend notwendigen Regen.
Trockenheit in der Lausitz: Auch dieser bestellte Acker bei Senftenberg/Buchwalde wartet auf dringend notwendigen Regen. FOTO: Rasche Fotografie / Steffen Rasche
Großräschen, Peickwitz, Frauendorf. Seit Ende März hat es in der Lausitz nicht mehr nennenswert geregnet. Die Landwirte müssen nach dem Trockenjahr 2018 schon wieder um ihre Erträge bangen. Und das bereits im April. Von Torsten Richter-Zippack

Für Panik sei es zwar noch zu früh. Aber das Drama scheint schon wieder los zu gehen, sagt Mario Weber vom Vorstand der Agrargenossenschaft Großräschen.

Am 14./15. März hatte er mit rund 20 Litern pro Quadratmeter den letzten nennenswerten Niederschlag im Messbecher. Etwas Wasser fiel auch am 25. März vom Himmel. Kaum erwähnenswert sind hingegen die 1,4 Liter vom 14. April. Seit über einem Monat hat es in Großräschen nicht mehr wirklich geregnet.

„Zwar sind die Böden aufgrund der Winterniederschläge noch feucht. Aber das Austrocknen beginnt schon wieder“, resümiert Mario Weber. So seien Düngungen auf manchen Feldern fast verpufft, weil einfach das Wasser fehle, dass die Mineralien ins Bodeninnere befördert. Das wirke sich vor allem auf den Weizenanbau aus.

Darüber hinaus müssen die Landwirte die Aussaat von Luzernen vor sich herschieben. „Wegen der anhaltenden Trockenheit“, begründet Weber. Aus gleichem Grund müssten Blühmischungen für die Ernährung von Insekten warten.

Frühjahrstrockenheit in der Lausitz weckt böse Erinnerungen

Die Frühjahrstrockenheit weckt böse Erinnerungen an das vergangene Jahr. „Aufgrund der monatelangen Dürre hatten wir ein Defizit von 200 Litern Niederschlag pro Quadratmeter“, sagt Mario Weber. Das habe sich bis März zwar um die Hälfte verringert, aber 100 Liter seien immer noch viel zu viel.

Die Großräschener Agrargenossenschaft hatte im Vorjahr Ernteverluste von 200 000 Euro eingefahren. Entsprechende Hilfen des Landes habe der Betrieb jedoch nicht beantragt.

„Wir können noch auf andere Einnahmequellen, beispielsweise unser kleines Bauunternehmen und Geld aus der Verpachtung von Solarflächen, zurückgreifen“, begründet Weber. Insgesamt bewirtschaftet die Agrargenossenschaft rund 2000 Hektar Flächen zwischen Bahnsdorf und Freienhufen.

Dramatisch ist die Lage im Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz. „Wenn 2019 wieder solch ein Dürrejahr wie 2018 werden sollte, können wir unseren Betrieb zuschließen“, bringt Inhaber Thomas Domin die Brisanz auf den Punkt. Dann seien die Vorräte in Gänze erschöpft. 2018 war die Hälfte der Ernte verloren.

Das Unternehmen habe bereits Viehfutter zukaufen müssen, da die eigenen Flächen  aufgrund der Dürre nicht mehr genug hergaben. Aktuell halten sich die Schäden noch in engen Grenzen.

„Aber wenn es nicht bald regnet, werden die Wiesen nicht mehr wachsen. Zudem benötigt auch unser Getreide endlich Wasser“, sagt Domin. Der Landwirt spricht von „verdammt harten Zeiten“, die auf die Bauern zukommen könnten.

Kein Regen in der Lausitz in Sicht

Doch Regen ist zumindest im restlichen April keiner in Sicht, sagt der Großkoschener Hobbymeteorologe Klaus Hirsch. Im vierten Jahresmonat seien am Senftenberger See bis Ostern lediglich 2,4 Liter Niederschlag je Quadratmeter gefallen.

Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 32 Liter. Die Monatsnorm bewegt sich bei 42,2 Litern. „Der Regen macht derzeit um die Niederlausitz einen Bogen. Immer wieder drängen Höhenströmungen aus östlichen Richtungen die Tiefdruckgebiete ab“, begründet Hirsch.

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Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) waren Januar und März nach Messungen der Wetterstation Cottbus erheblich zu nass, der Februar lag fast im langjährigen Durchschnitt. Im April sind laut Sprecherin Angelika Sowart bislang nur neun Prozent des Niederschlags gefallen, 2018 waren es im gesamten Monat immerhin 86 Prozent.

„Zur Zeit liegt Deutschland im Einfluss eines Hochs mit Schwerpunkt über Südskandinavien und bringt den meisten Regionen traumhaftes Wetter mit viel Sonnenschein und frühsommerlichen Höchsttemperaturen.“

Walter Beckmann von der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz sieht die Situation im April noch relativ entspannt. „Das trockene Wetter erleichtert unsere Frühjahrsbestellung. Und dank des nassen Winters haben wir mehr Wasser im Boden als vor zwölf Monaten.“ An Beckmanns Messpegel sei das Grundwasser um 30 Zentimeter angestiegen.

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Indes hat der Landwirt und Hobbymeteorologe keine Angst vor einem neuen Dürrejahr. „Laut der Statistik ist in den vergangenen 137 Jahren einem extremen Trockenjahr in nur einem Fall ein zweites gefolgt. Das war 1975/1976.“ Von den von 1881 bis 2018 registrierten 17 Dürrejahren hätten neun einen zu nassen und sieben einen niederschlagsmäßig normalen Sommer nach sich gezogen.

Borjana Dinewa-Zelt vom Bauernverband Südbrandenburg weist darauf hin, dass sich die Landwirte wegen des Klimawandels ohnehin auf längere Trockenphasen einstellen müssen. „Bestimmte Kulturen werden künftig nicht mehr funktionieren. Und letztendlich müssen die Bauern mit dem vorherrschenden Wetter arbeiten. Wir wollen ja nicht nur jammern.“

Indes hat die April-Trockenheit auch Einfluss auf die Forstwirtschaft. „Zum jetzigen Zeitpunkt Bäume zu pflanzen, ist mit hohem Risiko verbunden. Der Anwuchs kann bei der derzeitigen Wetterprognose nicht garantiert werden“, erklärt Daniela Matschke von der Oberförsterei Senftenberg. Der Großteil der Pflanzung habe bereits im März und Anfang April stattgefunden. Eine gute Nachricht gibt es allerdings: „Wir hatten bei uns in diesem Jahr noch keinen Waldbrand.“