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| 18:55 Uhr

Mehr Geld für Kindereinrichtungen
Lausitzer Kitas wollen Geld für mehr Personal

 Im Herbst haben die Kinder der Lübbener Kita „Waldhaus“ Richtfest am Neubau gefeiert. Bald können sie einziehen. Doch auch diese Einrichtung kämpft um zusätzliches Personal.
Im Herbst haben die Kinder der Lübbener Kita „Waldhaus“ Richtfest am Neubau gefeiert. Bald können sie einziehen. Doch auch diese Einrichtung kämpft um zusätzliches Personal. FOTO: Stadt Lübben / Ziemer Dörthe
Senftenberg. Lausitzer Kindereinrichtungen versprechen sich vom neuen Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung mehr Geld für Personal und längere Betreuungszeiten. Von Torsten Richter-Zippack

Das Gute-Kita-Gesetz soll die Kinderbetreuung auch in der Lausitz besser machen. 5,5 Milliarden Euro stellt der Bund dafür bis zum Jahr 2022 bereit. In Brandenburg ist derzeit noch offen, wo die Förderschwerpunkte gesetzt werden. In Sachsen soll in die pädagogische Arbeit investiert werden. Eltern protestieren wegen ausufernder Gebühren und unflexibler Betreuungszeiten in beiden Ländern immer wieder.

Insgesamt 206 Kinder werden im Senftenberger „Zwergenhaus am See“ derzeit betreut. Damit ist die Fröbel-Einrichtung bis auf den letzten Platz ausgebucht. Besonderer Wert wird auf die Integration der ausländischen Kinder gelegt. „Dafür bräuchten wir mindestens eine zusätzliche pädagogische Fachkraft“, sagt Fröbel-Sprecherin Beatrice Strübing. Zudem wurde das Senftenberger KInderhaus das letzte Mal vor 30 Jahren saniert. Der Bauzustand zeigt das auch. „Einige Türen sind bereits ein halbes Jahrhundert alt“, sagt Strübing. Mehr Geld wird dringend benötigt für die Kita.

Unterstützung bei Personal und Sanierung erhofft sich der Fröbel-Verein mit dem Gute-Kita-Gesetz, das Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist.

„Das Gesetz ist ein Instrumentenkasten, um Kinderbetreuung überall in Deutschland besser zu machen“, argumentiert das Bundesfamilienministerium. Konkret geht es um die Steigerung der Qualität in den vorschulischen Kindereinrichtungen sowie um Entlastungen der Eltern.

Das Land Brandenburg rechnet sich rund 164 Millionen Euro aus diesem Topf aus, sagt Ralph Kotsch, Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums. Derzeit gibt das Land pro Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro für den Kita-Bereich aus. Allerdings sei zum aktuellen Zeitpunkt noch offen, was mit dem neuen Geldsegen des Bundes hier konkret finanziert werden soll. „Die politischen Diskussionen zu diesen Schwerpunkten sind noch nicht abschließend geführt“, sagt  Ralph
Kotsch. Er nennt keinen Zeitpunkt, wann mit Ergebnissen zu rechnen ist. Nachfragen diverser Einrichtungen beziehungsweise Träger habe es im Ministerium bislang nicht gegeben.

Sachsen rechnet bis zum Jahr 2022 indes mit einer Summe von rund 260 Millionen Euro, erklärt Dr. Susann Meerheim aus dem Dresdner Kultusministerium. Das Geld werde ab Juni „in die mittelbare pädagogische Tätigkeit von Erziehern investiert“. Konkret geht es um Vor- und Nachbereitungszeiten. „Damit entsprechen wir auch dem Wunsch von Erziehern und Eltern, die an einer Kita-Umfrage unseres Hauses im Juni 2018 teilgenommen haben“, erklärt Meerheim.

 Die Betreuung der Jüngsten in Kindertagesstätten erfordert vor allem mehr Personal. Das fordern die Träger der Einrichtungen.
Die Betreuung der Jüngsten in Kindertagesstätten erfordert vor allem mehr Personal. Das fordern die Träger der Einrichtungen. FOTO: fotolia / oksix

Aus Sicht der Brandenburger Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) solle dank des neuen Gesetzes ein Fokus auf die Unterstützung verlängerter Betreuungszeiten gelegt werden. Damit käme das Land Brandenburg auch dem Senftenberger „Zwergenhaus am See“ entgegen. „Wir würden uns wünschen, lange Betreuungszeiten, also über acht Stunden hinaus, zu finanzieren“, sagt Beatrice Strübing. Bislang werde das Personal nur für acht Stunden bezahlt. „Der ohnehin schon schlechte Betreuungsschlüssel in Brandenburg und damit auch der in Senftenberg wird damit aber noch schlechter“, resümiert die Fröbel-Sprecherin. Derzeit kommt zwischen Prignitz und Lausitz ein Erzieher auf fünf Kinder. Mehr Personal müsse finanziert werden. Ebenfalls mehr Personal wünscht sich Birgit Steuke, Leiterin der städtischen Kita „Waldhaus“ in Lübben. „Wir sind hier sechs Teilzeitbeschäftigte. Wird jemand krank oder hat Urlaub, wird es sogleich ziemlich eng“, schildert Steuke die Situation. Sie erhofft sich für die Pädagogen vom Gute-Kita-Gesetz auch eine verbessere Ausbildung. „Wir brauchen eine spezielle Schulung für die Kindergärten, konkret für Kinder im Alter zwischen null und sechs Jahren.“ Das gebe es brandenburgweit bislang nicht. Immerhin stehe der Waldhaus-Kita in diesem Jahr ein freudiges Ereignis bevor. „Unser Neubau soll 2019 eröffnet werden“, erklärt Birgit Steuke.

Fehlendes Fachpersonal ist auch das Hauptproblem des Kneipp-Kindergartens in Spremberg-Cantdorf. Nach Angaben des Kreisverbandes Niederlausitz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) als Träger müsste das Geld des Bundesfamilienministeriums in erster Linie in den Personalschlüssel investiert werden. Ein Erzieher sollte nur für vier Kinder zuständig sein statt derzeit für fünf. Neben dem finanziellen Aspekt spiele auch das fehlende Fachpersonal eine Rolle. Es gebe kaum mehr welches, so der Träger.

Nach Angaben des Großräschener Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick (SPD können grundsätzlich alle Brandenburger Kitas vom neuen Gesetz profitieren. Er  mache sich dafür stark, dass neben den Beziehern sozialer Leistungen auch Geringverdiener entlastet werden. Und es sei sinnvoll, einen Teil des Geldes in die Verlängerung der Betreuungszeiten zu investieren.

Die Landtagsabgeordnete Diana Bader (Linke) hofft, dass die Mittel aus dem Gute-Kita-Gesetz nach dem Jahr 2022 auch verstetigt werden. Denn obwohl seit dem Jahr 2009 die Landesmittel im Kita-Bereich verdreifacht wurden, gebe es noch immer eine unzureichende Personalausstattung. Die Brandenburger CDU setzt sich indes für eine Verbesserung der Betreuungsqualität ein. Mehr noch: „Wir brauchen Kitas, die den finanziellen Rahmen haben, um  sich an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern orientieren zu können“, erklärt der CDU-Landesvorsitzende Ingo Senftleben.