ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:57 Uhr

Straßenfest in Lauchhammer-West
Nette Nachbarn werden zur Auffanggesellschaft

 Tolle Nachbarinnen im Gespräch beim Straßen-Sommerfest: Monika Schirmer (74). Karla Richter (92) und Bärbel Noack (67, v.l.)
Tolle Nachbarinnen im Gespräch beim Straßen-Sommerfest: Monika Schirmer (74). Karla Richter (92) und Bärbel Noack (67, v.l.) FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. An der Beethovenstraße und Triftgasse in Lauchhammer-West wird Nachbarschaftshilfe groß geschrieben. Von Mirko Sattler

Gemütlich plaudernd sitzen die Bewohner der Beethovenstraße und Triftgasse in Lauchhammer-West an diesem lauen Sommerabend bei Sekt oder einem Bierchen zusammen. Zum nunmehr 16. Mal feiern sie ihr traditionelles Straßenfest. Doch nicht nur Feiern steht bei ihnen im Mittelpunkt. „Wir sind eine gute Nachbarschaftstruppe, quasi eine Auffanggesellschaft“, erzählt Monika Schirmer. Die Nachbarn helfen sich gegenseitig, erledigen kleinere Aufgaben füreinander oder werden zum Fahrdienst. „Ein Anruf genügt, und wir sind zur Stelle. Auf vielen Grundstücken wohnen ältere Menschen, und da ist es wichtig, dass sich jemand kümmert. Auch im Urlaub“, so Schirmer weiter.

Besonders rührend kümmern sich alle um Oma Karla. Die 92-jährige Mückenbergerin ist sehr dankbar. „Ohne die Gemeinschaft könnte ich nicht mehr allein wohnen. Sie sind mir eine große Hilfe. Wenn ich zu einem Arzt fahren muss, brauche ich nur meinen Nachbarn Horst Hausdorf anzurufen. Der kümmert sich dann um die Fahrt. Andere wiederum bringen mir Lebensmittel oder Medikamente mit“, verriet Karla Richter, die stolz ist, dass sich die Nachbarn so um sie kümmern. Sie selbst kocht noch ihr Essen selbst und erledigt kleinere Reinigungsarbeiten im Haus. Erst kürzlich wäre sie fast auf eine Enkeltrickmasche hereingefallen. „Die quatschen dich am Telefon voll. Aber wo sie dann meinten, sie bräuchten 30 000 Euro, da hat es klick bei mir gemacht“, erzählt die Seniorin, die seit 65 Jahren in der Beethovenstrasse wohnt.

Das eingespielte Team der Nachbarschaft überrascht sogar zurückkommende Urlauber. „Wir waren im Juni im Urlaub an der Ostsee. Pünktlich zu unserer goldenen Hochzeit trafen wir wieder in Lauchhammer ein. Wie es so üblich ist, werden bei solch einem Hochzeitstag Tannen gestellt. Damit haben uns unsere Nachbarn überrascht. Von der Straße aus hat man nichts gesehen. Erst als wir auf dem Hof waren, haben wir die Tannen und den Sekt gesehen“, erzählt Horst Hausdorf. Nicht nur bei erfreulichen Ereignissen hält die Nachbarschaft zusammen. „Eine Nachbarin hatte Parkinson. Wir unterstützten die Familie. Auch später, als die Frau gestorben ist. Mittlerweile ist der Enkel in das Haus gezogen“, berichtet Monika Schirmer.

Eine extra angefertigte, nicht ganz so ernst zu nehmende Satzung regelt das Zusammenleben. „In ihr steht zum Beispiel drin, dass wir ab dem 60. Geburtstag persönlich gratulieren gehen müssen – und das nun alle fünf Jahre“, plaudert Bärbel Noack aus. Kurz vor dem Wintereinbruch erfolgt schließlich noch ein Tag der Winterbereitschaft, wie es ihn schon zu DDR-Zeiten gab. Maschinen wie Schneefräse oder Multicar mit Schiebeschild erhalten dann ein selbst gebasteltes TÜV-Zertifikat.

Zum zweiten Mal stellt Neuling Heiko Hermann sein Grundstück für das gemeinsame Sommerfest der Nachbarschaft zur Verfügung. „Seit 2007 sind wir in dieser Clique mit dabei. Wir wurden herzlich aufgenommen. Damals hat es auch die Nachbarn nicht gestört, dass man als Berufstätiger einmal sonntags den Rasen gemäht hat oder auf der Rüstung stand“, erzählt der 44-Jährige. Diese Straßengemeinschaft sei einfach eine tolle Truppe.