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| 12:31 Uhr

Geschichte einer Villa
Von Koppenburg zum Regenbogen

 Hier zeigte Max Wunderlich den Gästen Margitta Müller und Sabine Pösch den Einstieg des Tunnels, der ins Lauchhammerwerk führte.
Hier zeigte Max Wunderlich den Gästen Margitta Müller und Sabine Pösch den Einstieg des Tunnels, der ins Lauchhammerwerk führte. FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. Einst Koppenburg-Villa, heute Villa Regenbogen: Die Geschichte der Kindereinrichtung in Lauchhammer-Ost reicht bereits 70 Jahre zurück. Von Mirko Sattler

Genau sieben Jahrzehnte ist die Villa Regenbogen in Lauchhammer alt. Aus diesem Anlass hatte die Einrichtung alle heutigen und ehemaligen Erzieher eingeladen. „Manche brachten alte Fotos mit, andere hatten sogar Tränen in den Augen, als sie dieses Gebäude betraten“, weiß Kitaleiterin Annegret Rau. Die Treppe ins Obergeschoß ist mit alten Fotos geschmückt. Jeder Raum präsentiert etwas, an das sich die Besucher erinnern. Beispielsweise Matthias Püschl. Er besuchte die Einrichtung bis zu seinem sechsten Lebensjahr. „Erst bin ich in der Krippe gewesen. Das war nicht hier, sondern das Haus nebenan. Ich kann mich noch an den Papierkorb am Eingang erinnern. Er sah aus, als wäre er ein Pinguin. Auch das blaue Kinderplanschbecken fand ich toll. Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich der Lauchhammeraner. Nicht nur er, sondern auch seine ganze Familie besuchte den Kindergarten.
An einen unschönen Vorfall kann sich Michael Nothing erinnern. „Im Jahr 1965 haben wir hier einmal Buschbohnen mit Goldregen vertauscht und natürlich gegessen. Das war dann ein Theater. Es kamen drei bis vier Krankenwagen. 13 Kindern musste der Magen vor Ort ausgepumpt werden. Doch es gab auch schöne Zeiten. Die Einrichtung besaß drei Kinderfahrräder, und hier habe ich Radfahren gelernt. Als Kinder besuchten wir auch immer die nebenan befindliche Gärtnerei“, erinnert sich der heute 59-Jährige, der von 1963 bis 1966 die Einrichtung besuchte. Als Rabauken turnten er und seine Freunde immer auf der oberen Brüstung herum. Nach diesem Vorfall wurde diese verkleidet.
Die Kita bietet den Gästen anlässlich des Jubiläums eine Menge. Sogar der Eingang zum berühmten Tunnel, welcher im Lauchhammerwerk endete, konnte bestaunt werden. Dort ist Margita Müller mit ihrer Tochter zu finden. „Heute ist alles schön saniert. Einiges habe ich wieder erkannt. Das berühmte Kaminzimmer sah früher nicht so toll aus wie heute“, weiß die 77-jährige Lauchhammeranerin. Von 1961 bis in die 1970er-Jahre hinein betreute sie als Erzieherin unter dem Dach bis zu 80 Hortkinder.
Hannelore Brems, geborene Tischer, besuchte in den 1950er-Jahren die Kindereinrichtung. „Wir haben immer auf der großen Wiese gespielt. Ich erinnere mich, dass ich meistens mittags um 12.30 Uhr abgeholt wurde. Vor allem mit Tante Eva, wie ich die Erzieherin Eva Oppermann immer nannte, machte das Spielen Spaß“, erzählt die heute 75-Jährige. Nach ihr besuchte ab dem Jahr 1969 ihr Sohn Detlef die Einrichtung. Zum Tag der Erinnerungen bringt Hannelore Brems noch alte Fotos aus jener Zeit mit.

Die Geschichte des Haus geht weit über das 70-jährige Bestehen als Kindereinrichtung zurück. Anno 1912 wurde es erbaut. Es diente einst als Dienstwohnung des Generaldirektors des Lauchhammer AG, Adolf Wiecke. Von 1924 bis 1931 lebte dort Direktor Fritz Pühler. Ab dem Jahr 1931 diente die Villa als Gästehaus. Zu jener Zeit war auch Heinrich Koppenberg, Direktor der Mitteldeutschen Stahlwerke AG und späterer Generaldirektor des verstaatlichten Junkers-Konzerns, öfter in Lauchhammer. In seinen Funktionen als Direktor und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Max-Hütte AG, nutzte er das repräsentative Gästehaus des Lauchhammerwerkes, wo er Besprechungen mit Leitungskräften durchführen konnte. Daher rührt auch die Bezeichnung „Koppenburg-Villa“.

Ab dem Jahr 1945 wurde das Haus als Krankenrevier und Sanitätsstelle des Lauchhammerwerkes genutzt. Da der einstige Betriebskindergarten des BFG Lauchhammer in der Gaststätte „Zum guten Mond“, heute das leerstehende Kulturhaus John Scher, aus allen Nähten platzte und nicht mehr den Anforderungen genügte, entschied man sich, das im Volksmund „Villa Koppenburg“ genannte Haus als Kindereinrichtung herzurichten. Im Juni 1949 wurde es der Chronik nach als Betriebskindergarten eröffnet. Den Namen „Villa Regenbogen“ trägt es seit seiner Einweihung.