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| 20:40 Uhr

RUNDSCHAU-Serie: Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Diese Turn-Trainerin bringt Kinder in Höchstform

 Wenn Ramona Gutsche von ihren Turnermädels erzählt, hallt unüberhörbarer Stolz mit. Wie erfolgreich die Zöglinge sind, zeigt ein Foto vom 12. Mai 2019 von der Siegerehrung zu den Meisterschaften des Turnbezirkes Lausitz in Forst.
Wenn Ramona Gutsche von ihren Turnermädels erzählt, hallt unüberhörbarer Stolz mit. Wie erfolgreich die Zöglinge sind, zeigt ein Foto vom 12. Mai 2019 von der Siegerehrung zu den Meisterschaften des Turnbezirkes Lausitz in Forst. FOTO: Uwe Hegewald
Lauchhammer . „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Ramona Gutsche (Lauchhammer). Von Uwe Hegewald

Geräteturnen, auch Kunstturnen genannt, ist eine olympische Sportart, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen. So leitet sich die Bezeichnung Turnen ursprünglich von dem Wort „Turnier“ ab, das schon im Mittelalter sportliche Auseinandersetzungen beschrieb. Ramona Gutsche ist diesem Sport vollends verfallen und das seit nunmehr einem halben Jahrhundert. Noch sehr genau erinnert sie sich an den Schlüsselmoment ihres Einstieges und an den Verursacher.

„Kurz nach der Einschulung kam Gerhard Kaubisch zu uns in die Schule, um nach Talenten zu suchen“, erzählt sie. Der Übungsleiter stemmte seinen Arm gegen eine Wand und forderte: „Na Kleene, komm mal her und mach mal ´nen Klimmzug.“ Brav erledigte Abc-Schützin Ramona dessen Wunsch, dem umgehend ein zweiter folgte: „Du kommst in die Turnhalle.“ Seit diesem Tag im Herbst 1969 hat sie Stufenbarren, Reck, Bodenmatte und Co. nie wieder aus den Augen verloren. Mit der Stadtlinie sei sie zum Training in die Internatssporthalle gefahren, ab 1973 in die neu errichtete Turnhalle am Waldstadion. „Ein Paradies für Turner – damals, wie heute. Es war eine Super-Idee, dieses Objekt zu bauen“, schwärmt die Lauchhammerin über ihr zweites Zuhause. Alle Turngeräte für weibliche und männliche Sportler seien in dieser Halle verfügbar, was auch den lokalen Run auf die Sportart erklärt.

„Unser Turn- und Gymnastikverein zählt immer um die 300 Mitglieder“, informiert Ramona Gutsche und steuert eine Anekdote bei. Als der Stadtkanal zu Besuch war, wunderte sich die Reporterin und wollte wissen: „Sind die alle wegen mir und den Dreharbeiten hierhergekommen?“ Keinesfalls, das sind alles Nachwuchssportler und Vereinsmitglieder, erwiderte die Übungsleiterriege. Der vom Kreissportbund (KSB) vorgegebene P3-Übungsleiterschein ermöglicht es der Turn-Enthusiastin Gutsche, interessierten Nachwuchs in die Faszination des Kunstturnens zu begleiten. „Ich vermittle Bewegungsabläufe, helfe beim Stabilisieren von Kraft, Grundspannung und Beweglichkeit“, umreißt sie ihren ehrenamtlichen Job.

 Wenn Ramona Gutsche von ihren Turnermädels erzählt, hallt unüberhörbarer Stolz mit. Wie erfolgreich die Zöglinge sind, zeigt ein Foto vom 12. Mai 2019 von der Siegerehrung zu den Meisterschaften des Turnbezirkes Lausitz in Forst.
Wenn Ramona Gutsche von ihren Turnermädels erzählt, hallt unüberhörbarer Stolz mit. Wie erfolgreich die Zöglinge sind, zeigt ein Foto vom 12. Mai 2019 von der Siegerehrung zu den Meisterschaften des Turnbezirkes Lausitz in Forst. FOTO: Verein

Zur Wendezeit habe sie damit begonnen, um ihre Übungsleiter-Kollegin Edith Schär zu entlasten und um erworbenes Wissen weiterzureichen. Zielgruppe sind Mädchen der 1. und 2. Klassen aus der Stadt Lauchhammer, den Ortsteilen und auch aus Nachbarkommunen wie Schwarzheide.

Die Nachbarstadt, mit der sie ein unvergessliches Erlebnis in ihrer Sportler-Biografie verknüpft. „Dass mir meine erste Wettkampfurkunde aus den Händen des renommierten Hans Fischer überreicht wurde, erfüllt mich noch heute mit Stolz. Er war Sportlehrer, Trainer und als aktiver Altersturner des TGV Lauchhammer 92 in der Region und darüber hinaus bekannt. Sein Engagement für die Nachwuchsarbeit sind mir in meiner Übungsleitertätigkeit ein Vorbild“, sagt sie. Ihr sportliches Idol sei die zweifache Olympiasiegerin (1972), Weltmeisterin (1970) sowie mehrfache Europameisterin und DDR-Meisterin Karin Janz gewesen. Ramona Gutsche schämt sich ihrer Freudentränen nicht, wenn sie in die strahlenden Augen ihrer Mädchen blickt, sobald diese einen vorderen Platz belegen. Stellvertretend nennt sie Susanne, die 2006 für eine Reckübung die Höchstpunktzahl 10 erhielt, und  das Mannschaftsquartett Jolina, Zoe, Caroline und Lena, die 2014 von den Turnfestspielen in Forst mit dem Meistertitel des Turnbezirks Lausitz nach Lauchhammer zurückkehrten. „Was die Mädels im Training und bei Wettkämpfen leisten, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das sieht für Außenstehende immer so einfach aus“, betont die Trainerin, um im selben Atemzug für einen frühen Einstieg in den Turnsport zu werben.

„Bevor sich falsche Bewegungsabläufe einschleichen und verhärten.“ Generell regt Ramona Gutsche frühestmögliche sportliche Betätigungen an, um gleichermaßen Körper und Geist zu stärken. In die Zuckertüte dürfe anstelle zu vieler Süßigkeiten auch gern ein Springseil gelegt werden, empfiehlt sie.

Bitterkeit stellt sich ein, wenn sie aufgrund der Vollbelegung keine weiteren Mädchen in ihren Turnlehrgang aufnehmen kann. In den zweimal wöchentlich 90 Trainingsminuten werde mit allen Kindern an allen Geräten geübt; Sonderbehandlungen vermieden. „Das gebietet die Fairness, die im Sport zurecht eine wichtige Rolle einnimmt“, begründet die Lauchhammerin. Schließlich solle diese ebenso gefördert werden, wie das Selbstbewusstsein, soziale Kompetenzen oder die Entschlossenheit und der Mut für Übungen an Turngeräten.