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| 12:16 Uhr

Bergbaufolgen in der Lausitz
Lauchhammer steht hilflos auf der Kippe

 Gesperrte Flächen, die auf Grund von Altbergbaufolgen als lebensgefährlich bewertet werden, durchziehen ganz Lauchhammer. Die Hälfte des Stadtgebietes ist betroffen.
Gesperrte Flächen, die auf Grund von Altbergbaufolgen als lebensgefährlich bewertet werden, durchziehen ganz Lauchhammer. Die Hälfte des Stadtgebietes ist betroffen. FOTO: ZB / Steffen Rasche
Lauchhammer. Frust und Hilflosigkeit sind zu spüren in Lauchhammer nach der Botschaft, dass weitere Häuser und ein Gewerbegebiet geräumt werden müssen. Die betroffenen Bürger und die Ratsrunde fühlen sich allein gelassen mit den existenziellen Problemen der Folgen des Altbergbaus. Von Kathleen Weser

Gebäude auf Kippenland, darunter bewohnte Häuser, sind lebensbedrohlich unsicher in Lauchhammer. Hunderte Keller vernässen. Der kommunale Straßenbau stockt, weil das Erdreich der Hälfte des Stadtgebietes durch den Abbau des braunen Goldes aus dem natürlichen Gleichgewicht in unsichere Lage gebracht worden ist. Länger als 150 Jahre. Die geschundene Natur rebelliert so stark wie nirgends sonst im Revier.

Auf den jüngsten Hilferuf der Stadt an die Landesregierung in Potsdam, versendet als offener Brief, gibt es noch keine Reaktion. Nach der zweiten Botschaft, ein rutschungsgefährdetes Wohnquartier und ein Gewerbegebiet mitten im Stadtgebiet räumen zu müssen, wird erwartet, dass politisch endlich ein Finanzpaket für Lauchhammer geschnürt wird - für Entschädigungsleistungen, die betroffene Hauseigentümer nicht mehr kalt enteignen und in ungewollte Mietverhältnisse drängen. Doch weder ein vages Echo noch eine Eingangsbestätigung des Schreibens gibt es bisher. Das bringt den Volkszorn in Lauchhammer zum Brodeln.

Der entlädt sich in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend. Auf den Experten der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Dabei sind die nicht verantwortlich. Denn die Folgen des Altbergbaus vor 1945 sind im Einigungsvertrag unberücksichtigt geblieben, es gibt keinen Rechtsnachfolger für die Areale, die mit dem Grundwasserwiederanstieg im alten Lausitzer Revier teilweise zu Todesfallen werden. Auch die um 1850 ausgekohlte Moritzgrube bei Friedrichshain (Spree-Neiße), in der vor vier Wochen ein Harvester-Fahrer aus Sachsen (53) ertrunken ist, ist ein tragisches Beispiel dafür. Das Arbeitsgerät war mit dem Maschinenführer durch eine Rutschung in die Tiefe gerissen und begraben worden. Die geologischen Verhältnisse und die frühen, sehr bescheidenen Sanierungstechnologien sind identisch mit denen in Lauchhammer. Sie bergen die gleichen Gefahren. Hier aber leben Menschen.

Und die sind verzweifelt und sauer. In Lauchhammer sind Bürger zur Ratsrunde gekommen, deren Grundstücke in unmittelbarer Nähe gesperrter Areale und der Külzstraße liegen – dort, wo die erste Familie ihr Haus sofort verlassen musste. Dazu gehören Siegfried und Birgit Heller, die am Windmühlenweg in Lauchhammer wohnen - ein Kippenausläufer des Wehlenteiches, ein Tagebaurestloch. Vor nunmehr genau fünf Jahren sind ihnen die Warnschilder „Betreten verboten – Lebensgefahr“ vor die Gartentür gesetzt worden. Bis heute gibt es keine klare Aussage zum Zustand des Gebietes und der Perspektive. „Wir haben Angst, dass wir die nächsten sind, die räumen müssen“, erklärt Birgit Heller eindringlich.

Die Bergbausaniererin kann die Forderung, deutlich zügiger Klarheit zu schaffen, nicht erfüllen. Denn es gibt nicht genügend Sachverständige, die diese Arbeiten schneller voranbringen könnten. Das sagt LMBV-Projektleiter Michael Matthes.