ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:48 Uhr

Lauchhammer
Rallye durch die Zeitgeschichte

Der ehemalige Maschinenbauer Karl-Heinz Hoyk zeigt seinem Enkel Luis (10), wo die Figur geteilt ist, damit das flüssige Metall gegossen werden kann. Etliche Kinder haben die Geheimnisse des Museums erforschen können.
Der ehemalige Maschinenbauer Karl-Heinz Hoyk zeigt seinem Enkel Luis (10), wo die Figur geteilt ist, damit das flüssige Metall gegossen werden kann. Etliche Kinder haben die Geheimnisse des Museums erforschen können. FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Lauchhammer. Seit 1725 der erste Hochofen an den Lauchteichen zwischen Bockwitz und Zschornegosda angeblasen wurde, ist viel Zeit vergangen. Mit dem Erhalt der langen Tradition beschäftigt sich das Kunstgussmuseum in Lauchhammer, das mit den Kunstgusstagen seinen 25. Geburtstag feierte. Von Peter Aswendt

Lange Autoschlangen drängten sich an dem Bürgersteig der Freifrau-von-Löwendal-Straße in Lauchhammer am vergangenen Wochenende. Ziel der neugierigen Besucher war das Kunstgussmuseum, das mit einer Einladung zu den Kunstgusstagen gleichzeitig seinen – gemessen an den Exponaten – sehr jungen Geburtstag feierte. „Wir spannen hier den Bogen zwischen Kunst, Handwerk und Technik“, beschreibt Kathrin Unger, Museumsleiterin, mit kurzen Worten diese fantastische Sammlung.

Fast 3000 Exponate können bestaunt werden. „Bei uns gibt es die größte antike Kopiensammlung zu bewundern“, sagt Marita Urban mit Stolz, die als Assistentin der Museumsleitung arbeitet und die Gäste am Wochenende durchs Haus führt. Dass die Sammlung bis in das 18. Jahrhundert zurückgeht, darunter auch Stücke aus der Sammlung von Detlev Graf von Einsiedel beinhaltet, macht die Mitarbeiterin besonders stolz.

Zu den Kunstgusstagen konnten die Besucher auch die neu geschaffene Sonderausstellung „Retrospektive-Perspektiv-25 Jahre“ bewundern. „Wir hatten unsere letzte Ausstellung 2016“, bedauert die Museumsleiterin. „Aber mit Zarina Gatina aus der Ukraine haben wir zu dieser Ausstellung eine Kuratorin gefunden“, sagt Kathrin Unger und freut sich.

Dass die Perspektive des Kunstgussmuseums auch im Tourismusnetzwerk des Lausitzer Seenlands liegt, daran lässt Gerhard Nies, Beiratsvorsitzender der Stiftung Kunstgussmuseums, keinen Zweifel: „Wir müssen uns noch mehr dem Tourismus öffnen, Parkplätze schaffen und auch barrierefreie Sanitäreinrichtungen anbieten“, stellt er klar. Eigens dazu wird im nächsten Jahr das historische Nebenhaus zu einer Touristinfo umgebaut: „Die Finanzierung steht, die Bauanträge sind genehmigt, jetzt laufen die Ausschreibungen“, so Nies. Neben einer Informationsstelle wird ein Café und die lang ersehnten Sanitäreinrichtungen für die Besucher entstehen.

Das es zu den Kunstgusstagen auch ein Angebot für die kleinen Museumsbesucher gab, verwundert nicht: „Wir wollen unser Museum der ganzen Familie nahe bringen und die kleinen Besucher sind die großen Fans von morgen“, sagt Museumspädagogin Antje Schneider. Eigens dazu hat sie sich eine Museumsrallye ausgedacht: „Wir haben für verschiedene Altersgruppen bestimmte Bilderrätsel entwickelt, die mit unseren Exponaten verknüpft sind und durch alle Räume führen.“ Neben dem Spaß für die Kinder, ein Museum mal anders zu erforschen, war natürlich ein Kennenlerneffekt aller Räume nicht rein zufällig. Schnell fanden sich um die 20 Kinder, die neugierig Umschläge öffneten, wie Detektive durchs Haus schlichen und den einen oder anderen Hinweis unter Skulpturen oder in alten eisernen Öfen fanden. Das Puzzle im Antikkopienraum hielt die kleine Gruppe etwas auf, aber auch das konnte mithilfe der Museumspädagogin Antje Schneider gelöst werden. Auch die zweite Gruppe, die sogar ihre mathematischen Fähigkeiten beim Öffnen eines Kästchens beweisen mussten, kamen ans ersehnte Ziel. Eine Belohnung gab es dann für alle, ein Geschicklichkeitsspiel und eine Menge Süßigkeiten warteten an der Kasse auf die kleinen Museumsrallye-Kinder. Am Sonntag gab es dann ab 13 Uhr ein abwechslungsreiches Gießen von Gipsfiguren, die den Originalen der Bronzegießerei nachempfunden waren.

Viele der mehr als 200 Besucher waren in der einen oder anderen Form mit der Industrie in Lauchhammer verbunden. So auch Karl-Heinz Hoyk der mit seinem Enkel Luis (10) zur Ausstellung gekommen war. „Ich habe im Schwermaschinenbau in Lauchhammer gearbeitet und kenne den Vorgang des Gießens sehr genau“, erzählt er und zeigt seinem Enkel die Trennstelle an einer Figur, wo das flüssige Metall hinein kommt. Jasmin und Ricardo Krüger aus Lauchhammer sind mit ihren beiden Kindern gekommen: „Wir wohnen gar nicht so weit weg, aber wir sind zum ersten Mal hier“, gestehen beiden, zeigen sich aber vom Angebotenen überwältigt.

Wie ihnen ging es vielen Besuchern, die nicht im geringsten erahnten, was sich hinter den Mauern der Fraufrau-von-Löwendal-Straße 3 in Lauchhammer für Schätze verbergen. Das Museum kann von Dienstag bis Sonntag jeweils in der Zeit von 13 bis 17 Uhr erforscht werden.