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| 14:29 Uhr

Medizin
Neuartiger Stent-Tunnel im Klinikum Niederlausitz implantiert

 Mit diesem Stent aus einem flexiblen, beschichteten Metalldrahtgeflecht kann eine Drainage zwischen inneren Organen gelegt werden.
Mit diesem Stent aus einem flexiblen, beschichteten Metalldrahtgeflecht kann eine Drainage zwischen inneren Organen gelegt werden. FOTO: Klinikum Niederlausitz
Lauchhammer. Das Klinikum Niederlausitz bietet ein neues Verfahren zur Behandlung des Magen-Darm-Trakts an.

Mit der neuen Methode kann schonend eine Verbindung zwischen inneren Organen geschaffen werden. Martin-Günther Sterner, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Klinikums Niederlausitz, hat mit diesem Verfahren bereits erste Therapieerfolge erzielt.

Die Bauchspeicheldrüse produziert lebenswichtige Verdauungsenzyme und Hormone. Eine akute Entzündung dieses Organs, wie sie jedes Jahr in Deutschland etwa 8000 Mal vorkommt, hat in etwa jedem dritten Fall als ernsthafte Komplikation die Bildung einer sogenannten Pseudozyste zur Folge. „Eine solche Zyste ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern kann unbehandelt bis zum Organversagen führen. Wir können nun durch den Einsatz eines neuen Verfahrens diese Erkrankung noch schonender hier vor Ort behandeln“, informiert Martin-Günter Sterner.

Der neuartige Stent ermöglicht die Ableitung der Flüssigkeit aus der Zyste in den Magen. Dafür führt der Arzt endoskopisch über ein elektrisches Sonden-Skalpell einen Katheter in die Zyste ein. Auf dem Katheter befindet sich der Stent aus einem flexiblen Metalldrahtgeflecht, das aufgrund seiner Beschichtung auch wieder entfernt werden kann. Dieses tunnelförmige Röhrchen wird als Verbindung zwischen Zyste und Magen eingebracht. So kann die Flüssigkeit aus der Zyste in den Magen ablaufen und abgestorbenes Bauchspeicheldrüsengewebe durch den Stent endoskopisch entfernt werden. Ein äußerer Schnitt ist nicht notwendig, denn das Endoskop wird über die Speiseröhre eingeführt. Die Zyste kann nun ausheilen, im Anschluss wird der Stent ohne großen Aufwand endoskopisch entfernt.

„Dank dieses Verfahrens ist bei den Patienten weder eine große Bauchoperation, noch eine Verlegung in ein weiter entferntes Krankenhaus notwendig. Die Technik lässt sich auch bei anderen Krankheitsbildern anwenden. Leidet ein Patient zum Beispiel an einem inoperablen Tumor am Magenausgang und damit an einem Magenverschluss, können wir mit diesem Verfahren eine Verbindung zwischen Magen und Dünndarm herstellen und so im Rahmen einer palliativen Versorgung die Lebensqualität deutlich verbessern. Auch eine Verbindung zwischen der Gallenblase und dem Dünndarm ist bei einer entsprechenden Tumorerkrankung möglich“, erklärt Martin-Günther Sterner.

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung hat oft Gallenwegserkrankungen zur Ursache. Diese Steine können den Flüssigkeitsabfluss aus der Bauchspeicheldrüse blockieren. Auch Alkoholmissbrauch und in seltenen Fällen Medikamente, Stoffwechselstörungen oder Virusinfektionen können eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorrufen.

In die Therapie fließt auch immer die Gesamtkonstitution des Patienten ein, wie Martin-Günther Sterner erklärt: „Jeder Patient bedarf einer individuell an seiner Persönlichkeit orientierten therapeutischen Zuwendung, damit für die Genesung auch möglichst viel eigene Kraft freigesetzt werden kann. Mit der Integrativen Medizin unterstützen wir unsere Patienten dabei“. Bei der Integrativen Medizin fließen diverse weitere medizinische Verfahren in die schulmedizinische Behandlung ein. „Dieses Konzept legen wir allen Therapieentscheidungen in unserer Klinik zugrunde – vor allem auch bei Krebspatienten“, informiert Martin-Günther Sterner.

(trt)