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| 02:40 Uhr

Lauchhammer ist die Hauptstadt der Restlöcher

Der Heidesee zwischen Lauchhammer und Finsterwalde wird von den Bergbausanierern als Restloch 131 bezeichnet.
Der Heidesee zwischen Lauchhammer und Finsterwalde wird von den Bergbausanierern als Restloch 131 bezeichnet. FOTO: T. Richter/trt
Lauchhammer/Schwarzheide. In keinem anderen Ort der Lausitz gibt es so viele Tagebau-Restlöcher wie in und um Lauchhammer. Im Dreieck der Städte Finsterwalde, Elsterwerda und Schwarzheide existieren knapp 40 dieser wassergefüllten Gruben. trt

Nummern und Namen bringen Ordnung in dieses scheinbare Chaos.

Ob je ein Tourist weiß, was sich hinter dem Restloch 117 verbirgt? Vielleicht eine kleine Ex-Tagebaugrube, die inzwischen mit aufsteigendem Grundwasser vollgelaufen ist? Mitnichten. Das Restloch 117 zählt zu den bekanntesten Gewässern im westlichen Lausitzer Seenland. Kein Wunder, handelt es sich doch um den Grünewalder Lauch, der bereits seit 1977 zum Bade einlädt. Auf bergmännischen Karten ist das rund 95 Hektar große Gewässer noch immer mit der Zahl 117 gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um den früheren Tagebau Plessa-Lauch, aus dem zwischen 1956 und 1966 ungefähr zehn Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert worden waren.

Die benachbarte Grünewalder Linse trägt allerdings weder die Nummer 116 noch 118, sondern die 78. Nach Angaben des früheren Sanierungsbereichsleiters Lausitz der Lausitzer Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), Walter Karge, reicht das Repertoire der Restlöcher im Raum Lauchhammer von den Nummern 31 bis eben 117. Der Grünewalder Lauch also als krönender Abschluss.

Während der Ferdinands- und der Südteich als Hinterlassenschaften der einstigen Gruben Ferdinand West- und Ostfeld sowie Emanuel auf Schwarzheider Gemarkung als Restlöcher 28 und 29 bezeichnet werden, besitzt der westlich dieses Gebietes befindliche Salzteich die Nummer 31. Die 32 hat der Naundorfer Teich inne, die Grube des Tagebaus Lauchhammer, der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ausgekohlt wurde. Die beiden Torfstichteiche in Lauchhammer-Süd, nicht weit entfernt vom einstigen Standort des Industriekraftwerkes (IKW), tragen die Nummer 33. Wehlen- und Wolschinkateich folgen mit der 35 beziehungsweise 36. Der bekannte Kuthteich im Herzen von Lauchhammer trägt die Bezeichnung Restloch 38.

In der Übersicht der wassergefüllten Tagebaue befinden sich auch einige "Exoten", die wohl nur die Einheimischen kennen. Denn wer weiß schon, wo sich der Sandteich (Nummer 83) oder der sogenannte Schneidersche Einschnitt (Nummer 102) befinden? Die Lösung: Der Sandteich liegt in Lauchhammer-West und diente einst der Lehm- und Tongewinnung. Der Schneidersche Einschnitt im Stadtteil Mitte hingegen geht auf den Alttagebau Marie-Anne zurück.

Auch in anderen Gebieten der Lausitz werden die Restlöcher mittels Zahlen gekennzeichnet. Das Restloch 1 erstreckt sich übrigens ganz im Norden des Lausitzer Reviers. Es handelt sich um den Redlitzer See unweit von Lübbenau. Und gleich nebenan erstreckt sich das Restloch 1a, der Kittlitzer Badesee. Im westlich angrenzenden Tagebaugebiet Schlabendorf-Nord werden die neuen Gewässer hingegen mit Buchstaben ausgestattet. Restloch A entspricht demzufolge dem Hindenberger See, Restloch B dem Stöbritzer See und Restloch C dem Stoßdorfer See.

Die höchsten Zahlen weist das Abbaugebiet Tröbitz/Domsdorf im Elbe-Elster-Kreis auf. Das Repertoire reicht zwischen Doberlug-Kirchhain bis kurz vor Herzberg vom Restloch 120, dem Fabrikteich Wildgrube, bis zum Restloch 127, dem Tröbitzer Südfeld, das aus der Grube Pauline hervorgegangen ist.

Im Herzen des Lausitzer Seenlandes ersetzen die Bezeichnungen der früheren Tagebaue die Nummerierung. Unter Bergleuten und Sanierern heißt bis heute der Senftenberger See Restloch Niemtsch. Oder der Geierswalder See Restloch Koschen.

Wer den künstlichen Gewässern einst die Nummern und Namen gegeben hat, lässt sich wohl nicht mehr hundertprozentig ermitteln. Nur so viel: Die Bezeichnung "Grünewalder Lauch" klingt nun wirklich viel einladender als "Restloch 117".