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| 02:44 Uhr

Lauchhammer gießt Kunst von Stasi-Spion Horst Meier

Geschäftsführer Maxim Engelmann zeigt die gefragte Kunst des Stasi-Spions Horst Meier. Liebhaber wünschen inzwischen nicht nur Nachgüsse im Originalformat, sondern auch Vergrößerungen.
Geschäftsführer Maxim Engelmann zeigt die gefragte Kunst des Stasi-Spions Horst Meier. Liebhaber wünschen inzwischen nicht nur Nachgüsse im Originalformat, sondern auch Vergrößerungen. FOTO: Feller
Lauchhammer. In der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer blicken die Verantwortlichen zuversichtlich auf dieses Jahr. Es lägen gute Aufträge vor – von einem Spion. Die Akquise werde verstärkt. Dagegen soll 2016 schnell abgehakt werden. Manfred Feller

Es ist eine Geschichte für sich: Ein Auslandsagent der Staatssicherheit der DDR tarnt sich im Nato-Hauptquartier in Brüssel als Künstler Erwin Miserre. 1976 holt ihn die Stasi zurück. Horst Meier, wie er tatsächlich heißt, lebt fortan in dem Gebiet vom heutigen Brandenburg und widmet sich noch intensiver der Kunst. Erst in der Neuzeit wird er zum Geheimtipp. 2016 stirbt er 91-jährig. Seine Arbeiten, sehr komplizierte, meist mehrteilige Plastiken (großes Foto), fast schon Puzzleteile, gewinnen immer mehr an Wert.

Die Rechte hat nach Auskunft von Maxim Engelmann, Geschäftsführer der 3 A Kunstguss Lauchhammer GmbH, ein Galerist aus Leipzig erworben. Für ihn gießen die Lausitzer Fachleute die begehrten Kunstwerke in Kleinserien. Eine Ausstellung mit den auch in Lauchhammer gefertigten Arbeiten von Horst Meier zieht von Leipzig über Berlin nach Frankfurt/Main und Moskau und später eventuell nach New York.

Schon jetzt spürt die Gießerei den wachsenden Hunger nach dieser Kunst. Die Plastiken werden inzwischen sogar in Silber gefertigt, verkleinert und vergrößert. Auch ein Buch, illustriert mit Fotos aus der Manufaktur in Lauchhammer, sei mittlerweile erschienen. "Vom Auftragswert und vom Renommee sind das für uns gute Aufträge geworden", zeigt sich Maxim Engelmann zufrieden.

Ein massemäßig deutlich größerer Auftrag wird bis weit in dieses Jahr hinein für ein 5-Sterne-Hotel in München erfüllt. Es werden vier bis sieben Meter lange Fassadenelemente und Sockelteile aus Grauguss gefertigt. Der künstlerische Anspruch ist zwar gleich null, aber die technische Herausforderung hinsichtlich des Farbtones und der geringen Wandstärke groß.

Maxim Engelmann verrät, dass die Gießerei aufgrund der Kompliziertheit und der Menge Fertigungspartner in Deutschland und Europa gesucht, aber nicht gefunden hat. Jetzt macht sie alles selbst.

Auf dem schwierigen Markt des Glockengusses gebe es einen Mitbewerber weniger. Eine Gießerei in Rheinland-Pfalz habe aufgegeben. Die Lauchhammeraner sind mit dem Vorjahr halbwegs zufrieden. Der Glockenguss machte fast 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Im laufenden Lutherjahr wird mit einem kleinen Hoch gerechnet. Mehrere Aufträge lägen bereits vor. Ein Auftrag für eine 160 Kilogramm schwere Glocke kam sogar aus Indonesien.

Auftragsoffensive

Die Sparte Kunstguss soll deutlich ausgebaut werden. "Wir suchen Kontakt zu mehr Künstlern, wollen zusätzliche Kunstmessen besuchen und die Akquise insgesamt verstärken", kündigt der Geschäftsführer an. Die inzwischen nur noch 16 Mitarbeiter des Traditionsbetriebes wollen beschäftigt und bezahlt werden. Dennoch werde ein Sandformer gesucht.

Ausgebaut werden soll auch der Eisenguss. "Unser bisheriger Ofen hat nur maximal 100 Kilogramm Schmelze gebracht. Mit dem neuen Ofen sind bis zu zwei Tonnen möglich. Damit können wir deutlich größere Objekte und auch höhere Stückzahlen gießen. Wir müssen uns breiter aufstellen", schaut Maxim Engelmann, seit Januar 2014 Gießereichef, nach vorn. Rückblickend sei das Geschäftsjahr 2016 "nicht besonders gut" gelaufen. "Das ging unseren Mitbewerbern nicht anders", sagt er.

Klamme Kassen sind spürbar

Zwar seien die Rohstoffpreise gesunken, aber die Privatkunden würden weniger Geld für Kunst ausgeben. Auch die Kommunen hätten seltener angefragt und bestellt. "Von denen kam fast nichts", heißt es. Der Kunstgussbereich soll etwa 50 Prozent des Umsatzes im Jahr liefern. Dieses Ziel sei nicht erreicht worden.

Zufrieden war die Gießerei hingegen mit der Restauration. Es wurden einige Aufträge erfüllt. Zum Beispiel drei Plastiken für die Stadt Schwarzheide, der "Gießer" für Lauchhammer und eine Arbeit für die Spreewaldstadt Lübben. Für Schloss Wolkenburg bei Limbach-Oberfrohna in Sachsen wurden Plastiken nachgegossen und restauriert.