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| 10:59 Uhr

Großbaustelle bei Lauchhammer
Sanierer rütteln Juwel bei Grünhaus sicher

 Blick auf den Rütteldruckverdichter in unmittelbarer Nähe der L 60 nahe Kleinleipisch.
Blick auf den Rütteldruckverdichter in unmittelbarer Nähe der L 60 nahe Kleinleipisch. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Lauchhammer/Finsterwalde. Nördlich von Lauchhammer entsteht ein neues Feuchtgebiet von Menschenhand. Der dort in Bau befindliche Ableiter wird künftig von einer großen Brücke überquert. Von Torsten Richter-Zippack

Wer derzeit von Lauchhammer-Ost nach Finsterwalde fährt, muss eine mehrere Hundert Meter lange Umfahrung in Kauf nehmen. Denn am Abzweig nach Kleinleipisch ist die Landesstraße 60 unterbrochen. Kein Wunder, ragt dort ein imposanter, rund 40 Meter hoher Kran in den Himmel. An der Stahlkonstruktion befindet sich eine lange Lanze, die sich immer wieder bis 30 Meter tief in den Boden hineinbohrt. Anschließend wird sie einen halben Meter angehoben, verharrt für 30 Sekunden, sodass ein Hohlraum entsteht. In diesen wird Kies eingefüllt. „Pro Rüttelloch bis zu 15 Kubikmeter“, sagt Frank Sauer, Projektmanager bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Mit dieser Maßnahme wird die geotechnische Sicherheit hergestellt. Grundbrüche sollen anschließend der Vergangenheit angehören, sagt Experte Sauer.

Ein paar 100 Meter weiter wird ebenfalls verdichtet. Der dortige Kran, in unmittelbarer Nähe der vernässten Mastkippe, sorgt mittels eines zehn Tonnen schweren Metallkörpers für Sicherheit. Dieser knallt aus 20 Metern Höhe immer wieder auf den Boden. Als Fallgewichtsverdichtung bezeichnen Fachleute dieses Verfahren. „Damit werden auch die oberen Bodenschichten stabilisiert, die durch die Rütteldruckverdichtung nur tangiert werden“, erklärt Frank Sauer.

 Impression vom zukünftigen, rund 30 Meter breiten Ableiter von der Schwarzen Keute in Richtung der kleinen Restlochkette beziehungsweise der Schwarzen Elster. Den Kanal soll in zwei Jahren eine große Brücke überqueren.
Impression vom zukünftigen, rund 30 Meter breiten Ableiter von der Schwarzen Keute in Richtung der kleinen Restlochkette beziehungsweise der Schwarzen Elster. Den Kanal soll in zwei Jahren eine große Brücke überqueren. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Die Rüttler arbeiten in einem künftigen Kanal. Dieser mehrere Kilometer lange Wasserweg, der nicht schiffbar sein wird, soll perspektivisch die sogenannte Schwarze Keute, eines von zwei künstlichen Feuchtgebieten in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Lauchhammer und Finsterwalde, entwässern. Dort sammelt sich das Wasser aus den umgebenden Kippen. Als zweite Quelle fungiert der Bergheider See, der über ein ausgeklügeltes Seen- und Kanalsystem mit der Schwarzen Elster bei Plessa verbunden wird. In dieses Netz wird der jetzt im Bau befindliche Überleiter nördlich von Lauchhammer einmünden. Die Schwarze Keute selbst, benannt nach einem vorbergbaulichen Moor bei Kostebrau, hat die komplizierte Verdichtung bereits hinter sich. Inzwischen gilt das Areal, das sich aus zwei Teilen zusammensetzt, als eines der Juwele im Naturparadies Grünhaus. Das Flachgewässer mit einer künftig maximalen Tiefe von nur fünf Metern wird von verschiedensten Wasservögeln angenommen. An manchen Tagen, so berichten Ornithologen, fliegen Tausende von Wildgänsen die Wasserflächen an. Auch Kraniche fühlen sich dort wohl.

 LMBV-Mann Frank Sauer präsentiert die Schwarze Keute, die als Juwel des Naturschutzes gilt. Weitere landschaftsgestalterische Arbeiten wird es dort nicht geben.
LMBV-Mann Frank Sauer präsentiert die Schwarze Keute, die als Juwel des Naturschutzes gilt. Weitere landschaftsgestalterische Arbeiten wird es dort nicht geben. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Insgesamt werden im Zuge des 30 Meter breiten Ableitertrasse rund 850 000 Kubikmeter Boden verdichtet. Besondere Aufmerksamkeit schenken die Sanierer indes derjenigen Stelle, an der die Landstraße Lauchhammer – Finsterwalde das neue Gewässer schneidet. Denn dort soll eine große Brücke entstehen, kündigt Frank Sauer an. Im kommenden Jahr werde dieser Bereich mittels des Rüttelstopfverfahrens verdichtet. Die eigentliche Überführung soll dann bis August 2021 errichtet werden. Das Besondere: „Wir bauen einen Wildtunnel ein“, kündigt Frank Sauer an. Schließlich ist die L 60 die einzige Trasse, die diese riesige Bergbaufolgelandschaft durchquert. Ansonsten sei das Areal von Verkehrswegen unzerschnitten und werde auch nicht von Siedlungen tangiert. Wie viel das Großbauwerk kosten wird, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Schließlich sei die Maßnahme bislang nicht ausgeschrieben.

Übrigens: Bereits Ende Februar soll der Kreuzungsbereich L 60/Straße nach Kleinleipisch wieder passierbar sein. Derzeit ist der Knotenpunkt aufgrund der Nähe des Rüttlers gesperrt und wird mit Erdmassen abgeriegelt. Der Grund: Einige Zeitgenossen scheren sich nicht um die dortigen Verbotsschilder.

 Bei der Fallgewichtsverdichtung wird immer wieder ein tonnenschwerer Metallkörper von oben auf den Erdboden befördert.
Bei der Fallgewichtsverdichtung wird immer wieder ein tonnenschwerer Metallkörper von oben auf den Erdboden befördert. FOTO: Torsten Richter-Zippack