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| 21:24 Uhr

Historisches Lauchhammer
Premiere für das Stadtmodell

 Fred Hocker (2.v.r.) zusammen mit seinen jugendlichen Mitstreitern Jakob Schröter, Johannes Grille und Marius Albrecht bei letzten Absprachen am Stadtmodell von Lauchhammer. Zum Stadtfest wird es erstmals öffentlich präsentiert.
Fred Hocker (2.v.r.) zusammen mit seinen jugendlichen Mitstreitern Jakob Schröter, Johannes Grille und Marius Albrecht bei letzten Absprachen am Stadtmodell von Lauchhammer. Zum Stadtfest wird es erstmals öffentlich präsentiert. FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. Tüftler Fred Hocker lässt ein Stück Zeitgeschichte von Lauchhammer wieder lebendig werden. Von Mirko Sattler

Wer heute durch Lauchhammer fährt, kann nur noch erahnen, wie es einmal in der Industriestadt ausgesehen haben muss. Viele brach liegende Flächen zeugen davon, dass die Stadt in der Hochzeit Ende der 1980er-Jahre mit ihren knapp 25 000 Einwohnern und der Kohleindustrie ein ganz anderes Gesicht hatte.

Fred Hocker (58) und sein „Jugend forscht“-Team sind derzeit dabei, die Industriestadt von damals wieder aufleben zu lassen. Bereits Ende 2016 entstand im Jufozentrum die Idee, ein Modell der Stadt Lauchhammer zu bauen. Die Motivation bestand darin, die Zeit der Industria­lisierung wieder ein klein wenig erlebbar zu machen.

„Diese Zeitgeschichte war ein prägender Bestandteil unserer Stadt und ihrer Menschen. Damit dies nicht in Vergessenheit gerät, soll mit diesem Modell ein Teil der Geschichte dargestellt werden“, so Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos).

 Die Kokerei mit den beiden Ofenstraßen. Im Hintergrund in Rot die Wohnstädte 1 und 3.
Die Kokerei mit den beiden Ofenstraßen. Im Hintergrund in Rot die Wohnstädte 1 und 3. FOTO: Mirko Sattler

„Viele Einwohner von Lauchhammer gaben wertvolle Hinweise über die Beschaffenheit der Industrie und der Bebauung, trotzdem wird dieses Modell wohl nie die gesamte Situation darstellen können“, ist das Fazit von Fred Hocker, dem Leiter des Jugend-forscht-Zentrums Lauchhammer.

Das Modell ist im Maßstab 1 : 2500 gefertigt und hat eine Größe von 2,8 mal 2,1 Metern. Dabei war der Anfang ziemlich schwer und von einigen Niederlagen gespickt. So gehörte es zur Anfangsidee, die Häuser irgendwie zu beleuchten. Doch das war am Ende zu kleinteilig. Die unterschiedlich farbigen Folien für die Häuser wirkten nicht. Schließlich fand man fluoreszierendes Plexiglas - die Rettung für die Stadtmodell-Idee.

Die Häuser auf der Platte sind zwar nicht maßstabsgerecht, dennoch zeigt es die heutige Kunstgussstadt, wie sie einmal ausgesehen hat und zwar in 3D. Während die Wohnhäuser in Rot dargestellt sind, stechen die Industrieanlagen in Gelb hervor. Schön zu sehen ist, wie die Kohlebandanlagen sich durch das Stadtgebiet schlängeln.

Wo sich heute die innerstädtische Ortsumfahrung lang schlängelt, verlief damals die Bandanlage. Wo früher Brikettfabriken standen, wird heute grüner Strom erzeugt. Vor allem die jüngere Generation kann sich dies nicht mehr vorstellen. „Es ist schon interessant zu sehen, wie Lauchhammer einmal ausgesehen hat“, sagt Jakob Schröter. Der 18-Jährige ist einer der Jugendlichen, die am Modell mitgearbeitet haben.

„Alles ist schwer vorstellbar. Wo einmal Industrie war, sind heute grüne Wiesen. Es war schwierig, alle Gebäude so passgenau herzustellen. Ich bin aber froh, dass wir nun dem Ende entgegen sehen“, fügt Johannes Grille an.

Durch die digitalisierte Karte von einst sind die Probleme von heute gut sichtbar. „Mit dem Modell können wir die Braunkohleindustrie mit ihren vielen Gruben darstellen. So zeigt sich, dass die nun abgesiedelte Grubenteichsiedlung und das Industriegebiet in Lauchhammer-Ost auf Bergbauflächen standen bzw. stehen“, sagt Fred Hocker. Nicht nur die Industrie in Lauchhammer ist den grünen Wiesen gewichen. Viele auf dem Modell noch sichtbare Wohneinheiten in den Wohnstätten gibt es heute so nicht mehr.

Bis ins Detail versuchen Fred Hocker und sein Team „Lauchhammer 1989“ entstehen zu lassen. Alte Aufnahmen, die der Traditionsverein Braunkohle den Bastlern zur Verfügung stellte, dienen als Vorlagen. „Die vielen Schornsteine und die Biotürme sind beispielsweise aus Karbonrohr gefertigt. Teilweise sogar mit Leuchtfeuer. Die Schornsteine der Ofeneinheiten sind aus kleinen Stahlstiften“, erzählt Fred Hocker, der mit seiner Mannschaft zwischen 5 und 30 Stunden am Modell gearbeitet hat.

Öffentlich zu sehen ist das Modell erstmals während des Stadtfestes vom 5. bis 7. Juli im Vereinszelt. Dann fehlen auch nicht die Entschwefelungsanlage und die auf dem Gelände der Kokerei verteilten Beleuchtungstürme, die derzeit noch im Entstehen sind.