Die Premiere des Stadtempfanges in Lauchhammer hat Schluss gemacht mit Lobpreisungen und gelegentlich auch überzogenen euphorischen Selbstdarstellungen, die zuvor im Reigen zahlreicher Neujahrsempfänge im Zwei-Tage-Rhythmus verlautbart worden waren. Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) hat eine kritische Selbsteinschätzung zur Lage der Stadt getroffen, die Rückschläge auch als Chance begreift. Der berechtigte Stolz auf das Erreichte und der selbstbewusste Umgang mit noch immer und weiter schwierigen Problemen halten sich die Waage. Sichtlich gelöst hat Roland Pohlenz die Situation der Stadt Lauchhammer mit Höhen und Tiefen beleuchtet - und sich neuen Hürden kämpferisch entgegen gestellt. Die klaren Worte sind in der Bürgerschaft angekommen - und zustimmend aufgenommen worden. Ein Schulterschluss ist - besonders auch in der Gewissheit, dass es nicht leichter wird für die Stadt - zu spüren.

Die Absiedlung der Grubenteichsiedlung als Wohngebiet ist voll im Gange. Von Versprechen vermeintlicher Helfer in der Not sei nichts eingetreten, so der Bürgermeister. Die Bewohner haben eine Lösung akzeptiert, "die nicht glücklich macht, aber unter Abwägung aller, auch Lebensumstände der Betroffenen realisiert werden kann", sagt Pohlenz. Die Stadt habe getan, was sie "realistischer Weise leisten konnte".

Die Sorge um die Beseitigung der Bergbaufolgen und die Abwehr von Gefahren des Grundwasserwiederanstieges im Stadtgebiet Lauchhammers ist groß. Aber nur die besondere Betroffenheit der Stadt immer wieder allseits zu betonen, nutze den Menschen wenig - sagt Pohlenz an die Adresse der Bergbausaniererin, Bund und Land gerichtet in aller Deutlichkeit. "Es geht in dieser Frage nicht um herrliche Seenketten, Häfen und weiße Städte. Es geht um die Grundsicherung der Menschen in dieser Stadt. Das Aufstellen von Betreten-verboten-Schildern hat nichts mit Lebensqualität und Wirtschaftsförderung zu tun. Das ist nur abschreckend", so der Bürgermeister.

Die Stadtentwicklung ist stark abhängig von der Sanierung der Bergbaufolgen. Seit den frühen 90er-Jahren wird geplant. Aber erst jetzt beginnt langsam die Umsetzung durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) im Stadtgebiet. Nunmehr steht zu befürchten, dass das Finanzbudget nach dem Jahr 2017 deutlich kleiner wird. "Umso wichtiger ist, dass nunmehr zielstrebig aktuell anstehende Vorhaben" - wie die Ortrander Straße und der Kuthteich - "umgesetzt werden". Das Stadtoberhaupt hat eingefordert, dass die Bergbausaniererin an der L 60 nach Kostebrau endlich sichtbar durchstartet. Und Lauchhammer wehrt sich gegen die plötzliche Forderung, dass sich die Kommune finanziell an den Kosten des Wiederherstellens der Ortrander Straße beteiligen soll. Auch der Bau des Drainagesystems für die Schlosssiedlung, mit dem mehr als 100 Häuser gegen dauerhafte Vernässungen geschützt werden sollen, steht wieder auf dem Prüfstand. Der Bürgermeister redet Tacheles: Was anderswo scheinbar reibungslos laufe, werde in Lauchhammer zum Problemfall. Die Bürger hier seien aber nicht weniger wert als die Mitmenschen, die an Seen mit neuen Häfen lebten. Pohlenz ruft ins Gedächtnis: In Lauchhammer ist bisher nur der Hundesportplatz von Kippenland auf festen Grund umgesiedelt worden. Das überzeugt noch nicht davon, dass die gravierenden Probleme allgemein auf dem Weg zu Lösungen sind. Allein in Lauchhammer liegen 810 Häuser und Gewerbeflächen auf Altkippen des Bergbaus. 16 Schwerpunktgebiete sind noch nachhaltig zu bearbeiten. "Nach derzeitigem Informationsstand will der Bund im neuen, sechsten Verwaltungsabkommen 2018 bis 2022 keine finanziellen Mittel mehr für Leistungen zur Gefahrenabwehr durch den Grundwasserwiederanstieg bereitstellen. Ich bin gespannt, wie die Wähler auf diese Botschaft, so sie Realität werden sollte, zur Bundestagswahl 2017 reagieren werden", erklärt Pohlenz. Die betroffene Kommune Lauchhammer warne bereits eindringlich.

"Alles Schlechte hat auch immer etwas Gutes zur Folge. Dies muss nur erkannt und beherzigt werden", sagt Roland Pohlenz aber auch. So habe das Problem am Grubenteich eine intensive Diskussion mit dem Land zur Neuausrichtung des Stadtumbaus in die Wege geleitet. Und mit der 11,5 Millionen Euro schweren Gewerbesteuer-Rückforderung des Windflügelherstellers Vestas sei der städtische Haushalt umfangreich geprüft worden. "Im Ergebnis haben wir eine solide Haushaltsführung bescheinigt und deshalb auch nur einen Teil der Summe durch das Land erstattet bekommen", erklärt er weiter. Im Stadtumbau liegt der Schwerpunkt deutlich im Bereich der Kernstadt mit den Neustadt-Wohnquartieren in Mitte. "Alle Wohnungsunternehmen müssen erkennen, dass das Festhalten an alten Besitzständen und Strukturen nicht zukunftsfähig ist", sagt der Bürgermeister vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung, finanziellen Zwängen und dem Blick auf sinnvolle Förderungen.

Engagierte Bürger machen Lauchhammer lebenswerter. Der Stadtempfang hat den feierlichen Rahmen dafür geboten, Karin Mehner aus Lauchhammer und Günter Erler aus Grünewalde mit der Ehrenurkunde der Stadt auszuzeichnen. Karin Mehner schlichtet seit nunmehr 37 Jahren als Schiedsperson Streit unter Nachbarn und hilft Konflikte zu lösen. Günter Erler macht seit dem Gründungstag bis heute den Heimatverein Grünewalde mit erfolgreich. Als Chronist vermittelt er Heimatgeschichte und ein starkes Heimatgefühl - auf das Lauchhammer weiter stark setzt.