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| 15:15 Uhr

Künftiges Industriegebiet
Laubenpieper müssen nicht um ihre Gärten in Schwarzheide zittern

 Der Flugplatz Schwarzheide/Schipkau könnte perspektivisch ein Industriegebiet werden.
Der Flugplatz Schwarzheide/Schipkau könnte perspektivisch ein Industriegebiet werden. FOTO: Archiv Rasche
Schwarzheide . Nördlich von Schwarzheide soll ein Wald als Industriefläche ausgewiesen werden. Angrenzende Garten- und Garagenbesitzer haben Angst um ihr Hab und Gut. Bürgermeister Schmidt entwarnt und macht den Laubenpiepern ein Angebot. Von Torsten Richter-Zippack

In Schwarzheide geht die Angst um. Zahlreiche Kleingärtner fürchten das Ende ihrer grünen Paradiese. Konkret geht es um die Gartensparten „Sonnenrose“ und „Pommelheide“ nördlich der Bahntrasse von Ruhland nach Lauchhammer. Darüber hinaus sehen auch die Nutzer des dortigen Garagenkomplexes schwarz. Mehrere betroffene Bürger haben in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ihren Unmut über die Pläne der Stadt geäußert. Demnach sollen bereits vier Laubenpieper der „Sonnenrose“ ihre Pachtverträge gekündigt haben.

Was ist passiert? Das Schwarzheider Rathaus will im Norden der Stadt ein neues Industriegebiet ausweisen. Es handelt sich um eine rund 30 Hektar große Fläche, die den Flugplatz Schwarzheide/Schipkau betrifft. Für die Umnutzung eines unmittelbar angrenzenden, ungleich größeren Areals hatten die Schipkauer Abgeordneten bereits Mitte April ihren Segen erteilt. Die Grenze zwischen beiden Kommunen verläuft genau über den Flugplatz.

Anfragen von Investoren

Nach Angaben des Schwarzheider Bürgermeisters Christoph Schmidt (parteilos) gibt es immer häufiger Anfragen von Investoren zur Neuansiedlung auf Großindustrieflächen. Diesem Ansinnen wollen sowohl Schwarzheide als auch Schipkau Rechnung tragen, um damit den Wirtschaftsstandort zu stärken. Die vorhandenen Gewerbegebiete seien weitgehend ausgelastet. Die Entscheidung zur Umnutzung des Flugplatzes resultiere aus dessen Lage direkt an der Autobahn sowie neben der BASF Schwarzheide GmbH. Nicht zuletzt finde sich das Areal bereits als „gewerblich-industrielle Großansiedlung“ im Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg wieder. „Wir sehen diese Fläche für die Etablierung nachhaltiger Arbeitsplätze vor“, bringt Christoph Schmidt das Anliegen auf den Punkt.

Nun sind die beiden Schwarzheider Gartensparten und der Garagenkomplex noch ein ganzes Stück vom Flugplatz entfernt. Allerdings könnte das geplante Industriegebiet durch einen Schienenstrang von der Ruhland-Lauchhammeraner Bahn erschlossen werden. Ob und wann es dazu kommen könnte, sei derzeit noch völlig ungewiss. Ein entsprechendes Verfahren würde allein schon mindestens sechs Jahre in Anspruch nehmen.

Neue Pachtverträge für Kleingärtner

Schmidt stellt klar, dass sowohl die Gartensparten als auch die Garagen außerhalb der eventuellen Bahntrasse liegen. Er bietet den Kleingärtnern deshalb neue Pachtverträge über 30 Jahre an.

Stadtverordneter Michael Grotz (AFS) kann indes die Sorgen der Betroffenen nachvollziehen: „Ich verstehe die Ängste. Aber wir müssen erst einmal feststellen, ob dieses Industriegebiet überhaupt machbar ist. Und letztendlich können die Leute im möglichen Planverfahren ihre Bedenken äußern.“

Den Abgeordneten Werner Rex (Linke) stört vor allem die Waldumwandlung. „Damit ginge die grüne Lunge unserer Stadt verloren“, befürchtet er.

Von der derzeit im Gespräch befindlichen 30-Hektar-Fläche sind laut der Stadt Schwarzheide lediglich das Betriebsgelände des Flugplatzes sowie die ehemalige Schießanlage der Kampftruppen des Synthesewerkes betroffen. Davon sei nur ein Bruchteil Wald.