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Landrat verteidigt B 169-Berufung

Teilweise zieht sich der Lasterverkehr wie eine Perlenschnur durch Allmosen. Das macht nicht nur eine Menge Krach, sondern stinkt auch.
Teilweise zieht sich der Lasterverkehr wie eine Perlenschnur durch Allmosen. Das macht nicht nur eine Menge Krach, sondern stinkt auch. FOTO: Jan Augustin
Allmosen/Senftenberg. Dass der Verwaltungsschef im Oberspreewald-Lausitz-Kreis Rechtsmittel gegen das Allmosener Lärmschutzurteil eingelegt hat, wurde heftig kritisiert. Dabei gibt es durchaus auch Argumente, die gegen ein Lkw-Fahrverbot sprechen. Jan Augustin

Enttäuscht und verbittert hatten sich zuletzt mehrere Kreistagsabgeordnete von SPD, Linken und Grünen geäußert. Ihr Tenor: Der von Landrat Siegurd Heinze (parteilos) gemachte Schritt, Berufung gegen das Lärmschutzurteil für Allmosen einzulegen, sei falsch. Das Urteil sei anzuerkennen, die Berufung müsse zurückgezogen und der Transitverkehr - so wie das Cottbuser Verwaltungsgericht geurteilt hat - über die Autobahnen 13 und 15 umgeleitet werden. Doch gibt es genau in diesem Punkt auch Argumente, die gegen ein Lkw-Fahrverbot sprechen. Darauf weist Siegurd Heinze hin. So befürchtet er nicht nur einen hohen Aufwand für eine entsprechende Beschilderung und damit verbunden ein Durchsetzen der Umleitung mithilfe der Polizei. Darüber hinaus macht Heinze auch darauf aufmerksam, dass gegebenenfalls nicht nur Lkw-Verkehr, sondern sogar der Pkw-Verkehr umgelenkt werden müssten und sich diese Verkehrsströme nicht zwingend auf die Umfahrung lenken lassen. "Lkw- und Pkw-Fahrer würden versuchen, eine Abkürzung über die Landesstraße 55 von Vetschau über Calau nach Bronkow zu suchen beziehungsweise zu finden", sagt Heinze.

Doch zeigt die arg in Anspruch genommene Straße bereits jetzt Auflösungserscheinungen zwischen Calau und Settinchen. Nach Aussagen des Landesbetriebs Straßenwesen stehen hier weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen und sogar Tonnagebegrenzungen unmittelbar bevor, so Heinze. "Eine weitere erhebliche Zunahme des Verkehrs lässt diese noch zeitnaher entstehen. Dies würde dann zu einem weiteren Umleitungsverkehr über andere Wegstrecken führen", erläutert der Landrat. So werde Umleitungsverkehr auch auf dem Weg von Vetschau über Missen, Ogrosen, Altdöbern nach Großräschen zu erwarten sein und sich somit eine Mehrbelastung für die Anlieger dieser Ortslagen ergeben.

Aber auch wegen der grundsätzlichen Bedeutung für andere Bundes-, Landes- und auch Kreisstraßen sei es grundsätzlich notwendig, eine Klarheit bei der juristischen Bewertung der Nutzung von übergeordneten Straßen zu erlangen - zugleich aber auch vor Ort eine möglichst optimierte verkehrslenkungsgerechte Lösung zu gewährleisten. "Dass dies mit dem jetzigen Status quo nicht erreicht werden kann, ist allen Beteiligten klar. Aus einer Bundesstraße ad hoc eine Anliegerstraße zu bescheiden, wird bei den Verkehrsströmen nicht ohne Auswirkung bleiben", sagt Heinze. Zu erwarten, dass der Umleitungsverkehr ausschließlich auf die Bundesautobahnen gelenkt werden kann, sei bei der Verkehrssituation im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wenig realistisch.

Weiterhin betont Heinze, dass die Planungen für die Ortsumfahrungen an der B 169 durch eine Entscheidung von Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) freigegeben worden sind, Planverfahren also anlaufen können. Dass das noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird und eine Realisierung zeitlich noch nicht konkret gefasst werden kann, sei auch klar zum Ausdruck gebracht worden. Auch für Siegurd Heinze sind Ortsumfahrungen an der B 169 die beste Lösung für die erheblich beeinträchtigten Bewohner entlang der Bundesstraße. Mehr als 1000 Laster und 10 000 Autos nutzen die Straße zwischen Cottbus und Allmosen - pro Tag.

Zum Thema:
Der Streit um die Sperrung der Bundesstraße 169 für den Schwerlastverkehr ist Thema einer öffentlichen Livesendung aus der Reihe "radioeins und RUNDSCHAU Spezial" am Mittwoch, 19. Juli, aus der Gaststätte "Schön Oßnig" in Klein Oßnig. Ab 19 Uhr diskutieren Jan Siegel (RUNDSCHAU) und Jan Vesper (radioeins) mit Anliegern, Politikern und Fachleuten.