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| 16:32 Uhr

Urteil aus Cottbus
Landgericht spricht Axt-Angreifer frei

Cottbus/Senftenberg. Mit einer Überraschung ist der Prozess gegen einen 23-Jährigen aus dem Amt Ruhland zu Ende gegangen.

Der Prozess gegen einen 23-jährigen Mann aus dem Amt Ruhland hat am Dienstag überraschend mit einem Freispruch geendet. Die 2. Große Strafkammer um Richter André Simon sah es zwar als erwiesen an, dass der Angeklagte vor gut einem Jahr einen anderen Bahngast mit einem Beil bedroht und die Herausgabe von Wertgegenständen verlangt hat. Jedoch sei er freiwillig aus eigenem Antrieb und damit strafbefreiend von diesem Versuch wieder zurückgetreten. Ohne Beute und ohne Gewalt auszuüben, hatte der Angeklagte den Zug in Hosena wieder verlassen. Das Gericht stützt sich hierbei auf Paragraf 24 des Strafgesetzbuches, nachdem der Rücktritt ein persönlicher Strafaufhebungsgrund ist.

Zum Prozessauftakt vor zwei Monaten bestritt der drogenabhängige Mann die Tat noch. Eine Überwachungskamera filmte das Geschehen aber. Als das Video als Beweismittel ausgewertet wurde, räumte er unter Tränen ein, der Mann auf dem siebenminütigen Film zu sein. Experten vom Landeskriminalamt kamen zu dem Schluss, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Angeklagten handelt.

Offen war bis zum letzten Verhandlungstag noch die Frage der Schuldfähigkeit. Antworten sollte der Cottbuser Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Uwe Heidergott, am Dienstag liefern. In seinem Gutachten, das er in fast 80 Minuten vorstellte, zeichnete er ein von Drogenkonsum bestimmtes Leben des Angeklagten. Schon mit 13 Jahren, das habe ihm der Angeklagte in einem persönlichen Gespräch gesagt, habe er das erste Mal gekifft. In dieser Zeit soll bei ihm auch eine Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert worden sein, die mit Medikamenten behandelt wurde. Der Drogenkonsum steigerte sich damals. Neben Cannabis kommen später Pilze, Kokain, LSD, Heroin und Crystal Meth hinzu. „Er konsumiert alles, was denkbar und verfügbar ist“, fasst Heidergott die multiple Substanzabhängigkeit zusammen. Das Risiko für einen Rückfall sei sehr hoch. Hinweise für eine dauerhafte Persönlichkeitsstörung gebe es allerdings keine. Während der Tat sei der Angeklagte möglicherweise zwar drogenbedingt enthemmter gewesen - an Halluzinationen oder Verfolgungswahn habe er jedoch nicht gelitten. Zu dieser Erkenntnis sei er nach Auswertung des Videos gekommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob der Cottbuser Staatsanwalt Thomas Schell, der eine Strafe von vier Jahre gefordert hatte, Revision einlegt, ist noch unklar. Er hatte die Bestrafung wegen versuchter räuberischer Erpressung gefordert.

(jag)