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| 18:13 Uhr

Aus dem Gericht
Trauriger Höhepunkt vor Gericht

Cottbus/Senftenberg . Wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels ist am Montagmittag ein 37-jähriger Senftenberger zu einer Rekord-Gesamtfreiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt worden. Von Jan Augustin

Scheinbar ungerührt erwartet Sven M.* am Montagmittag das Urteil. Stehend, den Blick auf den Vorsitzenden Richter Frank Schollbach gerichtet, die Hände dezent übereinandergelegt. Schwarzes Jacket, Hemd, das Haupt kurz geschoren. Dann das: Die erste Große Strafkammer sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte in 114 Fällen unerlaubt mit Betäubungsmitteln, insbesondere mit Crystal Meth, Handel getrieben und eine scharfe Pistole besessen hat. Die Vorwürfe der Staatsanwalt haben sich damit weitestgehend als richtig erwiesen, sagt Richter Frank Schollbach.

Für den Cottbuser Staatsanwalt Olaf Jurtz ist es die bisher höchste Strafe gegen einen Drogendealer, die er je erreicht hat. „Das ist der traurige Höhepunkt“, bestätigt er kurz nach der Urteilsverkündung. Die Gesamtfreiheitsstrafe für Sven M. summiert sich auf satte zwölfeinhalb Jahre. Zudem muss er 12 600 Euro an die Staatskasse zahlen. Die nächsten vier Jahre und drei Monate verbringt er im Gefängnis. Danach soll er in einer Entziehungsklinik behandelt werden. Sollte Sven M. im Maßregelvollzug erfolgreich therapiert werden, könnte sich die Strafe für den 37-jährigen Senftenberger halbieren. Möglich macht das der „64er“. Der Paragraf im Strafgesetzbuch setzt auf Therapie statt Strafe. Ob Sven M. das schafft, ist offen. Bisher ist das hier aber noch keinem gelungen, sagt Olaf Jurtz.

Der für Drogenkriminalität zuständige Cottbuser Staatsanwalt bearbeitet derzeit etliche Prozesse, die sich mit Betäubungsmittel-Kriminalität beschäftigen. Im vergangenen Jahr hat er so viele Fälle gehabt wie nie zuvor. Aktuell verantworten sich auch ein Vater und sein Sohn vor dem Cottbuser Landgericht. Die Beiden sollen das synthetisch hergestellte Methamphetamin Crystal als Kuriere aus Tschechien für Sven M. besorgt haben. Der Fall Sven M. ragt aus der Ermittlungsarbeit des Staatsanwaltes deutlich heraus. Der Justiz ist er seit Längerem bekannt. 2006 hatte ihn das Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt. Anfang vergangenen Jahres kam er am Amtsgericht Senftenberg mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Drogenkarriere von Sven M. beginnt im Alter von 16 Jahren, als er erstmals Haschisch konsumiert, erläutert Richter Schollbach in der ausführlichen Urteilsbegründung. Kurze Zeit später kommt der Senftenberger mit chemischen Drogen in Kontakt. 2000 wird er ins Krankenhaus geliefert - die Diagnose: eine drogeninduzierte Psychose. Erfolglos macht er zwei Therapien. Handelt weiter, um sich Drogen für den Selbstgebrauch zu besorgen und um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Mit Ausnahme von Heroin, das bestätigt Sven M. im Laufe des Prozesses, hat er die gesamte Palette ausprobiert. 2015 ist sein Konsum auf ein erhebliches Ausmaß angestiegen. Eigenen Angaben zufolge nimmt er täglich mindestens einen Gramm Crystal und zwei bis vier Gramm Marihuana zu sich. Bei Partys darf es gern auch Kokain oder Ecstasy sein.

Sven M. war vor knapp einem Jahr bei einer groß angelegten Razzia festgenommen worden. Wohnungen und Gärten wurden in Cottbus, Senftenberg und Lübben durchsucht. Einsatzkräfte vom Spezialeinsatzkommando stellten ihn, als er 200 Gramm Crystal an einen Dealer aus Lübben verkaufte. Die Ermittler fanden in einer Wohnung, die Sven M. als Bunkerort genutzt haben soll, kiloweise Drogen. Unter anderem soll er im Eigentum von 1,7 Kilo Crystal, 122 Gramm Kokain, 700 Gramm Haschisch und 738 LSD-Trips gewesen sein. In einem Keller fanden die Beamten eine scharfe Pistole mit Schalldämpfer, passende Munition, eine Geldzählmaschine und 12 000 Euro Bares. An den Geldpaketen haben die Experten des Landeskriminalamtes Fingerabdrücke des Angeklagten gesichert. Die Schlüssel für Keller und Wohnung hatte Sven M. an seinem Schlüsselbund bei sich. ⇥*Name geändert