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| 15:18 Uhr

Prozess am Landgericht Cottbus
Mann soll nach Attacken in Sicherheitsverwahrung

 Am Ende des Verfahrens muss das Cottbuser Landgericht entscheiden, ob der 34-jährige Beschuldigte in Sicherheitsverwahrung bleibt oder nicht.
Am Ende des Verfahrens muss das Cottbuser Landgericht entscheiden, ob der 34-jährige Beschuldigte in Sicherheitsverwahrung bleibt oder nicht. FOTO: LR / Jan Augustin
Cottbus/Lauchhammer . Brutale Attacke in Lauchammer: Ein Mann soll sein Opfer mehrfach bewusstlos geprügelt haben. Vor dem Landgericht Cottbus muss sich der Beschuldigte nun verantworten. Es ist aber nicht die einzige Tat, die ihm vorgeworfen wird. Von Jan Augustin

Brutaler geht es kaum. Im Sommer vorigen Jahres soll der Beschuldigte einem Mann so oft mit der Faust ins Gesicht und auf die Brust geschlagen haben, dass dieser mehrfach ins Koma fällt. Als Nebenkläger berichtet davon das mutmaßliche Opfer (54) am Donnerstag im großen Saal des Cottbuser Landgerichtes.

Am Ende des Verfahrens muss die 3. Große Strafkammer entscheiden, ob der 34-jährige Beschuldigte in Sicherheitsverwahrung bleibt oder nicht. Die freiheitsentziehende Maßregel soll dazu dienen, die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen, und hat somit Präventivfunktion.

Äußerlich reglos lauscht der Beschuldigte den Ausführungen im großen Gerichtssaal. Die Hände ineinandergefaltet auf dem Tisch abgelegt, schaut der kräftig gebaute Mann stoisch geradeaus oder schließt über längere Zeit seine Augen. Nur selten verfolgt er das Geschehen scheinbar mit Interesse, in dem er seinen Blick zwischen Richter, Nebenklägern und Gutachter wandern lässt.

Es ist nicht die einzige Tat, die dem Lauchhammeraner vorgeworfen wird. Im Juli 2018 soll er eine andere Person beleidigt sowie eine Dachrinne und ein Auto beschädigt haben. Am 17. August soll er Mitarbeiter eines Krankenhauses beleidigt, bedroht und geschlagen haben.

Brutaler Übergriff in Lauchammer

Wenige Tage später passiert der nun verhandelte Übergriff im Eingangs- und Kellerbereich eines Wohnblockes in der Georg-Herwegh-Straße in Lauchammer. Der Beschuldigte, der die Tat bisher bestreitet, soll sein Opfer so massiv mit der Faust geschlagen und mit den Füßen getreten haben, dass dieser mehrfach das Bewusstsein verloren haben soll.

Die hinzugeeilte Lebensgefährtin, die ebenfalls als Nebenklägerin am Verfahren beteiligt ist, soll er durch einen Schlag in das Gesicht verletzt haben. Das Motiv bleibt unklar.

„Er war hoch aggressiv und hatte einen bösen Blick drauf. So etwas habe ich noch nie gesehen“, schildert die Lebensgefährtin der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Christian Fisch. Sie habe beobachtet, wie ihr am Boden liegender Mann in kurzen Abständen kräftig ins Gesicht geschlagen worden sei. Der Angreifer soll dabei immer wieder „ich schlage dich tot“ geschrien haben.

„Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn anzubrülllen“, sagt die 42-Jährige. Kurze Zeit später soll der Täter aus dem Haus gerannt sein. Nachbarn informierten die Polizei und verfolgten ihn. Nach kurzer Flucht wurde er festgenommen.

Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus beantragt

Auch wenn er sich nicht an jedes Detail erinnern kann, bestätigt das der Lebenspartner. „Er hat immer wieder zugeschlagen. Ich hatte Angst um mein Leben“, sagt er. Für seinen Anwalt Mirko Schubert fällt der vorgeworfene Tatbestand auch schwerwiegender aus. „Das ist nicht nur gefährliche Körperverletzung, sondern versuchter Totschlag“, sagt er in einer Verhandlungspause.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus geht davon aus, dass der Beschuldigte die Tathandlungen im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat und von ihm weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind. Sie hat daher seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt, wo er seit der Tat im Sommer vergangenen Jahres behandelt wird. Das Verfahren wird kommenden Donnerstag fortgesetzt.