Gefeiert wird aus doppeltem Grund: Auf den Tag genau vor 20 Jahren, am 55. Geburtstag von Dr. Ursula Sachse, ist die Familien-Gemeinschaftspraxis mit Tochter Susanne Blei eröffnet worden.

Die Praxis-Begründerin ist damals schon viele Jahre im Dorf Landärztin. 1968 hält sie in der Staatlichen Arztpraxis im kleinen Schloss ihre erste Sprechstunde ab. Damals noch ohne Telefon, ohne Auto, ohne Schnelle Medizinische Hilfe, ohne EKG- oder Ultraschallgerät. In den Wendejahren übernimmt sie die Praxis dann in eigene Hände. "Ich musste mich kümmern", erinnert sie sich an die turbulenten Zeiten, in denen die Polikliniken aufgelöst wurden und die Gemeinde die Landärztin nicht übernehmen konnte.

Als sie wusste, dass die Tochter nachrückt und beide gemeinsam arbeiten würden, fällt 1996 die Entscheidung für den Praxisneubau. Die muss 2010 bereits durch einen Anbau erweitert werden, weil sie aus allen Nähten zu platzen droht. Nach und nach hat die Mutter dann das Zepter an die Tochter abgegeben. Sie genießt es inzwischen, nicht mehr die ganze Verantwortung zu haben.

Die Facharztpraxis für Allgemeinmedizin mit naturheilkundlichen Schwerpunkten ist neuerdings auch Lehrpraxis der medizinischen Hochschule Brandenburg. Die Patienten schwirren von weither nach Hohenbocka ein. Der Praxis-Radius reicht bis nach Ortrand, Schwarzheide, Lauchhammer, Großräschen und Lauta. Was die Patienten betrifft, ticken die beiden Landärztinnen gleich, wie die Mutter bestätigt. Weggeschickt wird keiner. Auch an Samstagen und Sonntagen nicht. Das gehört zur Praxis-Philosophie. In Hohenbocka hängt an der Praxistür auch kein Schild mit dem in Senftenberg gut bekannten Satz: "Wir nehmen keine Neu-Patienten auf!"

"Wir haben Medizin studiert, um Menschen zu helfen und nicht, um sie wegzuschicken", erklären die beiden Fachärztinnen für Allgemeinmedizin. Mutter und Tochter schätzen vor allem die viel intensivere Bindung zu ihren Patienten, wie sie in einer Klinik nie möglich ist. "Wir kennen die Familien, haben enge Beziehungen zu ihnen und teilen mit ihnen Freud und Leid. Das ist das Gute", sind sie sich darin einig, für ein anonymes Leben in der Stadt nicht geboren zu sein.

Mit viel Sinn fürs Familiäre haben die beiden Landärztinnen auch ihr Praxisteam aufgebaut. Von den fünf Arzthelferinnen haben sie vier selbst ausgebildet. Kathrin Pohling aus Hosena ist eine davon. 18 Jahre gehört die Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung inzwischen zur festen Mannschaft. Aliene Schröter hat vor 16 Jahren in der Praxis gelernt und sich später berufsbegleitend zur Podologin weitergebildet. Die leitende Schwester Heidrun Böhm hat mit Dr. Ursula Sachse schon in der Arztpraxis im kleinen Schloss Sprechstunden abgehalten. Auf ihr Team, das immer mitzieht, sind die beiden Ärztinnen stolz.

Für den Fortbestand der Familien-Gemeinschaftspraxis steht die nächste Generation schon bereit. Enkel Christian studiert Medizin und weiß nach seiner anderthalbjährigen Ausbildung in der Praxis von Mutter und Oma ziemlich gut, worauf er sich einlässt, wenn er als Jung-Mediziner aufs Land geht.

Dr. Ursula Sachse brennt nach fast 50 Jahren in Hohenbocka dafür wie am ersten Sprechstundentag. "Ich würde es immer wieder machen", sagt sie und packt nebenbei die Tasche für den nächsten Hausbesuch.