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| 17:16 Uhr

KWG kämpft gegen Leerstand und investiert Millionen

Dieses Hochhaus in Senftenberg ist ein Hingucker geworden. Die KWG hat für ihre gestalteten Häuser schon einige Preise erhalten.
Dieses Hochhaus in Senftenberg ist ein Hingucker geworden. Die KWG hat für ihre gestalteten Häuser schon einige Preise erhalten. FOTO: KWG
Senftenberg. Altersmäßig steckt die Kommunale Wohnungsgesellschaft (KWG) mbH Senftenberg mitten im prallen Leben. Sie ist in diesen Tagen 25 Jahre jung geworden. Von einer unbeschwerten Kinder-, Jugend- und Jungerwachsenenzeit kann jedoch keine Rede sein. Manfred Feller

Von Kindesbeinen an hat die KWG als größter Wohnungs- und Gewerbeobjektvermieter im Süden des OSL-Landkreises wie alle großen Anbieter mit den typischen Ostkrankheiten zu kämpfen gehabt: Mieterverlust durch Wegzug, Tod und zu wenig Geburten.

Leerstand. Ohne den massiven Rückbau würden heute vier von zehn KWG-Wohnungen leer stehen. In Großräschen läge der Leerstand sogar bei 55 Prozent und in Schipkau bei fast 50 Prozent. Das Gesamtunternehmen hat heute eine Quote von 12,5 Prozent. Diese wird bis 2025 voraussichtlich auf 15,7 Prozent steigen. Und das, obwohl jährlich abgerissen bzw. stillgelegt wird. Der Plan sieht vor, dass es in diesem Jahr 220 Wohnungen sein werden. In den Folgejahren sind es zwischen 92 und 190. Vereinzelt betrifft es auch Gewerbeobjekte.

Parallel zu dem dramatischen Einwohnerschwund (allein Senftenberg mit den Ortsteilen hatte 1990 noch fast 37 000 Einwohner, (heute etwa 24 000) wuchs der Leerstand. Dramatisch war es zwischen 1998 und 2001 mit jährlich fast 500 frei werdenden Wohnungen. Zuletzt sind es jährlich um die 100 gewesen. Das Durchschnittsalter der Mieter liegt mittlerweile bei 54 Jahren.

Der Gesamtbestand der Wohnungen und Gewerbeobjekte der KWG hat sich seit dem Jahr 1991 von 13 108 auf 7894 verringert. Bis 2025 soll er weiter auf 6333 Wohnungen reduziert werden, um den Leerstand nicht hochschnellen zu lassen und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu wahren. "Ich gehe davon aus, dass die Stabilisierung der KWG, der BMA (das Tochterunternehmen/d. A.) und des regionalen Wohnungsmarktes aufgrund der schrumpfenden Bevölkerungszahl und des steigenden Leerstandes weiterhin großer Anstrengungen bedarf", sieht Geschäftsführer Roland Osiander weitere bewegte Jahre.

Wirtschaftsfaktor. Die KWG ist auch Arbeitgeber, vor allem aber ein wichtiger Auftraggeber für das Handwerk. Der Vermieter und deren Tochter BMA zählen heute 69 Mitarbeiter. Darunter sind mit der Anzahl 13 überdurchschnittlich viele Auszubildende, Umschüler und Studenten.

Seit dem Jahr 2000 hat die KWG nicht weniger als 150 Millionen Euro in ihre Wohnungen und die Infrastruktur des Bestandes investiert. In diesem Jahr wird mit 12,8 Millionen Euro ein sehr hoher Wert erreicht. Davon fließen nur 700 000 Euro in den Abriss. Mit dem sinkenden Bestand verringert sich allmählich auch das Investitionsvolumen auf prognostizierte neun Millionen Euro im Jahr 2025. "Die Aufträge werden wieder vor allem an regionale Firmen vergeben", kündigt Roland Osiander an. "So tragen wir intensiv dazu bei, dass vorhandene Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden und der eine oder andere Arbeitsplatz geschaffen wird."

Investitionen. Für das Jahr 2016 sind diese Maßnahmen (nur Schwerpunkte) beschlossene Sache - Senftenberg: Vollsanierung Briesker Straße 2 und Fortführen der Aufwertung im Quartier Schulstraße mit der Teilsanierung des Wohnblocks 16 bis 24. Weitere Objekte: Laugstraße 20 bis 24, Fischreiherstraße 1 bis 13 und Adolf-Hennecke-Straße 29.

Großräschen: In diese Stadt fließen 2,4 Millionen Euro. Dabei ragt die Sanierung der Karl-Marx-Straße 34 bis 42 heraus. Im Zetkinweg 2 bis 8 werden Fassade und Balkone saniert. Weitere Objekte: Karl-Marx-Straße 20 bis 26, Feuerbachstraße 33 bis 39 und Calauer/Steinstraße.

Schipkau: In Schipkau und Drochow liegt das Augenmerk auf dem Bestandserhalt. Es werden auch Wohnungen für die Neuvermietung hergerichtet. Weitere Objekte sind die Gerhart-Hauptmann-Straße 2 bis 8 und die Leninstraße 29 bis 37. Zudem sind geologische Erkundungen zur Grundwasserabwehr notwendig.

Schwarzheide: In der Straße des Friedens 13 bis 18 werden unter anderem das Dach saniert, die Kellerdecken gedämmt und Aufzüge eingebaut.

Ortrand: Das Gebäude Grenzweg 13 bis 17 wird saniert. Dazu gehören das Dach, eine neue Heizung, Sanitär- und Elektroanlagen sowie Fliesenlegerarbeiten. Auch die Treppenhäuser werden renoviert. Ein weiteres Objekt ist der Grenzweg 1 bis 5.

Wohnungsangebot. Die KWG kann die Wohnungsnachfrage "weitgehend" bedienen. Von ihren aktuell 974 leeren Wohnungen zwischen Ortrand und Großräschen fallen bis zum Jahr 2021 insgesamt 509 Wohnungen nicht in die Modernisierung oder den Abbruch und können sofort vermietet werden. Dabei handelt es sich vornehmlich um 3-, aber auch um 2- und 1-Raum-Wohnungen. In Senftenberg hält die KWG 222 Wohnungen bereit, in Großräschen 177, in Schipkau 43, in Schwarzheide 51 und in Ort- rand 16.

Altersgerechtes Wohnen. Die Anzahl der altersfreundlichen, alters- und behindertengerechten Wohnungen hat bei der KWG zugenommen - von 789 im Jahr 2000 auf heute 1030. 935 Wohnungen sind altenfreundlich (mit Aufzug), 70 sind altengerecht und barrierefrei sowie 25 behinderten- und rollstuhlgerecht. In der Summe entspricht dies einem Anteil am Gesamtbestand von 13,3 Prozent. Das liegt deutlich über dem Vergleichswert des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen von sieben bis acht Prozent. Hinzu kommen 1600 Erdgeschosswohnungen. Der Bedarf sei da, so Geschäftsführer Roland Osiander, da viele Ältere vom Land in die für sie bequemeren Städte ziehen und deswegen sogar ihr Haus aufgeben.

Miete. Die KWG verlangt aktuell Mieten zwischen 2,00 und 7,00 Euro je Quadratmeter im Monat. Im Durchschnitt sind das 4,66 Euro. In Brandenburg sei dies ein unterdurchschnittlicher Wert. Die Durchschnittsmiete werde aufgrund steigender Kosten und wegen der Investitionen im Unternehmen bis 2025 moderat auf 4,76 Euro steigen. 622 Wohnungen unterliegen einer Mietpreis- und Belegungsbindung. Für diese Sozialwohnungen sind zwischen 3,40 und 5,00 Euro zu bezahlen. Rund 100 Wohnungen werden Studenten ab 2,00 Euro je Quadratmeter und Monat angeboten.

Mietschuldner. Jährlich beklagt die KWG Mietaußenstände in Höhe einer sechsstelligen Summe. Abzüglich der "eingetriebenen" Schulden bleibe der Verlust sechsstellig. Zwangsräumungen aufgrund von Schulden, Vermüllung und Störungen der Nachbarn seien eher die Ausnahme. Um wenigstens einige derartige Probleme zu lösen, werde intensiv mit Ämtern zusammengearbeitet. "Wir hatten sogar schon eine Hundezucht in einer 3-Raum-Wohnung", erinnert sich Roland Osiander mit Grausen an die Zustände.

Asylbewerber. Als kommunales Unternehmen muss die KWG dem Landkreis Wohnungen für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge anbieten. Ende 2015 waren 128 Wohnungen vermietet - 68 in Senftenberg, 17 in Großräschen, 26 in Schipkau, 15 in Schwarzheide und zwei in Ortrand. Im ersten Quartal sollen weitere 43 Wohnungen an den Landkreis vermietet werden. Die Wohnungen hätten einen einfachen Standard. Der Zustand nach dem Auszug sei ähnlich gut oder schlecht wie bei den einheimischen Mietern.