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| 17:49 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Weder Wasser noch Feuer gescheut

 Nach Beendigung seiner Dienstzeit in der Einsatzabteilung durfte sich Kurt Beyer drei Feuerwehrhelme aus seinen fünf Jahrzehnte währendem Wirken bei der Freiwilligen Feuerwehr mitnehmen. Symbolisch stehen sie auch für drei kritische Einsatzmomente. „Dreimal haben mich Helme vor schlimmen Verletzungen bewahrt“, so der Senftenberger.
Nach Beendigung seiner Dienstzeit in der Einsatzabteilung durfte sich Kurt Beyer drei Feuerwehrhelme aus seinen fünf Jahrzehnte währendem Wirken bei der Freiwilligen Feuerwehr mitnehmen. Symbolisch stehen sie auch für drei kritische Einsatzmomente. „Dreimal haben mich Helme vor schlimmen Verletzungen bewahrt“, so der Senftenberger. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Kurt Beyer (Senftenberg). Von Uwe Hegewald

Für Kurt Beyer hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Mit seinem Eintritt in die Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Senftenberg steht er der Einsatzabteilung nicht mehr zur Verfügung. Was aber nicht heißen soll, dass er der Feuerwehr für immer den Rücken kehrt. „Einmal Feuerwehrmann – immer Feuerwehrmann“, erklärt der Senftenberger, der bei den Feuerwehr-Urgesteinen den Vorsitz übernommen hat. „Mit Erreichen seines 85. Lebensjahres hat Hans Koark darum gebeten, von dieser Funktion entbunden zu werden“, so Kurt Beyer, der inzwischen auch dem Förderverein der Senftenberger Wehr beigetreten ist. Eine der Aufgaben des Vereins ist es, Tage der offenen (Depot-)Tür vorzubereiten und durchzuführen.

Besuchern dieser Veranstaltungen ist eine Begegnung mit Kurt Beyer nur zu empfehlen. Es gibt nur wenige Personen, die eine so bewegte Dienstzeit in Uniform nachweisen können, wie der frühere Reppister. Bereits als Kind habe er den Männern aus seinem Dorf hinterhergeschaut, wenn diese zu Einsätzen ausgerückt sind. „Als 16-Jähriger durfte ich dann erstmals mitfahren. Seitdem lässt mich das Thema Feuerwehr nicht mehr los“, erzählt er. Trotz heiklen Brandbekämpfungen, die aufgrund der zahlreichen Brikettfabriken im Senftenberger Raum fast schon auf der Tagesordnung standen. „Mit der Brikettfabrik Morgenrot hatte unsere Ortswehr einen Patenschaftsvertrag. Ich habe aber auch alle weiteren 13 Brikettbuden kennengelernt“, blickt Kurt Beyer zurück.

Und klar, war er auch im Einsatz, als sich am 24. Juni 1978 in der Brikettfabrik Impuls eine verheerende Kohlestaub-Explosion ereignete, die vier Menschen in den Tod riss. Wenn zu Löscheinsätzen in Brikettfabriken gerufen wurde, seien hiesige Feuerwehrleute oft mit mulmigem Gefühl dorthin gefahren. „Beim Richten des Wasserstrahls konnte sich ein unscheinbares Glutnest in einen riesigen Feuerball verwandeln“, berichtet er. Ähnliche Situationen hätten sich bei Waldbränden eingestellt, wo Waldböden mitunter eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus trockenen Kiefernnadeln und Kohlestaub aufwiesen. „Da hat die Erde gebrannt und wir waren glücklich, bei schweren Waldbränden über ein Tatra-Tanklöschfahrzeug zu verfügen. Mit der 6000-Liter-Badewanne konnte man schon einiges unter Kontrolle bringen“, erinnert sich Kurt Beyer.

Als „sein“ Dorf Reppist Mitte der 1980er-Jahre dem Braunkohle-Tagebau Meuro weichen musste, war das für ihn kein Grund, den ehrenamtlichen Dienst zu quittieren. Auch nicht, als sich sein Wunsch, Berufsfeuerwehrmann zu werden, nicht erfüllen sollte. „Ich bin zu Schutzpolizei gewechselt, hatte aber eine Bedingung gestellt: meine Tätigkeit in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr weiterhin ausüben zu dürfen“, erzählt er. Die Funktionäre lenkten ein und legten damit den Grundstein, den Senftenberger zu einer beispiellosen Person innerhalb der Behörden mit Ordnungs-, Hilfs- und Sicherheitsfunktion zu qualifizieren. Kurt Beyer ist durchs Feuer und aufs Wasser gegangen, was der heute 69-Jährige mit seinem Anheuern bei der Wasserschutzpolizei begründet. „Nach der Freigabe des Senftenberger Sees zum Naherholungsgebiet zählte ich 1973 zu den ersten Wasserschutzpolizisten des Muttersees.“

Noch sehr genau erinnert er sich an die enge Zusammenarbeit mit dem DRK, an die zwölf Rettungsschwimmertürme, die es am Badestrand zu besetzten galt und an so manchen Hobbykapitän, die nach Anfängerfehlern aus dem Wasser gefischt werden mussten. Und er erinnert sich an die etwas fragwürdige Entscheidung der Behörden, den Senftenberger See nach zehn Jahren den Binnengewässer-Status abzuerkennen. „Damit erlosch der Bedarf, das Gewässer beaufsichtigen zu müssen“, so Beyer zu seiner kurzen Mission „christliche Seefahrt“. Die Entscheidung trug er mit Fassung, hatte er sich inzwischen doch ein neues, zeit- und arbeitsintensives Ziel gestellt: das Gründen von Arbeitsgemeinschaften „Junge Brandschutzhelfer“ an allen damaligen sechs Schulen in Senftenberg.

Kinder und Jugendliche für eine Mitarbeit im Brandschutz gewinnen, Wissen vermitteln, aber auch deren Persönlichkeit stärken, führt Kurt Beyer an, wenn er nach den Gründen seines ehrenamtlichen Engagements mit und für Jugendliche gefragt wird. Als Jugendfeuerwehrwart setzte er seine Berufung fort, und noch heute nimmt er an den wöchentlichen Montagsdiensten mit Ausbildungen, Technikwartung und Beratungen teil. Sein großes Anliegen: Schaden von Mensch, Tier, Hab und Gut abwenden und die Heimat ein Stück sicherer machen.

 Nach Beendigung seiner Dienstzeit in der Einsatzabteilung durfte sich Kurt Beyer drei Feuerwehrhelme aus seinen fünf Jahrzehnte währendem Wirken bei der Freiwilligen Feuerwehr mitnehmen. Symbolisch stehen sie auch für drei kritische Einsatzmomente. „Dreimal haben mich Helme vor schlimmen Verletzungen bewahrt“, so der Senftenberger.
Nach Beendigung seiner Dienstzeit in der Einsatzabteilung durfte sich Kurt Beyer drei Feuerwehrhelme aus seinen fünf Jahrzehnte währendem Wirken bei der Freiwilligen Feuerwehr mitnehmen. Symbolisch stehen sie auch für drei kritische Einsatzmomente. „Dreimal haben mich Helme vor schlimmen Verletzungen bewahrt“, so der Senftenberger. FOTO: Uwe Hegewald